Denkmal erinnert an Eisenbahn im Dorf


Lippetal-Oestinghausen (gl). Lang ist es her, dass eine Eisenbahn in Oestinghausen im Norden von Soest fuhr. Dabei war der Ort im südlichen Lippetal lange eine Station auf der Strecke von Soest nach Hamm gewesen, hatte da sogar eine gewisse Bedeutung.

Zwei Achsen, ein kleines Stück Gleis und ein Stein mit einer Info-Tafel erinnern daran, dass es in Oestinghausen einmal einen Bahnhof gab. Eine Kleinbahn fuhr über fünf Jahrzehnte von Soest Richtung Lippborg und Hovestadt

 Immerhin war im Ahse-Dorf ein viergleisiger Verteilerbahnhof mit Abzweig nach Hovestadt gebaut worden.Das war Ende der 19. Jahrhunderts. Im Jahre 1898 war von der Kleinbahnen-GmbH der „Ruhr-Lippe“ eine Kleinbahn mit der Spurbreite von 1000 Millimetern gebaut worden – mit einem Teil der Strecke eben in Oestinghausen. Dafür eingesetzt hatte sich der damalige Amts-Bürgermeister Heinrich Weichmann, erklärt Ortsheimatpfleger Gerd Oeding. Die Strecke führte von Neheim nach Hovestadt. Weichmann sei es darum gegangen, die ländlichen Gebiete zu erschließen und da natürlich auch das damalige Amt Oestinghausen sowie den nördlichen Kreis Soest.

„Steine von Bertram – der Betrieb hatte ein eigenes Ladegleis – Lippesand, Zuckerrüben und Düngemittel“, zählt Oeding einige wichtige Dinge auf, die mit der Kleinbahn in einem eher gemächlichen Tempo transportiert wurden. „Die fuhr 33 Kilometer in der Stunde“, so der Ortsheimatpfleger aus Oestinghausen. Eine Strecke führte von Soest über Oestinghausen nach Hovestadt, die andere weiter Richtung Hultrop bis nach Heintrop, wo noch ein Bahnhof steht. „Die Kleinbahn hatte die Schmalspur von einem Meter, ab Heintrop ging es mit der Bundesbahn weiter“, so Oeding – das Gleis hatte von da an eine Breite von 1,345 Metern, führt er weiter aus.

Zwischen Heintrop und Hamm fährt heutzutage noch regelmäßig eine Museumseisenbahn, genannt „Pengel-Anton“. In Oestinghausen gab es den erwähnten viergleisigen Verteilerbahnhof, dessen marodes Bahnhäuschen 2008 abgerissen wurde. „Da gab es ein Bahnwärterhäuschen, einen Wartesaal und eine Gepäckaufbewahrung“, erinnert Oeding an alte Zeiten am Kleinbahnhof im Ahse-Dorf. Die Fahrkarten seien bei Vogt und Sauerland ausgegeben worden, beides Gebäude in der Nähe der Kirche und des Bahnhofes.

1954 wurde die Strecke schließlich stillgelegt, so Oeding. Lkw und Busse hätten die Kleinbahn überflüssig gemacht. So sei die Bahn wirtschaftlich nicht mehr tragbar gewesen. Zuvor hatte die Kleinbahn mit ihren Dampfloks auch den zweiten Weltkrieg überstanden. „Überall, wo es gedampft hat, wurde bombardiert“, führt Oeding aus. Im Krieg sei dabei nur bis zur Haltestelle „Rottlinde“ gefahren worden. „Ab da mussten die Menschen zu Fuß weiter nach Soest.“ Und auf dem Rückweg natürlich auch auf Schusters Rappen zurück zur Rottlinde, ehemals eine Gaststätte an der Oestinghauser Landstraße. Am nun ehemaligen alten Bahnhof wurde ein Denkmal errichtet.

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