Tathergang bleibt weiter unklar


Wer hat zuerst zugestochen? Wie kam es zum Tatentschluss? Warum wurde nach dem Mord noch ein Feuer gelegt? Diese Fragen standen am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht in Münster im Fokus. Zwei junge Erwachsene müssen sich dort wegen Mordes verantworten.

Der Mord am Akazienweg, der die Polizei im März dieses Jahres beschäftigte, wird zurzeit am Landgericht verhandelt. Max Lametz

Im Strafverfahren um den Mord am Akazienweg im März dieses Jahres, bei dem ein 22-jähriger Mann von dessen Mitbewohner und einem Freund mit 19 Messerstichen getötet worden sein soll, ging es am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht in Münster um Details zu den Tatumständen und zum Hergang.

Den beiden 21 und mittlerweile 20 Jahre alten Angeklagten wurden von der 21. Großen Strafkammer, dem Vertreter der Staatsanwaltschaft und den Verteidigern noch einmal konkret folgende Fragen gestellt: Wie kam es zu dem Tatentschluss? Haben sich die beiden Männer gegenseitig ermuntert? Wer war die treibende Kraft? Wer hat als erstes zugestochen und wie oft? Warum wurde anschließend noch ein Feuer gelegt?

Bereits am ersten Prozesstag hatte der 21-jährige Mitbewohner des Getöteten berichtet, dass er und der Mitangeklagte bereits mit Tötungsabsicht die Wohnung am Akazienweg aufgesucht hatten. Die beiden hoch alkoholisierten Männer hätten angesichts eines „Playstation-Controllers“, der auf dem Sofa lag, zunächst jedoch beschlossen, an der Konsole zu spielen.

Als der Akku des Controllers leer war, sei der 21-jährige in das Zimmer des dort schlafenden Mitbewohners gegangen, um ein Ladekabel zu holen. Der 19-jährige habe dann gefragt, ob der Mitbewohner schläft und gesagt: „Wenn du dich nicht traust, dann mache ich es allein.“ Dieser Satz wird vom Mitangeklagten jedoch bestritten. Wann und wie der konkrete Entschluss zustande kam, ist daher weiterhin unklar.

Während der 21-jährige aussagte, dass der Mitangeklagte zuerst zugestochen habe, gab der 19-jährige an, dass das Zustechen gleichzeitig geschah. Wer wie oft zugestochen hat, bleibt ebenfalls unklar. Der 21-jährige gab nur drei oder vier Stiche zu. Dies wird allerdings von Seiten des Mitangeklagten bestritten.

Der 19-Jährige räumte allerdings ein, dass er dem bereits leblos am Boden liegenden Opfer nach einer zeitlichen Zäsur, in der der andere Täter die von Blut durchnässten Kleider wechselte, in den Hals stach, um sicher zu gehen, dass der 22-Jährige nicht mehr lebte und die Tat insofern auch nicht mehr anzeigen konnte. Da man anschließend von dessen Tod ausgegangen war, habe man das Feuer gelegt, um Spuren zu vernichten, nicht um den Tod durch eine weitere Maßnahme herbeizuführen.

Im Rahmen der Beweisaufnahme wurde auch der Polizeibeamte befragt, der das Handy des Getöteten und weitere Mobiltelefone, die in der Wohnung sichergestellt wurden, nach dem kompromittierenden Video, das den sexuellen Missbrauch am 21-jährigen zeigen soll, durchsucht hatte. Dieses wurde jedoch nicht gefunden.

Abschließend wurden Gutachten der Justizvollzugsanstalten verlesen, in denen sich die beiden Männer zurzeit befinden. Beiden wurden darin Empathiefähigkeit und einwandfreies Sozialverhalten zugeschrieben, was im Gegensatz zu der Grausamkeit eines Mordes mit 19 Messerstichen steht. Am 29. September (Mittwoch) wird der Prozess fortgesetzt.

von -eml-

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