Unschärfe zum ästhetischen Prinzip erklärt


Die neue Ausstellung „Grenzenlos – Faszination Unschärfe“ ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. So sei sie zum Beispiel die erste reine Fotografie-Ausstellung des Kunstvereins. Eröffnet wird sie am Freitag.

Durch die Bewegungsunschärfe entstehen malerische Wischeffekte, die für die Arbeiten Monika Reimann typisch sind. Dieses Foto gehört zu einer Serie mit Münsteraner Ansichten. Dierk Hartleb

Ein verwackeltes Foto – wer hätte sich nicht schon darüber geärgert? Gleichgültig, ob als Gelegenheitsfotograf oder semiprofessionell unterwegs. Bei Monika Reimann und Klaus Greipel hat das Verwackeln im engeren Sinn und die Unschärfe Methode.

Beide stellt der Kunstverein Ahlen ab Freitag in der Stadtgalerie vor. Aus Sicht von Gerd Buller ist die Ausstellung mit dem Titel „Grenzenlos – Faszination Unschärfe“ in jeder Beziehung etwas Besonderes: „Zum ersten Mal handelt es sich um eine reine Fotografie-Ausstellung“, so der Co-Vorsitzende. Eröffnet wird sie am Freitag (18. September) um 19 Uhr von Ulrich Loermann, die Einführung hält Ricarda Freifrau von Diepenbroick-Grüter aus Tecklenburg.

Monika Reimann und Klaus Greipel haben die Unschärfe zum ästhetischen Prinzip erhoben, und bedienen sich dabei sehr unterschiedlicher Mittel. Die Fotografin, die ursprünglich aus der Reisefotografie kommt, bewegt sich mit der Kamera oder nur die Kamera. Dabei entstehen diese Wischeffekte, die auch schon andere bekannte Künstlerinnen und Künstler fasziniert haben.

Ihr Schlüsselerlebnis geht auf ein Shooting zurück, als ihr in die Jahre gekommene Stativ zusammensackte und dabei die ersten verwischten Fotos der Serie „Shadow World“ entstanden. Als sie an einem kalten Wintertag Tiere im Wald fotografieren wollte und ihre Finger so steif waren, dass sie den Verschluss nicht mehr richtig auslösen konnte, war es der Anfang der zweiten Serie „Blurred Forrest“ (Verschwommener Wald).

Dieses Prinzip wendet die gebürtige Lippstädterin (Jahrgang 1960) auch auf ihre anderen Serien wie Architektur oder Natur an. Dabei ist es aus Sicht der Künstlerin völlig unerheblich, wo die Fotos entstanden sind, während die Betrachter oft großen Ehrgeiz bei der Wiedererkennung entwickeln.

Klaus Greipel arbeitet dagegen mit Fotomaterial wie Super 8-Filmen aus eigenem Bestand oder gekauftem. Meistens waren es Familienfeiern oder Urlaubserinnerungen, die filmisch festgehalten wurden. Einzelne Sequenzen werden fotografiert. Die dadurch entstehende Unschärfe im Standbild wird zum Bildträger und zur Bildidee. „Oft sind unsere Erinnerungen sehr verschwommen“, erklärt Greipel. Anfangs habe er Skrupel gehabt, fremdes Filmmaterial auszuwerten, aber da es bis zur Unkenntlichkeit verfremdet werde – unter anderem auch durch künstliche Nebeleffekte – gehe er damit völlig professionell um.

In dem Kabinett zeigt Greipel (Jahrgang 1977) einen zweiminütigen Film, in dem er Filmsequenzen auf künstlichen Nebel projiziert hat – Bilder, die eine große Magie ausstrahlen.

von Von Dierk Hartleb

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.