Keine Fusionen mehr von Pfarreien im Kreis Warendorf


Finanzielle Einbußen, sinkende Mitgliederzahlen und weniger seelsorgerisches Personal - das Bistum Münster reagiert mit einem Reformprozess.

Neue pastorale Strukturen will sich das Bistum Münster geben. Sie sollen in einem Prozess erarbeitet werden. Die Auftaktveranstaltung für das Kreisdechanat Warendorf ist am Auftaktveranstaltung am Mittwoch, 29. September, in Warendorf.

Kreis Warendorf /Münster (gl) - „Wir müssen die pastoralen Strukturen so gestalten, dass die Verkündigung der Frohen Botschaft unter in Zukunft deutlich veränderten Rahmenbedingungen weiter gut möglich sein wird.“ Das hat der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, jetzt in Münster betont. Auf der gemeinsamen Sitzung von Diözesanrat und Kirchensteuerrat informierten der Bischof und Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp über den Prozess zur Entwicklung der pastoralen Strukturen, der im Bistum Münster nun beginnt. 

Auftaktveranstaltungen im Herbst

Im Herbst wird es hierzu Veranstaltungen mit Haupt- und Ehrenamtlichen in allen Kreisdekanaten im nordrhein-westfälischen Bistumsteil geben. Bischof Genn unterstrich, dass die katholische Kirche im Bistum sich den offensichtlichen Fragen stellen müsse: „Was bedeuten die massiven Veränderungsprozesse, die wir erleben, für uns? - Wie können christliche Gemeinschaft und kirchliches Leben unter den sich wandelnden Rahmenbedingungen dennoch wachsen? - Welche Gestalt von Kirche wird zukunftsfähig sein?“ 

Stärker eine Kirche sein

Beim Bemühen, Antworten auf diese Fragen zu finden, schließe der Prozess an die pastoralen Orientierungen an, die im Bistum in den vergangenen Jahren entwickelt worden seien: den Diözesanpastoralplan und die lokalen Pastoralpläne sowie die Überlegungen zur „Sendung der Kirche“ und zu den Notwendigkeiten, stärker eine Kirche zu sein, die Beziehung stiftet und in der Veränderungen so gestaltet werden, „dass es gelingen kann, die Krise der Kirche in einen Aufbruch hin zu einer neuen, lebendigen und missionarischen Kirche zu wandeln“. 

Spar- und Strategieprozess

Zudem werde es eine enge Verknüpfung mit weiteren Veränderungsprozessen geben. Der Bischof nannte den Spar- und Strategieprozess, das angedachte Klimaschutzkonzept sowie die Modernisierung der Bistumsverwaltung. Für den anstehenden Prozess, so sagte Bischof Genn, gebe es seinerseits drei Vorgaben: „Es wird keine weiteren, von mir verordneten, Zusammenlegungen von Pfarreien geben. Das Verhältnis der Diözesanpriester im aktiven Dienst zu den Priestern der Weltkirche in unserem Bistum soll dauerhaft ein Verhältnis von zwei Dritteln zu einem Drittel sein. Und es braucht mehr Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwischen den Pfarreien sowie zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen.“

Katholikenzahl sinkt

Generalvikar Winterkamp erläuterte, warum der Prozess zur strukturellen Entwicklung notwendig sei: So wird die Katholikenzahl im Bistum bis 2040 von derzeit knapp 1,8 Millionen auf weniger als 1,4 Millionen zurückgehen. Im kirchlichen Leben, etwa bei den Gottesdienstbesuchern, Taufen oder Eheschließungen hat es in den vergangenen Jahren deutliche Rückgänge gegeben. Und die finanziellen Mittel, die dem Bistum insbesondere über Einnahmen aus der Kirchensteuer zur Verfügung stehen, werden in Zukunft spürbar geringer ausfallen. 

Einbrüche beim seelsorgerischen Personal

Besonders gravierend sind zudem die zu erwartenden Einbrüche beim seelsorglichen Personal: Gibt es derzeit noch rund 380 Diözesanpriester im aktiven Dienst, 165 Priester der Weltkirche, 600 Pastoralreferentinnen, Pastoralreferenten und Diakone im Hauptamt sowie 225 Diakone mit Zivilberuf, also insgesamt 1370 Seelsorgerinnen und Seelsorger, wird diese Zahl bis 2040 auf 500 bis 550 zurückgehen. „Und bei den Menschen, die freiwillig in der Kirche aktiv sind, sehen wir eine deutliche Veränderung hin zu einem zeitlich befristeten, projektbezogenen, klar beschriebenen und nachhaltig sinnstiftenden Engagement“, sagte der Generalvikar. 

Innerkirchliche Missstände

Allgemeine Megatrends verschärften zudem die Notwendigkeit für Veränderungen. Und schließlich würden dazu auch innerkirchliche Missstände und Entwicklungen beitragen. So sei die Überzeugung gewachsen, dass es im Bistum neue sogenannte pastorale Räume geben müsse. Von der Bistumsleitung und der Bistumsverwaltung seien hierfür Vorschläge entwickelt worden, die bei den regionalen Veranstaltungen im Herbst in den Kreisdekanaten zur Diskussion gestellt werden sollen. 

Vorschläge

„Das sind ausdrücklich nur Vorschläge. In einem beteiligungsorientierten Prozess wollen wir hören, was die Menschen vor Ort davon halten. Auch viele inhaltliche Fragen, die damit verbunden sind, sind noch nicht geklärt. Unsererseits gehen wir derzeit davon aus, dass es perspektivisch im Bistum höchstens 40 bis 50 solcher pastoralen Räume mit in der Regel nicht mehr als acht hauptamtlichen Mitarbeitenden geben wird. Schon heute haben wir an einigen Orten die Situation, dass es de facto solche Räume bereits gibt. Die Beratungs- und Entscheidungsphase soll bis April oder Mai 2023 abgeschlossen sein.“

Grundüberlegungen

Der Generalvikar stellte einige Grundüberlegungen zu den pastoralen Räumen vor: So werden diese nicht Pfarreien, Gemeinden, Einrichtungen oder Verbände ersetzen. Ein pastoraler Raum fordere die Bildung größerer Teams. Für das Kreisdekanat Warendorf ist die Auftaktveranstaltung am Mittwoch, 29. September, von 19 bis 21 Uhr in der Aula der Bischöflichen Realschule in Warendorf (Johann-Heinrich-Schmülling-Schule, Rosenstraße 16 in Warendorf).

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.