Funke springt bei plattdeutscher Bühne über



Enniger (dis) - Regisseur Hermann Woeste hat sich mit den Darstellern nach einer stimmungsvollen Premiere über ein begeistert reagierendes Publikum gefreut. Aufgeführt wurde die Tragikposse „Söffken van Gievenbeck“ von der plattdeutschen Heimatbühne der Kolpingsfamilie Enniger.

Beide sind Doesbaddel, aber schwer verliebt. Oliver Rösler und Nina Theeßen wirtschaften im plattdeutschen Stück "Söffken van Gievenbeck" einen großen Gutshof in die Pleite.

Der Funke der Begeisterung für das Stück sprang schnell von der Bühne ins Publikum – und von da aus wieder zurück zu den Laiendarstellern. „Die Begeisterung des Publikums trägt uns“, sagte Annette Berste, die zwei Rollen überzeugend besetzte, in einer Spielpause.

Ihr und Regisseur Woeste war die Erleichterung über den bisherigen guten Spielverlauf anzusehen. Dazu trugen das Stück selbst und die Spielkunst der Darsteller bei.

Um 1900 war das Spiel erstmals nur von männlichen Darstellern der Abendgesellschaft Zoologischer Garten als Einnahmequelle für den Zoo aufgeführt worden. Die damalige feine Gesellschaft vergnügte sich wohl gerne an dem gestelzten Hochdeutschversuchen der allgemein plattdeutsch sprechenden Landbevölkerung. Ein Vergnügen, an dem auch das Publikum in Enniger seine Freude hatte.

Und dann waren da die vielen Liedeinlagen. Das aktive Publikum schunkelte. Einige Refrains sangen die Zuhörer fröhlich mit und honorierten die Darbietungen mit Szenenapplaus.

Wie im Fluge vergingen die vier Akte. Unüberhörbar baute in den Pausen ein fleißiges Helferteam in Windeseile die Bühnenbilder um, bei denen Bühnenmaler Dieter Röwekamp auf Details achtete. Waren zu Beginn beim Bühnenbild Schultenhof auf der Wiese mit der Silhouette von Münster samt Dom viele Kühe zu sehen, fehlten diese beim vierten Akt. Dat Doesbaddel von Dochter Söffken (Nina Theeßen) und ihr Angetrauter (Oliver Rösler), ebenfalls nicht der Hellste Tönne, hatten den ansehnlichen Gutshof von Franz Schulte Gievenbeck, (Ludger Demski) heruntergewirtschaftet. Der Schulte selbst war zwar das Landleben leid, kommentierte die Berufswahl von Sohn Hans (Frank Schröder) jedoch folgendermaßen: „Steene as Bildhauer will he kloppen, wo he doch in Pantuffels äwern Hoff laupen kunn.“ Doch es sei leichter ein fürstliches Vermögen auszugeben, als einen Groschen zu verdienen, klagte er später als verarmter Großbauer, der sich mit Holzschuhmachen über Wasser halten musste. Bis zum 1. April steht „Söffken van Gievenbeck“ noch auf dem Spielplan.

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