Bewährungsstrafe nach nächtlichem Wutausbruch


Ennigerloh (bjo) - Es war ein Einsatz, an den die Polizisten noch lange denken werden. Der Vorfall vom 6. Februar in Ennigerloh kam jetzt vor Gericht.

 „So etwas habe ich in 27 Jahren bei der Polizei noch nicht erlebt.“ Mit diesen Worten beschrieb ein Polizeibeamter am Montag vor dem Warendorfer Amtsgericht den Einsatz vom 6. Februar. Damals waren der 47-Jährige und weitere Kollegen zu einem Ennigerloher Einfamilienhaus gerufen worden, weil der 24-jährige Sohn zu randalieren begonnen hatte. In der Hauptverhandlung sagte der Vater des jungen Mannes als Zeuge aus. „Wir hatten Angst und wussten nicht weiter.“

Vater fesselt Sohn mit Kabelbindern

Der 56-Jährige schilderte, wie er seinen Sohn zusammen mit seinem angehenden Schwiegersohn zu Boden gebracht und mit Kabelbindern fixiert hatte. „Wir machten uns Sorgen, dass ihm doch die Hand ausrutscht oder er etwas kaputt macht“, begründete der Vater die drastische Maßnahme, die auch die Richterin nicht unbeeindruckt ließ. „Ich finde es bemerkenswert, dass der Vater Kabelbinder bereithält. Er hat wohl mit dem Schlimmsten gerechnet.“ So etwas habe sie noch nie in einer Ermittlungsakte gelesen.

 

Angeklagt war der 24-jährige Ennigerloher wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, eines Angriff auf Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Bedrohung. So soll der Ennigerloher laut Anklageschrift um 4.05 Uhr morgens seine Eltern in deren Einfamilienhaus massiv beleidigt und bedroht haben. Gegen eine Fixierung soll sich der 24-Jährige massiv zur Wehr gesetzt haben, sodass er auf dem Weg zum Streifenwagen die Treppe habe heruntergetragen werden müssen. Die Fahrt zur Polizeiwache in Ahlen habe er in Bauchlage auf der Rückbank des Autos verbracht. In der Gewahrsamszelle soll er dann dem 47-jährigen Beamten gezielt ins Gesicht gespuckt haben.

Alkohol war im Spiel

Genau erinnern könne er sich an die Vorfälle nicht mehr, bekannte der Angeklagte. Das wohl auch, weil er vorher Jägermeister und Tequila getrunken habe. „Es tut mir so leid, dass ich das gemacht habe“, zeigte sich der junge Mann schuldbewusst. Das Gericht verurteilte den Ennigerloher am Montag zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Zudem muss er 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

 

„Dieser Fall sticht besonders heraus, was die Intensität und die Dauer angeht“, begründete die Richterin ihr Urteil, mit dem sie über den Antrag der Staatsanwaltschaft (vier Monate) hinausgegangen war. Die Verteidigerin hatte auf das Verhängen einer Geldstrafe plädiert.

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