Kutschen und Pferde sind ein Hingucker



Telgte (ap). Aus einer Veranstaltung zum 750. Stadtjubiläum ist mittlerweile eine traditionelle Kutschenwallfahrt geworden, bei der Jagdwagen, Wagonetten, Landauer, Tinker, Shettis und Friesen nach einem Schaulauf in einem Korso durch die Gassen der Stadt ziehen.

Mit einer Troika an einem Trainingswagen nahm Paul Strohbücker an der Wallfahrt teil. Die verschiedenen Gespanne erhielten von den Zuschauern reichlich Beifall.

An Christi Himmefahrt zog die 24. Veranstaltung wieder einmal Tausende ins Münsterland auf die Planwiesen. Besucher, die schon früh aufs Gelände kamen, konnten den Geschichten der Fahrer lauschen. Und die sind oft mindestens so interessant, wie die Pferde und Kutschen. Zum ersten Mal beteiligten sich Tamara und Andreas Körner samt Tochter Leoni an der Wallfahrt. In mühevoller Kleinarbeit hatte die Familie aus Sassenberg während der vergangenen Wochen ihren „bäuerlichen Federwagen“ hergerichtet. Ersatzteile für das Gefährt von 1920 gibt es natürlich nicht mehr. Eingerostete Bolzen und Schrauben müssen da bei Bedarf extra angefertigt werden. Zum lebenden Inventar der Kutschenwallfahrt gehört Josef Christiansmeyer. Lediglich im vergangenen Jahr konnte er nicht dabei sein. Der Hoetmarer hatte einen Verkehrsunfall, bei dem eines seiner Pferde gestorben, er selbst schwerverletzt war. „Vorher hat mich das Pferd unter meiner Kutsche hervorgezogen“, sagte Christiansmeyer mit Tränen in den Augen. Der Verlust seines Pferdes schmerzt den Landwirt (76) auch heute noch sehr. Dass er mit Tieren gut kann, ist sofort zu sehen. Seine Shettis sind die Ruhe selbst. „Wenn ein Tier Angst hat, muss ich bei ihm sein, wie bei einem Baby“, sagte Christiansmeyer. Seine Geschichten rund ums Pferd kamen bei vielen Besuchern übrigens gut an – ständig waren er und seine Pferdchen von Interessierten umringt. Gleich mit acht Kutschen kamen dieses Mal die Warendorfer Freizeitfahrer nach Telgte. Viel Anerkennung erhielt die Gruppe um Jörg Drewes, ebenfalls ein Urgestein der Wallfahrt, für eine seltene Anspannung: In einer Troika zogen drei Friesenhengste den Trainingswagen von Paul Strohbücker. Die „Vatertagstour“ (Drewes) der Freizeitfahrer sorgte nicht nur für erstaunte Blick. Die Bezeichung „Münsterländer Landratswagen“ für Martin Fischers Gefährt sorgte für Schmunzler. Nach einem Gottesdienst mit Diözesanbischof Dr. Franz-Josef Overbeck, der anschließenden Begrüßung durch den Stellvertretenden Bürgermeister Karl-Heinz Greiwe und dem traditionellen Schaulauf auf den Planwiesen, zog der Kutschenkorso unter dem Beifall der zahlreichen Zuschauer durch die historische Altstadt, vorbei am Telgter Dreiklang mit seiner Gnadenkapelle.

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.