Fachleute raten Beelenern, rechtzeitig vorzusorgen


Für viele Menschen tritt Pflegebedürftigkeit plötzlich ein, ohne dass sie ausreichend darauf vorbereitet sind. Wie kann man dem vorbeugen?

Ansprechpartnerin für Senioren aus Beelen ist Nadine Schöppner von der Pflege- und Wohnberatung des Kreises Warendorf. Foto: Wiengarten

Beelen (wie). Angehörige, aber auch ältere Alleinstehende stehen vor vielen Fragen, wenn jemand pflegebedürftig wird: Welche Möglichkeiten gibt es, um möglichst lange in der eigenen Wohnung bleiben zu können? Wie kann die Pflege finanziert werden? Wie geht es weiter, wenn ein Verbleib in den eigenen vier Wänden gefährdet ist? 

Kreis-Projekt in Beelen gestartet

Aus diesem Grund hat der Kreis Warendorf das Projekt „Besser jetzt – gut beraten im Alter“ ins Leben gerufen. Konkret umgesetzt wird es nun in Beelen („Die Glocke“ berichtete). Bürgermeister Rolf Mestekemper rief zur Eröffnungsveranstaltung in die Axtbachhalle. Der Einladung folgten aber nur wenige Personen. Dass es jedoch Interesse gibt und viele aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen konnten, war im Vorfeld signalisiert worden. 

Mestekemper begrüßte als Fachleute Brigitte Klausmeier, Sozialdezernentin des Kreises Warendorf, Markus Giesbers, Netzwerkkoordinator der St.-Elisabeth-Stiftung, Nadine Schöppner von der Pflege- und Wohnberatung des Kreises sowie Susanne Kutscha als zuständige Ansprechpartnerin bei der Beelener Gemeindeverwaltung. Der Bürgermeister machte deutlich, sich dafür einsetzen zu wollen, dass das Thema in Beelen gut an den Start gebracht werde und die Verwaltung für alle Fragen rund um das Alter zur Verfügung stehe. 

In anderen Städten schon erfolgreich umgesetzt

Brigitte Klausmeier informierte über das Projekt, das schon in anderen Städten des Kreises erfolgreich umgesetzt werde. Ausgehend davon, dass die Gesellschaft sich demografisch immer mehr verändere und sich auch das Persönlichkeitsbild von Menschen über 65 grundlegend gewandelt habe, machte sie deutlich, wie wichtig es sei, rechtzeitig für das Alter zu planen. So werde zurzeit angenommen, dass es 2040 rund 43 Prozent mehr Menschen über 65 gebe als heute. Die Sozialdezernentin begrüßte Beate Baldus, die bei der Pflege- und Wohnberatung als so etwas wie die „Mutter“ des Projekts gilt. Sie habe schon in anderen Orten erlebt, dass das Projekt gut angenommen werde, direkte Hilfe vor Ort leiste und Ideen für Einzelfalllösungen auf den Weg bringe. 

Die weiteren Ausführungen übernahm Markus Giesbers. Der Diplom-Sozialpädagoge machte anhand einer Powerpoint-Präsentation deutlich, dass sich die Zusammensetzung der Bevölkerung in Deutschland immer mehr verändert. Die Schaubilder zeigten, dass mehr älteren Menschen stetig immer weniger Junge gegenüberstehen. Das hat laut Giesbers Auswirkungen auf die Versorgung der älteren Menschen nicht nur im Renten-, sondern auch im Stellenbesetzungsbereich der Pflege- und Unterstützungsangebote. Die Geburtenrate gehe zurück, die Anerkennung, dass Deutschland stärker Einwanderungsland werden müsse, sei noch zu gering, und die Bedeutung von Zuwanderern werde von den meisten Menschen unterschätzt. Dass plötzlich zur Abwendung der drohenden Probleme ein Babyboom einsetze, sei nicht zu erwarten.

Schriftliche Benachrichtigung

Jede Person aus Beelen ab 75 Jahren wird in diesen Tagen eine schriftliche Benachrichtigung bekommen, die alle wichtigen Informationen enthält, damit man das kostenfreie und hochwertige Beratungsprodukt des Kreises Warendorf abrufen kann. 

Gerda Zumbusch, Beelener Bürgerin und selbst in der Beratung aktiv, machte darauf aufmerksam, dass Pflegedienste für Beratungen oft fast 100 Euro nähmen, und freute sich, dass nun das neue Projekt des Kreises auch in Beelen umgesetzt wird. 

Nadine Schöppner informiert

Nadine Schöppner von der Pflege- und Wohnberatung des Kreises informierte umfassend über die Möglichkeiten des Projekts. Sie machte deutlich, dass sie gerne für individuelle Beratungen in die Haushalte komme. Wichtig, so die Fachfrau, sei es, sich rechtzeitig beraten zu lassen und die Informationen im Ernstfall abrufbar zu haben oder schon vorbeugend zu handeln. Was immer schon zeitig gemacht werden könne, sei die barrierefreie Gestaltung der Wohnung oder des Hauses, wofür es Zuschüsse gebe. Auch bei der Antragstellung werde Hilfe geleistet. 

Wichtig: Auch Personen unter 75 Jahren können sich für die Beratung anmelden, selbst wenn sie keine Info-Karte bekommen haben. Eine Kontaktaufnahme zu Nadine Schöppner vom Kreis Warendorf erfolgt unter 02581 / 535027 oder per E-Mail an nadine.schoeppner@kreis-warendorf.de. Susanne Kutscha von der Gemeindeverwaltung ist unter 02586 / 88713 und kutscha@beelen.de erreichbar.

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