„Kirche hat nach wie vor ein Machtproblem“


Aus dem Kreisdekanat Warendorf waren Vertreter bei an der Synodalversammlung in Frankfurt beteiligt. Zwei von ihnen äußern sich kritisch.

Synodaler Weg: Bischof Dr. Franz-Josef Bode und Professor Dr. Dorothea Sattler (Telgte) während eines Fernsehinterviews in Frankfurt.

Kreis Warendorf (gl) - Einmal mehr ist aus Sicht von Johanna Müller bei der vierten Synodalversammlung vom 8. bis 10. September in Frankfurt am Main deutlich geworden: „Wir brauchen viele Veränderungen in der Kirche.“ 

Jüngste Vertreterin

Die 18-Jährige aus Marienfeld, zugehörig dem Kreisdekanat Warendorf, ist die jüngste Vertreterin beim Synodalen Weg, dem Reformprozess in der katholischen Kirche. Dankbar ist Johanna Müller für die konkreten Beschlüsse, die bei der dreitägigen Versammlung getroffen wurden. Die Marienfelderin verfolgte das Programm digital aus dem schwedischen Uppsala, wo sie derzeit einen Freiwilligendienst über das Bonifatiuswerk absolviert.

Grundtext beschlossen

 So wurden mit großer Mehrheit der Grundtext „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ und die Handlungstexte „Lehramtliche Neubewertung von Homosexualität“ und „Grundordnung des kirchlichen Dienstes“ beschlossen. 

Unverständnis

Unverständnis dagegen hat Johanna Müller für die Entscheidung am Donnerstagabend: Gleich der erste Text „Leben in gelingenden Beziehungen- Grundlinien einer erneuerten Sexualethik“ hatte nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit der Bischöfe erhalten. „Es ist unsäglich, wie die Debatte dazu verlaufen ist und welches Ergebnis am Ende stand.“ 

„Toxische Strukturen“

Die 18-Jährige ist überzeugt davon, dass die katholische Kirche nach wie vor ein Machtproblem hat: „Wir haben toxische Strukturen sowie eine rigide Sexualmoral, die sexuellen Missbrauch begünstigen. Diese Strukturen müssen aufgebrochen werden“, fordert Johanna Müller. 

Minimalforderung

„Wir brauchen eine Veränderung hin zu Gleichberechtigung aller Menschen, zum Schutz der Menschenwürde. Das ist eine Minimalforderung“, betont sie. Als ein zentrales Ergebnis des Synodalen Wegs bezeichnet Johanna Müller die Einrichtung eines Synodalen Rates, der Synodalität auf Dauer stellen soll. „Weiterhin gemeinsam beraten und entscheiden, das ist ein Erfolg“, erklärt die 18-Jährige. 

Beschlüsse wirklich umsetzen

Zur Vorbereitung des Synodalen Rats wurde ein Synodaler Ausschuss beschlossen, der die Einrichtung des Synodalen Rates vorbereitet. Johanna Müller dazu als eine der jungen weiblichen Stimme aus dem Kreisdekanat Warendorf: „Es ist wichtig, dass die Beschlüsse auf wirklich umgesetzt werden. Nur so gibt es auch auf Dauer eine Wirkung und nur dann – so würde ich sagen – ist der Synodale Weg nicht gescheitert.“

Erleichterung

Mit Erleichterung blickt Professor Dr. Dorothea Sattler aus Telgte auf die Synodalversammlung zurück. Die Professorin für Dogmatik und Ökumenische Theologie an der Uni Münster ist Vorsitzende des Forums „Dienste und Ämter von Frauen in der Kirche“ und freut sich darüber, dass der Grundtext die Mehrheit erhalten hat.

Ordination der Frau

 „Auch viele Bischöfe sehen hinreichende theologische Argumente, das Thema Ordination der Frau in die weltkirchlichen Gespräche einzubringen“, erklärt die Telgterin, die darin eine Ermutigung sieht. Als wichtigen Schritt sieht Dorothea Sattler zudem die Beschlüsse mehrerer Handlungstexte, die sich gegen jede Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierungen aussprechen. 

Veränderung erkennbar

Aus Sicht der Theologin ist eine Veränderung in der Kirche erkennbar. „Ich habe in Frankfurt eine lernende Gemeinschaft erlebt, geistlich miteinander verbunden.“ Viele seien nachdenklich geworden, würden lernen, auch andere Menschen zu hören. „Dies zu erleben, macht mir Mut in einem in jeder Zeit wieder erforderlichen Weg der Reformen“, so Dorothea Sattler.

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.