Diakonie fordert kostenfreie Schuldnerberatung


Immer mehr Menschen im Kreis Warendorf geraten in die Schuldenfalle. Die Beratungsstelle der Diakonie möchte effektiv helfen können.

Effektive Beratung: Sandra Fuest (r.) und ihr Team haben allein im Jahr 2021 623 Menschen betreut, damit diese aus der fatalen Schuldenfalle herauskommen. Und immer mehr Betroffene melden sich bei den Schuldnerberatern. Foto: Diakonie Gütersloh

Kreis Warendorf (gl) - Von der Verschuldung in die Überschuldung ist es manchmal nur ein kleiner Schritt. In Zeiten von rasant steigenden Preisen für Energie und Lebensmittel und großer Unsicherheit in der Wirtschaft ist dieser schnell getan. Darauf machen die Schuldnerberater der Diakonie Gütersloh anlässlich der Aktionswoche der Schuldnerberatung aufmerksam. 

Recht für alle

Ihre Forderung: ein Recht auf Schuldnerberatung für alle und ein Ausbau der Schuldner- und Insolvenzberatung. Die Aktionswoche der Schuldnerberatung findet vom 30. Mai bis zum 3. Juni statt. Das Motto lautet: „… und plötzlich überschuldet“. „Eine Krankheit, Kurzarbeit, eine heftige Nachzahlung beim Stromversorger oder die aktuell stark gestiegenen Kosten für Lebensmittel und Kraftstoffe: Vieles kann die eigene Finanzlage aus dem Gleichgewicht bringen“, so Sandra Fuest, Leitung der Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie im Kreis Warendorf. „Und plötzlich ist man nicht mehr bloß verschuldet, sondern überschuldet.“ 

Kreislauf aus Forderungen

Für viele Betroffene folge daraus ein Kreislauf aus Forderungen, die nicht beglichen werden können. Sie erleben Stigmatisierung, schämen sich für ihre Situation, viele werden auch vor Sorgen krank. Wer sich Hilfe holt, hat bessere Chancen, aus der Überschuldung zu kommen. Dafür sind die Schuldner- und Insolvenzberatung da. Sie zeigen Wege auf, um die eigene finanzielle Situation zu stabilisieren und nachhaltig zu verbessern. In Beckum und Ahlen beriet die Diakonie Gütersloh 2021 insgesamt 623 Personen. 2020 waren es noch 593.

Wöchentliche Sprechstunde

 „In der wöchentlichen Sprechstunde beraten wir die Menschen sofort. Für die komplette Schuldenregulierung ist eine Wartezeit von bis zu drei Monaten bis zur Beratungsaufnahme die Regel“, sagt Fuest. Hinzu kommt, dass nicht alle Menschen ein Recht auf eine kostenfreie Schuldnerberatung haben – Rentner, Studenten und Lohnempfänger, die über dem anderthalbfachen Sozialhilfesatz liegen, sind davon ausgeschlossen. 

Ahlen macht es vor

Hier macht die Stadt Ahlen im Kreis Warendorf vor, wie es für die Betroffenen besser geht: Die Stadt finanziert unabhängig von der Einkommenshöhe die kostenlose Beratung. Für alle, die unter dem anderthalbfachen Sozialhilfesatz liegen, wird die Schuldnerberatung vom Kreis Warendorf bezahlt. „Wenn man weiß, wie wichtig eine gute Beratung für die Überwindung der Überschuldung ist, leuchtet nicht ein, warum nicht alle, die in Schwierigkeit geraten, diese in Anspruch nehmen dürfen“, so Sandra Fuest.

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