Abflussmodell für Hochwasserschutz


Telgte (gl) - Überschwemmte Straßen, Bäche, die zu reißenden Flüssen werden, vollgelaufene Keller - die Bilder aus vielen Teilen des Landes zeigen, was extremer Starkregen in kürzester Zeit anrichten kann. In Telgte wird ein digitales Modell für den Hochwasserschutz auf den Weg gebracht.

Wohin ergießt sich die Ems in Telgte im Fall eines Hochwassers? Das soll ein digitales Modell ermitteln. 

Vielen Menschen in Telgte sind die Auswirkungen des letzten „Jahrhundertregens“ vom Juni 2014 noch sehr präsent, aber auch im August vergangenen Jahres führten starke Niederschläge zu Schäden und vielen Feuerwehreinsätzen. 

Kein Zweifel an der Ursache: Klimawandel

„Was die Ursachen derartig dramatischer Wetterextreme angeht, gibt es längst keinen Zweifel mehr“, informiert Fachbereichsleiter Christian Korte von der Stadtverwaltung: „Die Veränderungen des globalen Klimas haben die Temperaturunterschiede zwischen der Arktis und den gemäßigten Breiten deutlich verringert. Im Ergebnis führt dies durch Veränderungen des sogenannten Jetstreams zu vermehrten Wetterextremen in unseren Breiten.“ Die Folge: Extreme Kälteeinbrüche im Winter, vermehrte Starkregenereignisse im Sommer oder Dürre und Hitzeperioden. 

Im Zusammenhang mit den Klimaschutzbemühungen der Stadt Telgte hatte der Rat jüngst beschlossen, in Abstimmung mit dem Abwasserbetrieb TEO ein sogenanntes Oberflächenabflussmodell für Telgte erstellen zu lassen. Hinter dem sperrigen Begriff steht ein digitales Rechenmodell, das für den Fall von Starkregen oder Hochwasser aufzeigt, wie die Wassermassen wirken und wo die möglichen Schwachstellen im Stadtgebiet zu finden sind. 

Oberflächen-Abflussmodell liefert bessere Erkenntnisse

Mit unterschiedlicher Intensität und unterschiedlicher Wasserhöhe wird so schnell erkennbar, wohin sich urbane Sturzfluten ergießen. Und daraus lassen sich dann Strategien für Hochwasservorsorge ableiten. „Insofern ist dieses Oberflächenabflussmodell zunächst einmal ein Instrument, das uns bessere Erkenntnisse liefern wird“, erklärt Christian Korte. „Im nächsten Schritt müssen dann konkrete Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden, mit deren Hilfe die Folgen von extremen Regen- oder Hochwassermengen abgemildert werden können.“ 

Das könnte die Schaffung von weiteren Retentionsflächen und Geländemulden sein, in denen Wassermassen zurückgehalten werden können, oder auch die Entsiegelung zugepflasterter Flächen. 

Privatleute: Weniger Flächen versiegeln

Auch private Hauseigentümer können durch möglichst geringe versiegelte Flächen, Zisternensysteme oder technische Maßnahme wie etwa den Einbau von Rückstauklappen Vorsorge betreiben und im Fall von Starkregenereignissen Schäden vermeiden.

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