Seminar in Freckenhorst lehrt Lehrer über Krieg zu reden


Wie kann, wie soll man mit Schulkindern über den Krieg reden? In einem Seminar in Freckenhorst wurden Lehrer dafür gebrieft.

Über das praxisnahe Konzept der Fortbildung zum Thema „Mit Kindern über den Krieg reden“ kamen Referent Tim Joest (l.), Andreas Reiling (r.) von der Schulabteilung des Bistums Münster und Teilnehmerinnen bei dem Seminar in der Landvolkshochschule in Freckenhorst ins Gespräch. Foto: Bistum Münster

Kreis Warendorf / Freckenhorst (pbm) - Zum Krieg in der Ukraine haben auch Grundschulkinder viele Fragen, sie haben Sorgen und Nöte. „Neben den Informationen, die wir ihnen an die Hand geben, ist es wichtig, dass die Kinder eine Hoffnungsperspektive erfahren“, sagt Tim Joest. Der 30-Jährige ist Religionslehrer und hat ein Konzept für eine fünf Stunden umfassende Unterrichtsreihe zum Thema „Krieg und Frieden“ entwickelt.

Kurzfristig Fortbildung angeboten

Auf Einladung des Referats Grundschule der Abteilung Religionspädagogik im Bischöflichen Generalvikariat stellte Joest sein praxisnahes Konzept Religionspädagogen in einer kurzfristig angebotenen Fortbildung in der Katholischen Landvolkshochschule „Schorlemer Alst“ in Freckenhorst vor. „Man kann Kindern nur Sicherheit vermitteln, wenn man sich selber sicher fühlt“, ist der Referent überzeugt.

Kinder stellen viele Fragen

Das Lehrpersonal berichtete, dass Kinder teils sehr interessiert, aber auch oft mit diffuser Sorge in die Schule kämen. „Warum gibt es Krieg?“, „Kann es auch bei uns Krieg geben?“ oder „Hat Putin Kinder?“ seien häufig gestellte Fragen. Wichtig sei es, ehrlich zu sein, ohne zu überfordern. „Und ich muss mich als Lehrkraft positionieren“, betont Joest. 

Fiktive E-Mail macht Lage begreifbar

Der Referent lässt in einer fiktiven E-Mail ein ukrainisches Mädchens von ihrem Alltag im Krieg erzählen. Sie bedauer, dass sie nicht mehr draußen spielen, nicht mehr zur Schule gehen und ihre Freunde nicht mehr treffen könne. „Das sind Themen, die Kinder kennen und die ihnen wichtig sind“, erklärt er.

Dann bittet er die Kinder, dem Mädchen eine Mail zurückzuschreiben. „Sie sind sehr empathisch und wollen helfen. Sie bieten an, dass das Mädchen zu ihnen kommen könnte oder sie ihnen etwas schicken könnten“, so die Rückmeldungen.

Perspektive der Hoffnung geben

„Wichtig ist es immer, eine Perspektive der Hoffnung zu geben. Dass auch sie im Kleinen zum Frieden beitragen können“, betont Religionspädagoge Tim Joest zu seinem Konzept, mit Kindern über Krieg zu reden. Deshalb spielt auch der Frieden eine große Rolle, auch über Friedenssymbole wie die Taube mit dem Olivenzweig im Schnabel aus der Arche Noah. Im Religionsunterricht bietet er zudem Kindern Verse aus Psalmen oder dem Neuen Testament an.

Teilnehmer ziehen positive Bilanz

„Es war eine hilfreiche Fortbildung, denn sie war sehr praxisnah“, lobt Andrea Reiling, Referentin beim Bistum Münster für Religionspädagogik an Haupt-, Real- und Sekundarschulen, das Konzept. „Uns war es ein Anliegen, schnell auf die Situation zu reagieren und den Lehrerinnen und Lehrern diese Fortbildung anzubieten.“ Die Teilnehmenden, die vornehmlich aus dem Kreis Warendorf gekommen waren, bedanken sich für die Ideen und den Input, den Joest vermittelt habe.

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