Beelener Bürgerbus soll 2022 an den Start gehen


Es gibt noch viel zu tun bis zum Start. Engagierte Beelener wollen einen Bürgerbus auf die Straße bringen und dafür einen Verein gründen.

Wollen in Beelen einen Bürgerbus ins Rollen bringen: (v. l.) Bürgermeister Rolf Mestekemper, Sören Gerkensmeyer (RVM), Ludger Wüller und Paul Schwienhorst (beide Bürgerbus Hoetmar), Bernhard Ostholt, Dieter Krüger, Joachim Fomm und Antonius Woestmann (alle Bürgerbusinitiative Beelen).

Beelen (jed) - „Im Frühjahr 2022 wollen wir das Fahrzeug auf die Straße bringen!“ Zum Abschluss einer Veranstaltung zum Projekt „Bürgerbus“ formulierte Bernhard Ostholt, einer der Motoren der Initiative, dieses ehrgeizige Ziel. Wohl wissend, dass bis dahin noch eine Menge Arbeit zu erledigen ist.

Ziel der Bürgerversammlung am Donnerstagabend im Gasthof „Zum Holtbaum“ war es, interessierte Beelener über den Stand der Planung in Kenntnis zu setzen und diese für das Unternehmen „Bürgerbus“ zu begeistern. Und das ist gelungen. Die Zuhörer im Saal Koch verspürten direkt Lust, in das Fahrzeug einzusteigen – und loszufahren. Ersteres war an dem Abend sogar möglich, denn Paul Schwienhorst und Ludger Wüller aus Hoetmar waren mit ihrem Bürgerbus angereist, der dann ausgiebig inspiziert wurde. Und noch besser: Vier Teilnehmer an der Veranstaltung haben sich auch schon hinter das Steuer des Gefährts gesetzt. Sie sind bereit, demnächst als Fahrer zu agieren.

Damit wäre bereits ein Knackpunkt genannt, an dem das Bürgerbus-Projekt in Beelen – trotz intensiver Vorarbeit von Bernhard Ostholt und seinen Mitstreitern – noch scheitern könnte. Denn: Um einen geordneten Busbetrieb gewährleisten zu können, werden mindestens 30 ehrenamtliche Fahrer benötigt. Acht feste Zusagen hatten die Organisatoren bis zum Infoabend vorliegen, vier weitere sind dann spontan hinzugekommen.

<mediaobject class="imageleft" id="X0.6163052184619611" type="image" uid="08f7f172-b87c-4043-b11c-b82b35de05bc" url="http://ecms.die-glocke.de/alfresco/d/d/workspace/SpacesStore/08f7f172-b87c-4043-b11c-b82b35de05bc/20210826_214958.JPEG" uuid="08f7f172-b87c-4043-b11c-b82b35de05bc"><element name="Unterschrift">Acht feste Zusagen von potenziellen Fahrern hatten die Initiatoren bis zum Info-Abend am Donnerstag vorliegen. Heinz Kuster und drei weitere Interessenten gesellten sich spontan hinzu.<element name="Quelle"/></mediaobject>Sollte es in den kommenden Wochen gelingen, die nötige Anzahl an Fahrern zu akquirieren, stünde die Gründung eines Bürgerbus-Vereins an. Denn die ist unumgänglich, um den Bus ins Rollen zu bringen. Dass das auch von Seiten der Politik und der Gemeindeverwaltung gewünscht ist, hat Bürgermeister Rolf Mestekemper in seiner Ansprache hervorgehoben. Der Verwaltungschef verwies auf den einstimmigen Ratsbeschluss vom 1. Juli dieses Jahres und betonte, dass der Bürgerbus in vielerlei Hinsicht „eine tolle Sache“ sei. Die Stichworte lauten: Mobilität, Klimaschutz, Entwicklungsperspektiven sowie eine Attraktivitätssteigerung für die Gemeinde.

Details zum Thema erläuterte Sören Gerkensmeyer von der Regionalverkehr Münsterland (RVM). Bei einem Bürgerbus handele es sich um Linienverkehr mit kleinen Fahrzeugen (acht Fahrgastplätze). Das Angebot sei eine sinnvolle Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr. Neben den drei Hauptakteuren – Verein, Gemeinde und RVM – seien auch der Kreis, das Land und die Bezirksregierung mit im Boot, um den Bus an den Start zu bringen. Die Busfahrer benötigten den Führerschein B (alt: Klasse III), eine vom Kreis erteilte Fahrerlaubnis und müssten sich regelmäßig medizinischen Untersuchungen unterziehen.

Auskunft zum Bürgerbus Beelen erteilen Bernhard Ostholt, Telefon 02586 / 1296, Dieter Krüger, Telefon 02586 / 8205 und Joachim Fomm, Telefon 02586 / 8218.

Erste Ideen für Fahrtstrecken

Es gibt bereits „erste Ideen“, auf welchen Strecken der künftige Bürgerbus verkehren soll. Die Initiatoren haben auch schon Probefahrten unternommen, um zu prüfen, welche Routen in welchen Zeitfenstern zu schaffen sind. Aber: Das ist alles noch völlig unverbindlich und die Umsetzung von verschiedenen Faktoren abhängig. Gestrichen worden aus dem potenziellen Fahrplan ist eine zunächst angedachte Verbindung zwischen Beelen und Greffen / Harsewinkel, da das Unternehmen „Teutoburger Wald Verkehr“ ab 1. September dort eine Taxi-Bus-Linie betreiben wird. Eine Konkurrenzsituation zu bestehenden ÖPNV-Angeboten soll es aber nicht geben.

Stattdessen wird nun eine Route über die Siedlungen Serriesteich, Hemfeld und Ostheide nach Clarholz mit Anbindung der Seniorenheime in Beelen und Clarholz favorisiert. Außerdem Fahrten nach Oelde, wo unter anderem attraktive Einkaufsmöglichkeiten, der Vier-Jahreszeiten-Park sowie der Bahnhof mit Umsteigemöglichkeit in den Fernverkehr locken.

Herzstück der bisherigen Planung sei jedoch eine Verbindung nach Warendorf, erklärte Dieter Krüger von der Beelener Bürgerbusinitiative. Durch die Bauerschaft Vohren soll es in die Kreisstadt gehen, wobei Haltepunkte unter anderem am Kreishaus, am Hallenbad, am Josephs-Hospital, am Seniorenwohnen „Eichenhof“ sowie an Ärztezentren eingerichtet werden könnten. Dazu meldete Paul Schwienhorst allerdings Bedenken an: „Ich glaube nicht, dass es dafür eine Konzession geben wird“, so der Vorsitzende des Bürgerbusvereins Hoetmar, der Konflikte mit den Warendorfer Bürgerbussen Nord und Süd befürchtet.

Angemerkt

Wenn es um ehrenamtliches Engagement geht, nimmt Beelen eine Sonderstellung ein. Die Realisierung des Dorfguts „Haus Heuer“ ist ein Beispiel dafür, aktuell der Einsatz der Rotkreuzler im Corona-Testzentrum ein anderes. Wer weitere Belege dafür sucht, werfe einen Blick auf die Liste der Preisträger und Nominierten beim Wettbewerb um den Heimatpreis NRW im vorigen Jahr. Und nun geht das Projekt „Bürgerbus“ an den Start – eine Mammutaufgabe, die abermals von freiwilligen Kräften zu schultern ist, soll sie denn zur Erfolgsgeschichte werden. Dem Team um Bernhard Ostholt ist zu wünschen, dass es in der Sache Stehvermögen beweist, sich von Rückschlägen und auftretenden Problemen nicht entmutigen lässt. Vor allem aber dürfen die Initiatoren mit ihrer Idee nicht allein gelassen werden. Jetzt müssen Mitstreiter her. Frauen und Männer, die in einem Verein mitwirken und sich bestenfalls auch hinters Steuer setzen wollen. Und wenn der Bus dann eines Tages rollt, dann heißt es: „Einsteigen bitte. Die Fahrt geht los.“

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