Telgte: 1200 Menschen hoffen auf Frieden



Zu einer Friedensdemo hatte ein breites Telgter Bündnis aufgerufen - 1200 Menschen setzten ein eindrucksvolles Zeichen der Solidarität.

Zu einer Friedensdemonstration und Mahnwache hatte ein breites Bündnis aus den Telgter Ratsfraktionen und zahlreichen Vereinen aufgerufen. Nach Angaben der Veranstalter waren 1200 Menschen dazu gekommen, um ihre Solidarität mit der Ukraine zu zeigen. Bei einer abschließenden Kundgebung vor dem Rathaus versammelten sich die Bürger aller Generationen. Foto: Manouras

Telgte (jus) - Es war ein Moment mit Gänsehautgarantie: Hunderte Menschen schweigen, werden ganz still und senden einen Wunsch in die Welt hinaus, der alle auf dem Telgter Rathausvorplatz verbindet. Es ist der Wunsch nach Frieden. 

„Aus der Stille erwächst vielleicht Frieden“

Pastoralreferent David Krebes hatte die Menschen, die sich am Montagabend zur Friedenskundgebung anlässlich des militärischen Angriffs Russland auf die Ukraine versammelt hatten, aufgefordert, einen Moment innezuhalten und der bereits zu beklagenden Opfer zu gedenken. „Aus der Stille erwächst vielleicht Frieden“, erhoffte sich Krebes, der „um Boten des Friedens“ bat, denen „kein Weg zu mühsam oder zu weit ist“ damit „die Waffen schweigen“. 

Menschen gehen für Frieden auf die Straßen

Der Krieg in der Ukraine bewegt die Menschen so sehr, dass sie vielerorts auf die Straßen gehen, um für Frieden und eine friedliche Lösung des Konflikts zu demonstrieren. So auch am Montagabend in Telgte. Aufgerufen zur öffentlichen Solidaritätsbekundung mit dem ukrainischen Volk hatte ein breites Bündnis verschiedener Vereine und Verbände, der Kirchengemeinden und der Politik. Nach Angaben der Veranstalter waren rund 1200 Menschen gekommen, um ein eindrucksvolles Zeichen für den Frieden und gegen den Krieg zu setzen. Das ist ihnen gelungen. 

Hunderte ziehen durch die Stadt zum Rathaus

Schon weit vor dem Beginn der Veranstaltung hatten sich Hunderte auf dem Marktplatz eingefunden, um mit Plakaten, Kerzen und Transparenten ausgestattet, über die Steinstraße und das Baßfeld bis zum Rathaus zu ziehen. Die dominierenden Farben waren die ukrainischen Nationalfarben blau und gelb. Einige Kinder skandierten laut „Stoppt den Krieg“ und „Frieden überall“. 

„Krieg darf niemals ein Mittel der Politik sein.“

Bei der Abschlusskundgebung vor dem Rathaus ergriff Bürgermeister Wolfgang Pieper als Erster das Wort. Er lobte den Mut und die Zivilcourage derer, die weltweit auf die Straßen gehen, um Frieden zu fordern – auch in russischen Städten. „Dieser Angriffskrieg ist kein Krieg des russischen gegen das ukrainische Volk. Es ist der Krieg des Autokraten Wladimir Putin und seines Systems.“ Der russische Präsident habe den Schlüssel in der Hand, zum Frieden zurückzukehren. Denn: „Krieg darf niemals ein Mittel der Politik sein.“ 

Waffenlieferungen erschüttert die Haltung vieler

Dass Deutschland nun doch Waffen in die Ukraine liefern will, habe die Haltung vieler Menschen erschüttert – auch die Piepers. Doch ihm, der in den 1980er-Jahren auf großen Demonstrationen gegen Waffen und Wettrüsten protestiert habe, fallen in der derzeitigen Situation keine Argumente ein, der ukrainischen Bevölkerung etwas vorzuenthalten, um sich verteidigen zu können. Pieper warnte vor dem Einstieg in eine gefährliche Logik: „Wenn wir uns daran gewöhnen und das Recht des Stärkeren tolerieren, ist das der Abschied von der Diplomatie und friedlicher Konfliktlösungen.“

Kein Mittel gegen Tyrannen und Diktatoren

„Es gibt kein Mittel gegen Tyrannen und Diktatoren“, stellte Pfarrerin Sabine Elbert (evangelische Kirchengemeinde) ernüchtert in ihrer Ansprache fest. „Unsere Möglichkeiten sind begrenzt, wir können aber in Gedanken und Worten Widerstand leisten“, ermunterte sie und verbreitete die Hoffnung, dass Gebete die Kraft der Veränderung haben. 

24. Februar einer der dunkelsten Tage

Emotional wurde es, als Dr. Irina Krasnova, Vorsitzende des Fördervereins Stupino-Telgte, das Wort ergriff. Ihre Mutter stammt gebürtig aus der Ukraine, sie selbst ist in Kasachstan multinational aufgewachsen. Was derzeit in der Ukraine passiere, verschlage ihr immer noch die Worte. „Der 24. Februar 2022 ist einer der dunkelsten und düstersten Tage in der Geschichte Europas und der Welt des neuen Jahrtausends.“ 

Geschwister der slawischen Familie schießen aufeinander

An diesem Tag sei die Welt stehengeblieben und habe sie sprachlos zurückgelassen. Unfassbar sei, dass „Geschwister der slawischen Familie aufeinander schießen. Was wird mit uns passieren? Wir können nicht so tun, als wäre nichts gewesen.“ Krasnova erinnerte an die Gründung des Fördervereins Anfang der 1990er-Jahre, der die Städtepartnerschaft zwischen Telgte und dem russischen Stupino in den Blick genommen habe, als der Eiserne Vorhang fiel und die Hoffnung auf Weltfrieden groß wurde. 

Bevölkerung nicht mit randalierenden Tyrannen gleichsetzen

Sie warnte und bat darum, die russische Bevölkerung nicht mit Putin, dem „randalierenden Tyrannen“, und seinen Gefolgsleuten gleichzusetzen. Denn: „Auch unsere Freunde in Stupino sind zutiefst entsetzt über den Krieg und die Vorgänge in der Ukraine.“ Derzeit sei nicht daran zu denken, die Arbeit des Fördervereins unter diesen Umständen fortzusetzen, betonte die Vorsitzende. „Erst muss der Krieg enden.“ 

Hoffnung für die Zukunft

Mit einem Funken Optimismus blickte sie in die Zukunft: Die Brücke der Völkerverständigung, die derzeit zerstört sei, könne wieder aufgebaut werden.

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