Plattdeutsche Bühne feiert Premiere



Beelen (wie) - „Vorhang auf und Bühne frei“, hieß es im Hotel-Restaurant Beelen, wo die Premiere der Plattdeutschen Bühne stattfand. Ein voller Saal, ein begeistertes Publikum, ein Stück vom Feinsten und Darsteller der Spitzenklasse. Die Freunde des plattdeutschen Theaters kamen auf ihre Kosten.

Als Regisseur Bernhard Beckmann am Ende den Wunsch äußerte, wenn der Schwank gefallen habe, möge man das doch weitererzählen, da konnte man schon sicher sein, dass die Plattdeutsche Bühne bereits am Sonntag Dorfgespräch sein würde. Das Lustspiel „Frikadellen“ aus der Feder von Erich Hagemeister bietet kurzweilige Unterhaltung. Allerdings ist es aus einer Sicht dann doch wieder topaktuell und lehrreich, zeigt der Dreiakter doch, was passieren kann, wenn der Mensch den „Hals nicht voll bekommen kann“ und ein Geizkragen ist.

Geizig mit Applaus war das Premierenpublikum indessen beileibe nicht. Immer wieder wurden die Aktionen auf der Bühne durch Beifall auf offener Szene unterbrochen. Regisseur Bernhard Beckmann war bei der Besetzung der Rollen und beim Herausarbeiten der einzelnen Charaktere ein Meisterstück gelungen. Die Mammutaufgabe kam dabei Dieter Blienert zu, der fast ständig auf der Bühne stand und den geizigen, autoritären und cholerischen Pensionär Karl Burmann wunderbar darstellte. Barbara Große-Frie schaffte es, das etwas einfältige Dienstmädchen Aurora glänzend zu verkörpern. Bernadette Beermann brillierte in der Rolle der „Tante Ida“.

Edith Baxheinrich und Stephan Wältermann spielten ein Liebespaar, das zu Tränen rührte, und Theo Lüffe verkörperte sehr souverän den Sohn eines reichen Großhändlers, der schleimt, hintergeht und den nur eine Frage bewegt: Wie komme ich an Lotte, die Tochter des geizigen Pensionärs?. Geld oder Liebe? – das ist das Thema, das sich wie ein roter Faden durch Schwank zieht. Susanne Deitert als Ehefrau ohne eigenen Willen, Ewald Bonkamp als trinkfreudiger Tierarzt und Hubert Deitert, der einen Wachtmeister mit menschlichen Bedürfnissen spielte, stellten ihre Fähigkeiten als Laiendarsteller ebenfalls eindrucksvoll unter Beweis. Und wenn die Akteure auf der Bühne im Eifer des Gefechts einmal Textprobleme hatten, half Souffleuse Christel Holtkamp wieder geschickt auf die Sprünge, so dass die Zuschauer sie gar nicht bemerkten. Das Stück ist sehenswert und absolut köstlich. Die Beifallsstürme, mit denen sich das Premierenpublikum am Samstagabend bedankte, dürfen getrost als Beweis dafür gelten.

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.