Ab auf die digitale Überholspur in Lippetal


Besonders für kleine Orte ist schnelles Internet wichtig, um nicht abgehängt zu werden. In Lippetal geht es jetzt voran.

Jetzt wird’s bunt: Zahlreiche Streusiedlungen und Einzellagen in Lippetal werden künftig Highspeed-Internet haben. Gerade für ländliche Regionen ist das wichtig, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Lippetal (gl) - Die Gemeinde Lippetal steht kurz vor dem Sprung auf die digitale Überholspur. Nachdem größere Orte an das Highspeed-Netz der Deutschen Telekom und das TV-Kabelnetz der Vodafone angeschlossen sind, bekommen jetzt die abgelegenen Einzellagen die digitale Überholspur freigeschaltet. 

Und das zu einem Preis, der die Gemeinde kaum belastet. Ein Blick auf die Landkarte lässt die Augen von Matthias Lürbke leuchten: Vor allem im Norden der Gemeinde Lippetal sind dutzende von Flächen grau markiert. Hier werden demnächst Bauarbeiten stattfinden, damit die Bewohner digital auf der Höhe der Zeit sind. Möglich macht das eine vom Kreis Soest koordinierte Aktion, bei der sämtliche Städte und Gemeinden eingebunden sind. 

Christoph Hellmann als „Gigabit-Koordinator“ für den Kreis Soest erklärt, wie das geht. „An Stellen, wo der privatwirtschaftliche Markt nachweislich versagt, dürfen wir mit Bundes- und Landesfördermitteln agieren. Allerdings nur dort, wo die bisherige Datengeschwindigkeit 30 Megabit pro Sekunde unterschreitet. Das trifft auf die vielen Einzellagen in Lippetal zu.“ Von Zuwegungen von bis zu fünf Kilometern Länge in Einzelfällen berichtet Hellmann. Und davon, dass so ein kostspieliges Projekt ohne Förderung undenkbar wäre. Eben diese Förderung hat der Kreis und damit die Gemeinde aber jetzt gesichert. Im so genannten „6. Aufruf“ fördern Bund und Land den Breitbandausbau mit insgesamt 90 Prozent der Kosten: Für Lippetal bleibt nur der kleine Rest von zehn Prozent übrig. „Wir sind stolz, dass wir das hinbekommen haben“, sagt Christoph Hellmann. 

Damit spricht er Matthias Lürbke aus dem Herzen. „Wir sind in der Gemeinde Lippetal bei diesem Projekt am meisten betroffen. Wir haben rund 440 Liegenschaften. Für die brauchen wir 170 Kilometer Leitungslänge.“ Und angesichts der Finanzierung meint er: „Das ist eine einmalige Chance, ein hervorragendes Projekt“. Gar von einem „Segen für die Gemeinde“ spricht der Bürgermeister. Klar: Die Rand- und Einzellagen sind unattraktiv für die privaten Anbieter. Im Gegensatz zu den größeren Orten, wo die Telekom und Vodafone sich beim Ausbau Gewinne versprechen, wäre der Anschluss in abgelegenen Lagen ein Zuschussgeschäft. So hat die Telekom sich den Ausbau vor allem in Lippborg und Herzfeld auf die Fahnen geschrieben. Vodafone hat sich im Süden der Gemeinde jenseits der Lippe engagiert. Schon in den nächsten Wochen werden die Bauarbeiten losgehen. Abschnitt für Abschnitt soll ausgebaut und dann direkt freigeschaltet werden. Die Kosten kreisweit belaufen sich auf rund 115 Millionen Euro. In der Gemeinde Lippetal sind im Finanzplan für die Jahre 2021 bis 2024 jährlich 380 000 Euro für den Eigenanteil beim Ausbau veranschlagt, insgesamt also rund eineinhalb Millionen Euro. Die letzten Anschlüsse in der Gemeinde sollen 2024 online sein.

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