Fahrradverkehr: Anträge in Lippetal vom Tisch


Nicht jeder ist der Meinung, dass der Fahrradverkehr genau beobachtet werden sollte, um den Autoverkehr zu verringern.

Wie geht es mit dem Fahrradverkehr in Lippetal weiter? Die Ratsfraktionen der Gemeinde haben da auch mit Blick auf die jüngsten Fahrradfahrer unterschiedliche Meinungen. Symbolfoto: dpa

Lippetal (gl) - Mit 19 zu 10 Stimmen von CDU und SPD und Bürgermeister wurden im Rat der Gemeinde Lippetal zwei Anträge von BG, FDP und Grünen abgelehnt, die eine Betrachtung des Fahrradverkehrs bei allen Baumaßnahmen vorsehen und für eine Verringerung des motorisierten Individualverkehrs eintreten. Für CDU und SPD ging insbesondere die Forderung nach weniger Autos vorläufig zu schnell und zu weit. 

„Kein Nachteil auf dem Land“

„Das Leben auf dem Land darf für die Bürger kein Nachteil sein“, formulierte Fraktionschef Tobias für die CDU. Nillies und SPD-Fraktionschef Herbert Schenk sprachen sich jedoch für eine Verbesserung beim Fahrradverkehr in Lippetal aus. Die Realität sei jedoch, dass bisher noch zahlreiche Kinder auf dem Weg zur Arbeit von den Eltern mit dem Auto zur Kita oder zur Schule gebracht würden. Eltern werde zudem empfohlen, ihre Kinder erst nach der „Fahrrad-Führerscheinprüfung“ alleine mit dem Rad zur Schule fahren zu lassen. Auch reiche der öffentliche Nahverkehr nicht aus, um den Individualverkehr zu ersetzen. 

Weiterhin sei die Gemeinde bei vielen Straßen nicht der Baulastträger und könne somit gar nicht alleine entscheiden. Zum Thema Planung von Radwegen und Stellplätzen verwies auch Bauamtsleiterin Elisabeth Goldstein darauf, dass sichere und ausreichende Stellplätze für Fahrräder für das Bauamt bei Planungen eine Selbstverständlichkeit seien. 

Widerspruch der Antragssteller

Heftiger Widerspruch der antragstellenden Fraktionen war die Reaktion. Conny Kessler von den Grünen erklärte, dass es heute für Eltern kein Problem sei, Kinder auf dem Fahrrad zur Schule zu bringen. Werner Sander (BG) kritisierte, dass der Fahrradverkehr beim jüngsten Verkehrsgutachten in der Schulstraße nicht betrachtet worden sei und auch Steffi Hoffmann (FDP) wies darauf hin, dass immer mehr Lastenräder unterwegs sind. An den Kitas könne man heute schon beobachten, dass sich die Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bringen und jene, die mit dem Lastenrad anfahren, teils in die Quere kommen. Justus Oexmann (FDP) forderte, dass bei Verkehrsgutachten immer auch der Fahrradverkehr mit betrachtet werden solle. Wiebke Mohrmann (Grüne) wünscht gute Zuwegungen und sichere Abstellplätze und ganz allgemein die Gleichstellung von Fahrradverkehr und Kraftfahrzeugen. 

Thema im Blick behalten

„Warum hört der Radweg eigentlich auf?“, zitierte Herbert Schenk (SPD) das ZDF-Magazin Royale und Moderator Jan Böhmermann, der sich in der Vorwoche ebenfalls mit dem Thema Fahrrad und Verkehr befasst hatte und fordert, die Straßen und Wege in Stadt und Land nicht mehr priorisiert auf das Auto auszurichten. Schenk sagte, das Thema solle in der Gemeinde Lippetal weiter beobachtet und behandelt werden, auch wenn die Ansinnen der Antragsteller vorerst in der vollen Tragweite abgelehnt würden. 

Lippetals Bürgermeister Matthias Lürbke baute Brücken, indem er den Antragstellern indirekt empfahl, ihre kurzfristigen Anträge im Rat zurückzuziehen, um sie in die zuständigen Ausschüsse zu verweisen. Auch der Hinweis auf Anträge zur Geschäftsordnung, um dieses zu erreichen, wurden von BG, FDP und Grünen nicht genutzt. So blieb am Ende die Abstimmungsniederlage und die zukunftsträchtigen Anträge, die mit einer Kompromisslösung Zustimmung hätten finden können, sind vom Tisch.

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