Tausenden droht Altersarmut im Kreis


Ein Leben lang arbeiten – und trotzdem reicht die Rente nicht: Im Kreis Warendorf sind tausende Vollzeitbeschäftigte im Rentenalter von Armut bedroht.

Trotz Vollbeschäftigung droht vielen Menschen im Kreis Warendorf Altersarmut. Foto: dpa

Kreis Warendorf (gl) - Davor warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und beruft sich hierbei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Rentenversicherung. Demnach verdienen 12,1 Prozent aller Beschäftigten, die im Kreis Warendorf in Vollzeit arbeiten, weniger als 2.050 Euro brutto im Monat. Das sind rund 7400 Menschen. Rein rechnerisch müssten diese sogar mehr als 45 Jahre lang arbeiten, um auf eine Rente oberhalb der Grundsicherungsschwelle von aktuell 835 Euro zu kommen.

Gesetzliche Altervorsorge stärken

„Altersarmut ist kein Schreckensszenario in der Zukunft, sondern für viele Menschen längst Realität. Die Rente derer, die etwa jahrzehntelang in einer Bäckerei oder Gaststätten gearbeitet haben, reicht schon heute oft nicht aus. Rentenkürzungen oder Forderungen über ein späteres Eintrittsalter sind der falsche Weg. Stattdessen muss die Politik die gesetzliche Altersvorsorge stärken“, sagt Helge Adolphs. Der Geschäftsführer der NGG-Region Münsterland ruft die Beschäftigten aus den Branchen der Gewerkschaft auf, sich in puncto Rente über die Wahlprogramme der Parteien zu informieren und am 26. September wählen zu gehen.

46 Jahre arbeiten wäre theoretisch nötig

Seit dem Jahr 2000 sei das Rentenniveau bereits von rund 53 Prozent auf aktuell 48 Prozent abgesenkt worden. „Konkret bedeutet das, dass Geringverdiener mit einem Einkommen von weniger als 2.050 Euro brutto im Monat statt 42 nun fast 46 Jahre lang arbeiten müssen, um überhaupt noch die Grundsicherungsschwelle im Alter zu erreichen“, sagt Adolphs. „Aber vier Jahre länger an der Bäckereitheke, in der Lebensmittelfabrik oder im Schlachthof am Band zu stehen, ist vielen Beschäftigten gesundheitlich gar nicht möglich.“ Jede Anhebung des Renteneintrittsalters sei somit faktisch eine Rentenkürzung.

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