Beckumer wird wegen versuchten Mordes angeklagt


Ein 49-Jähriger steht in Verdacht, seinen Bruder im April in Neubeckum durch ein Feuer verletzt zu haben. Nun ist Anklage erhoben worden. 

Das Landgericht Münster muss entscheiden, ob gegen einen Beckumer wegen versuchten Mordes erhoben wird. Foto: dpa

Beckum/Münster (gl) - Die Staatsanwaltschaft Münster hat gegen den 49-jährigen Tatverdächtigen bei der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Münster Anklage erhoben. Es stehen der Verdacht des versuchten Mordes, der besonders schweren Brandstiftung mit versuchter Todesfolge, der gefährlichen Körperverletzung sowie der Trunkenheit im Verkehr im Raum, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilt.

Familiäre Konflikte als Tatmotiv?

Nach Abschluss der Ermittlungen wirft die Behörde dem Angeschuldigten vor, am Abend des 18. April zunächst  unter Alkoholeinfluss mit seinem Auto zu einer Tankstelle in Beckum gefahren zu sein. Dort soll er Benzin erworben, dieses in einen Kanister abgefüllt haben und zum Wohnhaus seiner Eltern in Neubeckum gefahren sein. 

„Vermutlich aufgrund erheblicher innerfamiliärer Konflikte soll der Angeschuldigte an jenem Tag den Entschluss gefasst haben, das Haus seiner Eltern in Brand zu setzen und die darin befindlichen Personen zu töten“, schreibt die Staatsanwaltschaft in ihrer Mitteilung. Zum Tatzeitpunkt hielten sich – wie der Angeschuldigte nach Bewertung der Staatsanwaltschaft wusste - insgesamt fünf Personen in dem Haus auf: Neben den Eltern des Angeklagten waren auch seine eigene damals zweijährige Tochter, der Bruder sowie dessen damzwei Jahre alter Sohn anwesend. 

Bruder wird schwer verletzt

Der Angeschuldigte hatte seine Tochter den bisherigen Ermittlungen zufolge am Nachmittag nach einem Streit mit seiner damaligen Lebensgefährtin zu seinen Eltern gebracht. Als der Angeschuldigte bei dem Wohnhaus seiner Eltern eingetroffen war, soll dessen Bruder die Haustür geöffnet haben. Danach soll der Angeschuldigte knapp die Hälfte des zuvor erworbenen Kraftstoffs sowohl gegen die Eingangstür als auch gegen seinen dort stehenden Bruder geschleudert und das Benzin direkt angezündet haben. 

Obgleich der Bruder noch versuchte, die Haustür zu schließen, wurde er von dem sich von der Hauseingangstür ausbreitenden Feuer erfasst, wodurch seine Kleidung und sein Körper in Brand gerieten. Indem er sich im Freien auf dem Boden umherwälzte und seine Kleidung auszog, gelang es ihm, das Feuer an seinem Körper zu löschen. Der Angeschuldigte soll dann mit seinem Auto von der Wohnanschrift seiner Eltern weggefahren sein. Er ist am späten Abend in seiner eigenen Wohnung festgenommen worden.

Behandlung in Spezialklinik

Der Bruder des Angeschuldigten erlitt erhebliche Verbrennungen an rund 25 Prozent der Körperoberfläche mit unterschiedlichem Schweregrad. Diese Verletzungen mussten in einer Spezialklinik behandelt werden. Das Feuer konnte durch die verständigte Feuerwehr gelöscht werden. Die Wohnung war durch die Folgen des Brandes unbewohnbar und musste aufwändig renoviert werden.

Das konkrete Motiv für das vorgeworfene Geschehen ist bislang im Unklaren geblieben. Der Beschuldigte, für den die Unschuldsvermutung gilt und der sich weiterhin in Untersuchungshaft befindet, hat sich zu dem Tatvorwurf nicht geäußert. 

Landgericht ist am Zug

Er hat indes nach seiner Festnahme die angeklagte Tat zum Nachteil seines Bruders als „Privatsache“ bezeichnet. Nach den durchgeführten Ermittlungen geht die Staatsanwaltschaft zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass die Hintergründe in einem familiären Konflikt des Angeschuldigten mit seinem Vater, seinem Bruder sowie mit der Mutter der gemeinsamen Tochter liegen.

Das Landgericht Münster hat über die Zulassung der Anklageschrift zu entscheiden.

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