Wärme aus der Klimaanlage


Das Ahlener Unternehmen Kälte-Klimatechnik Northoff hat sich der Hochwasserhilfe im Ahrtal angeschlossen. 200 Klimaanlagen sind bereits installiert, damit Hausbewohner zumindest in einem Raum warm durch den Winter zu kommen.

Das Northoff-Team im Ahrtal: Kai Northoff, Tim Klarschus, Ralf Meredig, Christian Northoff und Frederik Rubbert (v. l.). Auf dem Foto fehlen Andreas Klarschus und Luca Bünnigmann. privat

Große teils auch existenzielle Sorgen bedrücken die von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Menschen im Ahrtal. Eine davon ist, wie sie im Herbst und Winter wenigstens mit etwas Wärme in ihren Häusern leben können. Ein vor Ort ansässiges Klimaunternehmen sandte über den Bundesverband Deutsche Kälte-Klima-Fachbetriebe (VDKF) an Kollegenbetriebe einen Hilferuf zur Unterstützung aus. Dem folgte das Ahlener Unternehmen Kälte-Klimatechnik Northoff und half vor Ort.

Vor vier Wochen kam die Anfrage des VDKF. Christian Northoff und einige Mitarbeiter des Unternehmens überlegten nicht lange, um zu unterstützen. „Die Menschen dort haben kein Gas und keine Heizung. Das bekommen sie frühestens am Ende des Jahres oder später“, beschrieb er die Situation vor Ort. Aber zumindest Strom ist in den meisten Häusern im geringen Umfang vorhanden. Und damit die Möglichkeit, ihn für Klimaanlagen zu nutzen, die auch zum Heizen verwendet werden können. Die werden von den Klimatechnikern in Privathaushalten installiert.

Inzwischen waren die Mitarbeiter von Klimatechnik Northoff schon an zwei Wochenenden im Ahrtal und mindestens eines wird noch dazukommen. Die Fachfirma vor Ort hatte die Organisation auf die Beine gestellt und ein Zeltlager errichtet, in dem auch die von Herstellern gespendete Klimaanlagen gelagert werden. Schlafmöglichkeiten für die helfenden Monteure aus dem gesamten Bundesgebiet bestanden nebenan in einem Haus. „Wir haben dann weiteres Material und Arbeitskraft unentgeltlich mit eingebracht“, erklärt Christian Northoff, wobei er betont, dass seine Teammitglieder freiwillig dafür ihre Wochenenden geopfert haben. Und die Helfer sind immer noch mit Herzblut dabei. Lob gab es aber auch für die Organisation des Kollegen vor Ort. Immerhin müssen Arbeitsaufträge für mindestens 3000 Haushalte ohne Gas erstellt werden.

Mit jeweils sechs Monteuren und drei Montagefahrzeuge waren die Ahlener Teams im Einsatz. Samstagmorgens hin, sonntagabends zurück. „Als Team haben wir schon 200 Anlagen an beiden Wochenenden eingebaut“, ist Christian Northoff stolz auf das Geleistete. Eine Anlage bedeutet nämlich die Installation je eines Innen- und Außenelements, die miteinander verbunden sind. Was den Nebeneffekt hat, dass die Klimaeinheit nicht nur heizen kann, sondern auch die Raumluft entfeuchtet. Ein wichtiges Detail in dieser Situation. Allerdings nur für einen Raum, in dem eine Familie sich dann komplett in den kommenden beiden kalten Jahreszeiten aufhalten kann. Trotzdem waren die Menschen sehr dankbar und erleichtert über die Unterstützung.

Die Infrastruktur vor Ort ist noch stark beschädigt. Wegen zerstörter Brücken können aus 400 Metern Luftlinie auch schon mal drei bis vier Kilometer Fahrstrecke werden. „Die Menschen haben aber trotzdem beim Aufräumen richtig Gas gegeben – Einheimische wie auswärtige Helfer“, hat Christian Northoff erlebt. „Man kann sich das nicht vorstellen, wenn man nicht selbst betroffen ist“. Aber auch er und seine Mitarbeiter profitierten von den Einsätzen: „Es hat das Team zusammengeschweißt“. Zum anderen führten die Ahlener abends beim gemütlichen Zusammensitzen teils sehr persönliche Gespräche mit ihren Berufskollegen, was sonst auch nicht allzu oft vorkommt.

von Von Ralf Steinhorst

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