Initiative engagiert sich vielfältig für Flüchtlinge


Im Jahr 2020 wurde die Initiative Münsterland für unbegleitete Kinder auf Lesbos/Moria gegründet. Auch 2021 war sie wieder sehr aktiv.

Auch wenn die Geflüchteten aus dem niedergebrannten Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos auf das Festland verlegt wurden, ist die Situation der Menschen und vor allen Dingen der Kinder und Jugendlichen weiterhin sehr schwierig. Foto: dpa

Freckenhorst (gl) - Seit Gründung der Initiative habe sich die Situation der Kinder in den Lagern nicht wesentlich gebessert – so lautet ein ernüchterndes Fazit der Initiative. Zwar sei „Moria“ nach dem Brand aufgelöst und in Karatepe ein neues Lager errichtet worden, das aber ähnlich unzureichende Lebensbedingungen vorsehe. Viele der Geflüchteten seien aber aus diesen Lagern auf das griechische Festland gebracht und dort mehr oder minder ihrem Schicksal überlassen worden. Eine adäquate Versorgung und Unterstützung der Geflüchteten, zum Beispiel im Großraum Athen, gebe es bislang nicht. „Erfolg können wir also in dieser Hinsicht nicht vermelden, befinden sich doch noch immer Kinder und Jugendliche in menschenunwürdigen Lebensumständen und werden ihrer Bildungschancen und ihrer Zukunft beraubt“, heißt es in einem Bericht der Initiative. 

Zustimmung zu sicherem Hafen erreicht

Doch davon haben sich die Mitglieder der Gruppe nicht beirren lassen und vielfach Unterstützung für ihr Anliegen gesucht und gefunden. In kleinen Schritten wurde auch in Warendorf bewirkt, dass sich die Aufnahmebereitschaft für Geflüchtete in einer politischen Äußerung manifestierte. In vielen Gesprächen mit allen im Rat vertretenen Fraktionen der Stadt Warendorf haben sich Mitglieder der Initiative dafür so stark gemacht, dass der Rat in einem zweiten Anlauf dem Antrag, sich zum sicheren Hafen zu erklären, zugestimmt hat. Dieses Anliegen erfuhr über alle Fraktionsgrenzen hinweg Zustimmung.

Ausstellungen zum Thema „Flucht“

Daneben habe es aber auch wieder konkrete Aktionen und Ausstellungen gegeben, heißt es in dem Bericht der Initiative. So konnte in der Stiftskirche im Frühsommer die Ausstellung „Gott hat den Fremdling lieb“ präsentiert werden. Sie befasst sich mit den Geschichten Geflüchteter in den Schriftzeugnissen des Alten Testaments. Hierfür wurden beispielhaft verschiedene Personen und ihr Leben als Geflüchtete dargestellt. Eine weitere Ausstellung schloss sich im Herbst an und hatte den Umgang der EU-Staaten mit geflüchteten Menschen an ihren Außengrenzen zum Gegenstand. Diese Ausstellung trug den Titel „Grenzerfahrungen“. Eröffnet wurde sie mit einem ökumenischen Gottesdienst und einem zweiten „Kulturabend“. Der Abend habe guten Zuspruch gefunden. Werner Letz präsentierte einige seiner eigenen Musikstücke und Texte und gestaltete so einen schönen Rahmen. 

Hüpfkissen und Äpfelpflücken

Es wurden aber auch Aktivitäten aus der Initiative heraus unterstützt, wie das Integrationscafé, das den in Freckenhorst lebenden geflüchteten Kindern ermöglichte, einen Nachmittag auf dem Hof Schulze Niehues auf dem Hüpfkissen zu verbringen. Im Herbst war eine Aktion mit Apfelpflücken auf dem Kotten in Holtrup, den Werner und Margret Letz bewohnen, Höhepunkt. Auch dabei hatten die eingeladenen geflüchteten Familien aus Freckenhorst große Freude. 

Spendengelder gehen nach Lesbos

Die über das Jahr bei der Initiative Münsterland eingegangenen Spendengelder wurden über den Verein „Solingen hilft“ weiterhin nach Griechenland auf die Insel Lesbos transferiert, wo sie dazu dienten, notwendige Arzneimittel über die dortige Apotheke, die mit dem Verein zusammenarbeitet, zu besorgen und zu finanzieren. Zum Ende des Jahres wurde die Arbeit der Initiative auch noch durch Zuerkennung einer Auszeichnung der „Initiative Demokratie und Toleranz“ gewürdigt. Diese Ehrung war mit einem Preisgeld in Höhe von 1000 Euro verbunden, das ebenfalls für die geflüchteten Kinder eingesetzt werden sollen.

Konkrete Hilfe für syrische Familie

Weiterhin informierten sich die Mitglieder zum Beispiel über Patenschaften für gefürchtete unbegleitete Minderjährige und tauschten sich mit einer Vertreterin des Kinderschutzbundes über ehrenamtliche Vormundschaften aus. Aktuell befasst sich die Initiative mit der Betreuung einer Anfang Dezember nach Freckenhorst übersiedelten syrischen Familie mit vier zum Teil schwerbehinderten Kindern. Über die Seebrücke Oelde wurden die Verantwortlichen außerdem um konkrete Hilfe für eine afghanische Familie gebeten, die als verfolgte Familie das Land so schnell wie möglich verlassen möchte und muss. 

Menschen ein sicherer Hafen sein

Diese Aktivitäten seien zwar nicht unmittelbar mit dem Zustand in den Lagern auf den Ägäis-Inseln verbunden, doch die Aktiven hätten den Eindruck, dass sie ihr Engagement nicht auf eine eingegrenzte Gruppe beschränken könnten. Flucht sei das Thema unserer Zeit und werde die Menschen vermutlich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten stets begleiten. Es müssten Wege und Mittel gefunden werden, um einerseits Fluchtursachen zu bekämpfen und andererseits denjenigen, die sich aus unterschiedlichsten Gründen auf den Weg gemacht haben, um vielfach das eigene Leben zu retten, ein sicherer Hafen zu sein.

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