Schuhmacher Wille führt Beckumer Gilde als Amtmann


Lange Tradition pflegen die  Beckumer Zünfte: Die Friseure; Schuhmacher und Sattler feierten ihr 580. Captansfest.

Traditionelles Treffen im Braugasthof „Stiefel Jürgens“: (v. l.) Timo Strothmeier, Jutta Lahme, Cornelia Wessel, Helga Wittrodt, Amtmann Arno Wille, Amtsknecht Stefan Wöstendiek, Marlies Höke und Berni Wöstendiek.

Beckum (bfe). Die Zunft der Friseure, Schumacher, Schuster, Sattler, Dekorateure und Floristen hat am Sonntag ihr 580. Captansfest gefeiert. Als neuen Amtmann wählten die Anwesenden den Orthopädieschuhmachermeister Arno Wille. Er übernahm dieses Amt von seinem Vorgänger Berthold Neumann.

Stefan Wöstendiek fungiert als Amtsknecht

„Die Zunft wurde 1441 gegründet und ist damit Beckum älteste Handwerkzunft“, erklärte Arno Wille. Ältestes Mitglied ist Berni Fust als gelernter Orthopädie Schuhmachermeister. Wurde das Captansfest früher bei CB Schrulle und später im Kolpinghaus gefeiert, trifft man sich nun seit vielen Jahren bei „Stiefel“ Jürgens. Der Name geht auf die Zunft der Schumacher zurück. „Die Mitgliederzahl ist in den vergangenen Jahren leider geschrumpft, daher sind wir bemüht, neue Mitglieder aus anderen Berufen zu werben, die in keiner Zunft organisiert sind“, erläuterte der neue Amtsknecht Stefan Wöstendiek, der das Amt von Arno Wille übernahm, im Gespräch mit der „Glocke“.

Festmahl mit Bratwurst, Sauerkraut und Kartoffelpüree

Begonnen hatte das Captansfest um 18.30 Uhr mit einer Messe in der Propsteikirche St. Stephanus. Dann ging es zum traditionellen Essen, es besteht aus Bratwurst, Sauerkraut und Kartoffelpüree, in die Brauerei „Stiefel“ Jürgens. Nach dem Verlesen des Protokolls wurden die neuen „Würdenträger“ gewählt, um sich dann beim Essen und dem ein oder anderen Stiefelbier in gemütlicher Runde auszutauschen. Wegen der Corona-Pandemie fanden im abgelaufenen Jahr leider keine Veranstaltungen statt, sagte Arno Wille abschließend.

Lange Tradition der Zünfte

Ein Blick in die Geschichte: Seit dem Mittelalter bis zur Industriealisierung im 19. Jahrhundert wurde der Zusammenschluss von Handwerksmeistern neben dem heutigen Begriff Zunft auch als Gilde, Amt oder Innung bezeichnet. Heute wird der Begriff Zunft für das Handwerk und Gilde für die Kaufleute verwandt. Urkundlich belegt ist die erste Zunft, die der Wormser Fischer, aus dem Jahre 1106. Der Einfluss der Zünfte endete mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Moderne Nachfolger der Zünfte sind bis in die heutige Zeit die Handwerksinnungen.

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