Papiertheater in Beelen: Ein Schiff voller Narren


Nach krankheitsbedingten Verschiebungen konnte das Papiertheaterstück „Die märchenhafte Reise“ in Beelen gleich zweimal aufgeführt werden.

Beelen (wie) - Die Geschichte aus der Feder von Dieter Lohmann mit Figuren und Bühne geschaffen von Künstler Manfred Kronenberg hat in beiden Veranstaltungen die Menschen in den Bann gezogen. Das Narrenschiff und die Figuren verdeutlichten die gesprochenen Worte von Dieter Lohmann. Die Musik von Armin Düpmeier lieferte einen hervorragenden Hintergrund zum Geschehen.

Grundlage für die Geschichten der Narren oder besser gesagt der Weisen auf dem Narrenschiff waren Inhalte von Erzählungen aus vielen Teilen der Welt. Aber die Geschichten, die Dieter Lohmann in gewohnt brillanter Art vortrug, entstammten seiner eigenen Schreibfeder und waren von ihm papiertheaterfähig ausformuliert worden. Das Narrenschiff hatte Manfred Kronenberg in der Tradition seiner außergewöhnlichen Kunstwerke mit viel Phantasie und Liebe zum Detail so gestaltet, dass es zugleich ein Luft- und Wasserfahrzeug war und so alle Hindernisse zwischen den Erdteilen und Ländern überwinden konnte – und mit den Weisheiten der Erzählungen auch etliche Hindernisse zwischen Menschen.

Erst München, dann Beelen

Christel Kammann vom Verein DorfGut Beelen hatte eingangs die Künstlergruppe und die Gäste begrüßt. Sie freute sich, dass das Theater nun doch noch an den Start gehen konnte. Sie zeichnete auch kurz auf, dass die Künstler bereits in vielen anderen Orten, so erst kürzlich in München, aufgetreten sind. Manfred Kronenberg erläuterte die Geschichte des Papiertheaters; Dieter Lohmann begrüßte die Zuschauer und startete die Reise in das Land der Erkenntnisse und Weisheiten der Narren.

Der erste Narr, der unzähligen Menschen schon den Spiegel vorgehalten hat, war Till Eulenspiegel. Einem großspurigen Wirt lehrte er das Fürchten und zeigte auf, dass es schwierig auf dieser Welt mit Menschen sei, die den Mund immer etwas zu voll nähmen, wenn es um die eigene Person gehe. Dieter Lohmann stellte, wie auch in vielen seiner Gedichte, gekonnt einen Bezug zu aktuellen Geschehnissen her, auch politischen.

Die Namen der weiteren Narren, die mit auf die Weltreise gegangen und in verschiedenen Ländern zugestiegen sind, waren von Dieter Lohmann erfunden worden. Er schaffte es, diese Figuren durch seine Worte lebendig zu machen und hauchte ihnen ein Handeln voll Weisheit, Pfiffigkeit und Güte ein. Nasreddin, Ibrahim, Alibeg Kaschhaki, Badartschin und Ooka Tadasuke gaben dem Publikum Gedanken und Weisheiten mit auf den Heimweg, die diese Welt, wenn sie denn umgesetzt würden, ein Stück besser machen könnten. Wortspitzen zur aktuellen politischen oder klimatechnischen Lage waren auch dabei, und was nicht fehlen durfte: Im Kontinent Amerika tauchte der Narr Trump auf, allerdings nur mit hellen Haaren und ohne Weisheit.

Als Zugabe trug Dieter Lohmann sein Gedicht vom „Knaben Donald“ vor und krönte mit gereimten Worten den Theaternachmittag.

Kunstform 1811 mit Premiere in England

Im März 2021, also vor nicht allzu langer Zeit, ist das Papiertheater als Immaterielles Kulturerbe anerkannt worden. Die Initiative dazu war von Sieglinde Haase ausgegangen, die in Remscheid selbst ein Papiertheater betreibt. Die Bewerbung verfasste Sieglinde Haase zusammen mit mehreren Mitstreitern aus der Papiertheaterszene.

Dass diese besondere Wertschätzung gerechtfertigt ist, davon konnten sich nun die Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung im Haus Heuer in Beelen überzeugen. Das Papiertheater ist eine besondere Kulturform und hat eine lange Tradition. In einigen europäischen Museen sind Bühnen ausgestellt, die bereits Ende des 18. Jahrhunderts entstanden sind. Das erste komplette Papiertheaterstück mit Dekorationen, Figuren und Text hatte 1811 in England Premiere. Zehn Jahre später wurden von deutschen Verlagen die ersten Theaterbögen herausgegeben, es folgten Verlage in Österreich, Spanien, Frankreich und Dänemark.

Das Theater, das am Sonntag in Beelen zu sehen war, hat Manfred Kronenberg mit künstlerischer Liebe zum Detail geschaffen und ganz den Stücken, die zur Aufführung kommen, angepasst. Dabei gab er nicht nur dem Schiff ein wunderbares phantasievolles personenbezogenes Gesicht, sondern auch die Kleidung und Gesichter der Narren waren genial und individuell.

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