Tierklinik zieht die Notbremse


Vorerst keine Abend- und Nachtsprechstunden mehr in der Tierklinik Ahlen: Den Fachkräftemangel bekommt auch die Einrichtung an der Bunsenstraße deutlich zu spüren. Das Personal ist überlastet, was nun zu Konsequenzen führt.

Vorerst die Notbremse gezogen: Carolin Scheidtweiler, Dr. Gereon Viefhues und Alina Günther (v.l.) sehen die Belastungsgrenze des Personals in der Tierklinik Ahlen erreicht, was nun zu Konsequenzen führt. Ralf Steinhorst

Den Fachkräftemangel bekommt auch die Tierklinik Ahlen in der Bunsenstraße deutlich zu spüren. Das Personal ist überlastet, was nun zu Konsequenzen führt. Ab Oktober gilt in den Abend- und Nachtstunden ein Aufnahme- und Behandlungsstopp. Das ist aber nicht die einzige Herausforderung, mit der die Tierklinik kämpft: Tierhalter werden in der Klinik zunehmend aggressiver.

„Seit 1981 waren wir eine 24-Stunden-Klinik“, bedauert Teamleiterin Carolin Scheidtweiler den Schritt. Dieser ist aber wohlüberlegt und notwendig, wie auch Chefarzt und Geschäftsführer Dr. Gereon Viefhues und auch Alina Günther, Leiterin der Warenwirtschaft, betonen. Man habe schon einige Maßnahmen zur Lenkung der Patientenströme vorgenommen, aber die reichten nicht aus. Nun also wurde die Notbremse gezogen.

Die Kernzeiten von 7.30 bis 20 Uhr von Montag bis Freitag bleiben aber genauso bestehen wie die Öffnungszeiten von 10 bis 17 Uhr an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen. „In diesen Zeiten werden die vollen Dienstleistungen wie Operationen, Notfälle, Überweisungen und Behandlungen erbracht“, konkretisiert Dr. Gereon Viefhues im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch die stationäre Versorgung nachts wird aufrechterhalten.

Der Schritt wurde notwendig, weil in der Coronazeit die Zahl der Haustierhalter immens zugenommen hat. Auf der anderen Seite steht ein extremer Fachkräftemangel, nicht nur bei den Tierärzten, sondern auch beim tierärztlichen Fachpersonal. „Die Arbeitsintensität ist erhöht, auch der psychische Druck immens“, sieht Dr. Gereon Viefhues die Belastungsgrenze erreicht.

Hinzu kommt, dass er immer mehr wahrnehme, dass das Verständnis der Halter gegenüber tierärztlichen Entscheidungen tendenziell abnimmt, das Unverständnis für Wartezeiten und Tierarztkosten dagegen massiv zunimmt. Die Folge sei, so der Fachmann, dass die Halter zunehmend aggressiv gegenüber den Ärzten auftreten. Des Weiteren gebe es bei den Notdiensten vermehrt Fälle, die nicht lebensbedrohlich oder akut sind, weil die Halter diese falsch beurteilen.

Ist das Aus des nächtlichen Aufnahme- und Behandlungsstopps nun für immer gesetzt? Nein. „Es soll nur temporär sein“, erklärt Carolin Scheidtweiler. Man rechne mit etwa vier Monaten, bis die Tierklinik personell wieder besser aufgestellt ist. Bei den tiermedizinischen Fachangestellten versucht die Tierklinik gegenzusteuern, indem sie selbst ausbildet. Für das kommende Jahr hat sie noch offene Lehrstellen.

Dr. Gereon Viefhues bittet um Verständnis für die Überlastungen: „Das ist eine Notbremse und wir hoffen sie möglichst schnell wieder lösen zu können.“ 

von Von Ralf Steinhorst

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