Erpressung: Anwalt stellt neue Fragen



Münster / Beelen (hh) - So hatte sich der Vorsitzende Richter Franz-Josef Kliegel den Prozesstag nicht vorgestellt. Der Verteidiger des ältesten Angeklagten stellte gleich ein halbes Dutzend Beweisanträge, über die die Dritte Große Strafkammer in Münster nun entscheiden muss.

Fraglich ist, ob im Beelener Erpressungsfall am kommenden Mittwoch das Urteil gesprochen wird.

Damit ist die für den 16. November anberaumte Urteilsverkündung im Erpressungsfall erst einmal vom Tisch. „Das hätten Sie doch schon vor drei Wochen beantragen können“, so Franz-Josef Kliegel. Doch der Verteidiger ließ sich nicht umstimmen. Für ihn habe sich nach gründlichem Aktenstudium der Sachverhalt anders dargestellt, so dass eine Befragung der ermittelnden Polizeibeamten noch einmal nötig werde. Die zwei Erwachsenen und drei Jugendlichen, die einen ehemaligen Landwirt bestohlen und eingesperrt haben sollen, räumen die Tat an sich ein. Einzig den Vorwurf der schweren räuberischen Erpressung – das Opfer soll über Tage in seinem Haus in ein Zimmer gesperrt worden sein, um Geld zu erpressen – wiesen alle von sich.

„Opfer gefangen gehalten“

Die Anklagevertreterin sah es dagegen als erwiesen an, dass die beiden zur Tatzeit 23 und 27 Jahre alten Hauptangeklagten ihr Opfer gefangen gehalten hatten, damit sie ungehindert mit der erbeuteten Scheckkarte und der PIN-Nummer weiterhin Geld abheben konnten. In seinem Plädoyer warf der Verteidiger des älteren Angeklagten immer wieder die Frage auf, wer noch ein Interesse an der Festsetzung des Opfers gehabt haben könnte und kam zu dem Ergebnis, dass der 16-jährige Mitangeklagte durchaus für die Tat infrage kommen könnte. Ob das durch einen erneuten Eintritt in die Beweisaufnahme bewiesen werden kann, muss die Kammer nun entscheiden. Die Verteidiger der beiden jüngeren Angeklagten hatten sich zuvor für Bewährungsstrafen für ihre geständigen Mandanten ausgesprochen. Für den dritten Jugendlichen plädierte dessen Anwalt auf eine Strafe „mit einer Drei vor dem Komma“ statt der staatsanwaltlich geforderten viereinhalb Jahre. Ob es am kommenden Mittwoch zur Urteilsverkündung kommt, ist nun fraglich. Vorsorglich hat sich der Vorsitzende Richter alle freien Termine der Verteidiger geben lassen.

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