Allerfeinstes Kabarett in der Brennerei



Ennigerloh (rge). Bremsenquietschen, Stimmengewirr, Martinshorn. Die  Katastrophe ist perfekt: Von einem Lehrer im Skoda Kombi überfahren zu werden, ist schon schlimm genug – danach jedoch in einem Jenseits aufzuwachen, das einem Wartesaal ähnelt, ist eine herbe Enttäuschung.  

Kabarett vom Feinsten bot Fatih Cevikkollu in der Alten Brennerei Ennigerloh.

Der „Wartesaal“ der Alten Brennerei Ennigerloh war voll besetzt, als das Verkehrsopfer Fatih Cevikkollu die Bühne betrat, um mit Gott über eine Rückkehr ins irdische Leben zu verhandeln. Die Argumente, die er dazu ins Feld führte, dienten als Ausgangspunkt für intelligent-witzige Beschreibungen, die zwischen politischem Kabarett und böser Comedy pendelten.

In „Fatih unser – Erlösung leicht gemacht“ geht es weniger um Religion als vielmehr um den Zustand der Gesellschaft. In Fatih Cevikkollu besitzt Deutschland einen seiner fähigsten Zustandsbeschreiber.

 Fatih Cevikkollu gilt als Experte für deutsch-türkische Befindlichkeiten. Diese Rolle wird er nicht los. Und so bezieht der kölsche Jung mit Migrationshintergrund natürlich Stellung zum Thema Integration und erklärt den Zusammenhang zwischen 50 Jahre Mauerbau und 50 Jahre Anwerbevertrag mit der Türkei: „Berlin war unser Troja. Die Mauer ist weg, wir sind immer noch da“. 

Nach zwei Stunden allerfeinsten Kabaretts definiert Fatih Cevikkollu seine berufliche Tätigkeit („Ich denke vor, du denkst nach“) und hat, beim Blick ins Publikum, noch einen Trost parat: „Ihr seht nur einen Bekloppten, ich aber …“ Unser Fatih, sympathisch, bissig, gut.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie am Montag in der „Glocke“ auf der Ennigerloher Seite.

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