Politisches Picknick auf der Planwiese


Telgte (jor) - Mehr als 500 Radfahrer hatten sich am Sonntagnachmittag die Planwiese in Telgte als geografisches Ziel ausgesucht. Ihr politisches Ziel ist die Verhinderung des Ausbaus der Bundesstraße 64 zu einer dreispurigen Schnellstraße als B64n, sowie der B51 im Bereich von Münster bis Telgte.

Sie machen sich mit Bürgerinitiativen und Organisationen gegen die Ausbaustrecken stark: (v. l.) Sabine Paltrinieri, Dr. Maria Odenthal-Schnittler, Thomas Lins, Karsten Birkemeier, Katrin Eping, Achim Specht, Harald Loermann, Elisabeth von Müller und Bernhard Pavenstedt. Foto: Rieder

Zu der Fahrraddemo hatten Bürgerinitiativen entlang der geplanten Ausbaustrecken aufgerufen. Ebenfalls mit im politischen Boot: Die „Tour de Natur“, die seit 1991 mit einer zweiwöchigen Radtour Themen aus der Verkehrs-, Energie- und Friedenspolitik aufgreift. 

Die Abschlusskundgebung, als „politisches Picknick“ deklariert, hatte den Charakter eines sehr friedlichen Happenings, war dabei allerdings klar in der Sache: Bis auf Herzebrock-Clarholz haben alle an den Ausbaustrecken liegenden Gemeinden Ratsbeschlüsse gegen den Ausbau gefasst. In Telgte war dieser Beschluss sogar einstimmig, wie betont wurde. Die Stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt, Tatjana Scharfe, fand klare Worte. Die jüngsten Katastrophenereignisse seien deutliche Folgen des Klimawandels, ein politisches Umdenken sei erforderlich. Dies sei „so wichtig für unser Leben, wie der nächste Atemzug“, so Scharfe. Inhaltlich passend folgte an dieser Stelle eine Gedenkminute für die Opfer der Katastrophen. 

Thomas Lins, Vorsitzender des VCD-Regionalverbandes Münsterland, nannte die Verkehrspolitik der letzten 20 bis 30 Jahre „gnadenlos gescheitert“. Es sei nicht gelungen, den Verkehr auf die Schiene zu verlagern und noch immer koste der Straßenverkehr pro Jahr nachweislich rund 3000 Menschenleben. Alle Redner untermauerten ihre Argumente mit Zahlen und stellten die Sinnhaftigkeit der aktuellen Planungen infrage. Häufiger und lautstarker Applaus bewies, dass sich Redner und Zuhörer weitestgehend einig waren. 

Der für die Demonstration zuständige Leiter der Polizeiwache Warendorf, Erster Polizeihauptkommissar Ludwig Austermann, sprach von zirka 200 aus Münster angereisten Radlern, somit weniger als ursprünglich angemeldet, sowie 350 Radlern aus dem Osten von Telgte und damit viel mehr als geplant. Vorkommnisse seien keine zu verzeichnen gewesen. Im Gegenteil, wie Austermann lachend feststellte: „Ich habe selten einen Einsatz gehabt, bei dem sich so viele Leute bedankt haben, dass wir da waren.“ 

Ideengeber für die Fahrraddemo war die „Tour de Natur“, bei der alljährlich rund 100 umweltbewegte Menschen auf verschiedene ökologische Problemgebiete hinweisen.

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