Wärme für Beckumer Bürohaus kommt aus 100 Metern Tiefe


Das neue Bürogebäude für Jobcenter und Gesundheitsamt am Dalmerweg nimmt gestalt an. Beheizt wird es künftig mit Erdwärme.

Rund eine Woche dauert es, die erforderlichen sieben Tiefbohrungen auf der straßenabgewandten Seite des Gebäudes durchzuführen.

Beckum (scl) - Sieben Bohrlöcher, jedes knapp 100 Meter tief. Das ist die technische Grundlage für den Betrieb der Sole-Wärmepumpe, die künftig Beheizung und Klimatisierung des neuen Jobcenters in Beckum sicherstellen wird. Ein System mit Modellcharakter.

Ein Tag pro Bohrloch

Hinter dem Rohbau des Verwaltungsgebäudes am Dalmerweg, das auch eine Außenstelle des Gesundheitsamts aufnahmen wird, frisst sich das Bohrgestänge in den Untergrund. Einen Tag benötigt die beauftragte Fachfirma pro Tiefenbohrung. Die Arbeiten lässt sich der Kreis als Bauherr rund 52.000 Euro kosten.

Gut angelegtes Geld, wie Landrat Dr. Olaf Gericke findet. Er verwies beim Lokaltermin auf der Baustelle auf den Vorbildcharakter der nachhaltigen Maßnahme auch für private Bauherren. Wie Hendrik Borgstedt, Leiter des Amtes für Hochbau beim Kreis erläuterte, wird künftig Wasser in einem geschlossenen Rohrsystem in die Tiefe geleitet. In der Mergelschicht in 100 Metern Tiefe herrschen rund zwölf Grad Celsius. Mit dem über eine solarbetriebene Wärmepumpe wieder nach obern beförderten Wasser wird die Bodenwärme ins Gebäude transportiert und über einen Wärmetauscher ins Heizsystem übertragen. Der Neubau ist besonders gut gedämmt, so dass eine weitere Heizungskomponente nicht erforderlich ist.

Auch Kühlung ist möglich

In der warmen Jahreszeit funktioniert der Wärmetransport dann genau andersherum: Das im Gebäude erwärmte Wasser gelangt in die tieferen Bodenschichten, verringert dort seine Temperatur und steigt zur Kühlung des Gebäudes wieder auf.

Möglich wird dieses Verfahren durch den Einbau von kombinierten Heiz- und Kühldecken in dem Gebäude. Sie sind so beschaffen, dass sie sowohl Wärme als auch Kälte abgeben können. Das System ist bereits beim Bau der neuen Einsatz-Leitstelle in Warendorf zum Einsatz gekommen. Der Kreis als Bauherr hat hier wie dort die Vorgabe zu erfüllen, CO2-neutral zu bauen. „Mit der Nutzung der Erdwärme gehen wir den richtigen Weg in eine dekarbonisierte Zukunft“, zeigte sich Gericke überzeugt.

Überdies spiele die Kosteneinsparung durch energieautarke Bewirtschaftung eine zunehmend größere Rolle. Er bekannte sich zum Einsatz innovativster Technik bei den Bauprojekten seiner Behörde – auch um den Preis, dass etwas am Ende noch nicht so reibungslos funktioniert wie erhofft. „Wir möchten immer mit ganz vorne sein“, formulierte der Landrat den Anspruch seiner Behörde in puncto klimaneutrales Bauen.

Der dreigeschossige Neubau am Dalmerweg wird den beiden einziehenden Institutionen rund 1900 Quadratmeter Nutzfläche bieten.

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