Zehn Stufen hinunter in eiskalten Bunker



Ennigerloh (art) - Wer ihn nicht kennt, geht an ihm vorbei. Nur ein massiver Betonkegel ragt aus dem mit etwas Schnee bedeckten Erdboden neben dem Ennigerloher Rathaus heraus und verrät, dass hier eine unterirdische Anlage ist. Die Rede ist von dem Bunker auf dem ehemaligen Gröne-Gelände.

Mit Taschenlampen ausgerüstet haben (v. l.) Bürgermeister Berthold Lülf, Wolfgang Gröne und Dr. Paul Schwake den Bunker auf dem ehemaligen Gröne-Gelände neben dem Rathaus besichtigt. Es sei wohl der letzte Bunker, den es in Ennigerloh noch gibt, vermutet Dr. Schwake.

1940 gebaut, sollte er der Familie Gröne und ihren Nachbarn Schutz bieten. „Ich habe nur noch schwache Erinnerungen an den Bunker während der Kriegszeit“, berichtet Wolfgang Gröne (71) bei einer Besichtigung der Anlage mit Bürgermeister Berthold Lülf und Heimatforscher Dr. Paul Schwake.

Der gemauerte Eingang ist nicht verschlossen. Eine alte Eisentür gibt den Weg nach unten frei. Mit Taschenlampen ausgerüstet geht es für die drei Männer auf eine eiskalte Tour drei Meter in die Tiefe. Einmal rechts um die Ecke und gleich wieder nach links – ein schmaler Gang führt in einen kreisrunden Raum, der einen Durchmesser von etwa vier bis fünf Metern hat. „Hier, an den gemauerten Wänden, standen früher Stühle“, erinnert sich Wolfgang Gröne, der zur Zeit des Zweiten Weltkriegs ein kleiner Junge gewesen ist. „Bei Fliegeralarm haben wir hier mit bis zu 15 Menschen Schutz gefunden, darunter waren meine Eltern und meine zwei Geschwister.“

In der Mitte dominiert ein die Betondecke tragender Eisenpfosten. Schwaches Tageslicht dringt durch einen schmalen Schacht in den Raum, in dem gespenstische Stille herrscht. Etwas klarer sind Grönes Erinnerungen an die Jahre nach dem Krieg. „Danach wurde der Bunker als Vorratsraum genutzt. Kartoffeln und Wein lagerten hier unten, weil diese Lebensmittel auch im Sommer immer wohl temperiert blieben.“ In den nächsten Wochen wird nicht nur der Bunker der Vergangenheit angehören. Auch das ehemalige Wohnhaus (Baujahr 1898) und die dazugehörige Scheune werden abgerissen, weil hier das Projekt der Lindhorst-Gruppe umgesetzt wird.

Mehr zum Projekt der Lindhorst-Gruppe in Ennigerloh ist in der Ausgabe der Glocke im Kreis Warendorf am Samstag zu lesen.

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