Brot könnte in Lippetal teurer werden


Steigende Energiekosten, teure Rohstoffe und der Mindestlohn: Heimische Bäcker haben es schwer, an bestehenden Preisen festzuhalten. 

Mehl, Zucker, Rosinen: Für leckere Backwaren sind diverse Rohstoffe und viel Handarbeit erforderlich. Vera Christiani von der gleichnamigen Bäckerei in Oestinghausen bestätigt, dass die steigenden Kosten Preiserhöhungen nach sich ziehen könnten.

Lippetal (gl). „Kosten Brötchen bald mehr als einen Euro?“ – Schlagzeilen wie diese konnte man in letzter Zeit häufiger lesen. Von solchen Aussagen halten die hiesigen Bäckereibetriebe allerdings gar nichts. „Die Glocke“ hat sich bei ihnen umgehört. Vor allem wolle man die Kunden nicht verschrecken, erklären viele Bäcker. Die Entwicklung der Betriebskosten und der Preise seien allerdings nicht zu verleugnen.

Vorräte werden wichtiger

 Vera Christiani von der gleichnamigen Bäckerei in Oestinghausen berichtet, dass sie für die Zeit ab November über Preiserhöhungen nachdenkt. Aber: „Die Schlagzeile ,Ein Euro fürs Brötchen’ halte ich für übertrieben.“ Steigende Rohstoff- und Energiepreise und höhere Personalkosten träfen aber auch ihre Bäckerei mit 18 Mitarbeitern. Hinzu komme eine allgemeine Knappheit: „Letzte Woche konnten wir keinen Zucker kriegen.“ Und sei das Heizöl für den Backofen bisher von einem auf den nächsten Tag zu bekommen gewesen, gebe es die nächste Lieferung jetzt frühestens Ende November. Gut gefüllte Vorräte würden wichtiger.

Betriebe haben mit Preisdruck zu kämpfen

 Auch Susanne Goldstein bestätigt den zunehmenden Preisdruck für die Betriebe. So sei der Mehlpreis zuletzt gestiegen. Auswirkungen erwartet sie womöglich bei den Personalkosten, vor allem, wenn die neue Bundesregierung den Mindestlohn auf zwölf Euro hochsetzen sollte. Preiserhöhungen sind für die Lippborger Bäckerei Goldstein derzeit aber kein Thema. Zu berücksichtigen sei auch die Lage eines Betriebs, und die Bindung zu den Kunden. Auch habe es erst im Juli eine Preissteigerung gegeben. Darüber hinaus will die Chefin von zehn Mitarbeitern zunächst abwarten. Susanne Goldstein: „Im nächsten Jahr sieht es vielleicht schon wieder ganz anders aus.“ 

„Mehlpreise gehen unter die Decke“

Hildegard Lippling bestätigt die anziehenden Rohstoffpreise ebenfalls: „Die Mehlpreise gehen unter die Decke.“ Gleichwohl müssten die Backwaren für die Kunden bezahlbar bleiben. Preiserhöhungen sind in dem Lippborger Betrieb mit 30 Mitarbeitern im Moment nicht geplant. Das Thema beschäftigt die Bäckerei Lippling aber ebenfalls.

„Gute Handwerksarbeit kostet mehr“

Bernd Voschepoth von Bäckerei und Café Twin  in Herzfeld sieht die Preissteigerungen bei den Rohstoffen eher gelassen. Dass einzelne Sachen teurer würden, habe es immer wieder gegeben, mal seien es die Mandeln, mal die Walnüsse, je nachdem, wie die Ernte ausgefallen ist. Steigende Energiekosten seien hingegen nicht nur für die Handwerksbetriebe, sondern auch für die Bürger an sich ein Thema. Dass die Personalkosten steigen, auch weil es immer weniger Fachkräfte gibt, sei grundsätzlich aber sogar zu begrüßen, schließlich gehe es auch darum, dass sich der Job für die Mitarbeiter verdient macht. Voschepoth setzt daher darauf, dass einige der Kostensteigerungen wegen der Schwankungen wieder sinken. Moderate Preiserhöhungen wegen höherer Löhne werde es aber wohl geben. „Dass gute Handwerksarbeit etwas mehr kostet, ist ein Gedanke, der in der Gesellschaft noch weiter reifen wird“, sagt Voschepoth. Der Schlagzeile von einem Euro fürs Brötchen begegnet er übrigens mit einer Gegenfrage: „Welches Brötchen ist denn gemeint: Das Körner- oder das Käsebrötchen oder ein ganz einfaches?“ 

Preisindex steigt

Zum Hintergrund: Während es zwischen August 2019 und Dezember 2020 bei den Preisen für Brot und Getreideerzeugnissen ein relativ mäßiges Auf und Ab gab, steigen die Indizes seither deutlich. Lag der Anstieg im Oktober 2020 gegenüber dem Jahr 2015 (Index 100) noch bei 105, kletterte der Preisindex laut statista.com bis August 2021 auf 109,7. Gegenüber 2015 wurden Brot und Backwaren somit um etwa zehn Prozent teurer, Tendenz steigend.

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