Idyllischer Hof in Lippetal wird bald zum „KlinkerKiez“


Ein Kiez mitten in Lippetal? Das ist die Vision zweier Schwestern. Der soll gemeinschaftliches Wohnen und Arbeiten ermöglichen.

Die Gebäude des Hofes sollen für das Co-Living-Konzept ausgebaut werden.

Lippetal (gl) - Trotz der Stille wirkt der große Hof idyllisch. Ein paar Lagerhallen reihen sich aneinander, die grünen Flügeltüren des Anwesens sind ein Hingucker. Das gut 30 Hektar große Anwesen soll bald mit Leben gefüllt werden. Das wollen die Schwestern Franziska und Maximiliane Bertram in Angriff nehmen. Der gesamte Hof befindet sich seit langer Zeit im Familienbesitz und besteht aus einer ehemaligen Ziegelei mit 350-jähriger Tradition und einem landwirtschaftlichen Betrieb. Franziska und Maximiliane Bertram wollen mit dem Projekt „KlinkerKiez“ Urbanität nach Lippetal holen. 

Zugehörigkeitsgefühl in der Gemeinschaft

„Wir suchen Menschen, die die gleiche Vision haben und zusammen leben und arbeiten wollen“, erzählt Franziska Bertram. Der Projektname „KlinkerKiez“ leitet sich vom ehemaligen Klinkerwerk ab. Der Kiez steht hierbei für einen Stadtteil mit identitätsstiftendem Zugehörigkeitsgefühl in der Gemeinschaft. 

Mehrere Konzepte geplant

Mit mehreren Konzepten sollen Menschen angesprochen werden. Eines davon ist das Co-Working. Dies ist in großen Städten bereits eine sehr bekannte Methode des „alleine und doch zusammen Arbeitens“. Es werden große und kleine Büros voll ausgestattet, und zeitlich flexibel an einzelne Personen oder kleine Teams vermietet. „Das können beispielsweise Ateliers, Start-Ups oder kleine Unternehmen sein“, sagt Maximiliane Bertram. Co-Working ermögliche das Arbeiten in Gemeinschaft und schaffe den Zugang zu Netzwerken, Begegnungen, Austausch und Unterstützung. Durch die Nähe zu fachfremden Kollegen ergeben sich neue Ideen und Synergien. Durch dieses Konzept gibt es Ansprechpersonen für verschiedene Fachgebiete in direkter Nähe. 

Idealer Standort

Das Co-Working soll in den Hallen der alten Ziegelei umgesetzt werden. Die 4000 Quadratmeter große Fläche ist überdacht, und besteht aus mehreren Hallen. Auch der Standort sei ideal. „Mit Glasfaseranschluss ist eine gute Internetanbindung gewährleistet – mit direkter Lage an der Landstraße zwischen Oestinghausen und Hovestadt, zwei Autobahnen in 15 Autominuten und einer Bushaltestelle in 300 Metern Entfernung ist der KlinkerKiez schnell und unkompliziert erreichbar“, erklärt Franziska Bertram.

Gemeinsames Leben auf dem Bauernhof

 Ein weiterer Aspekt ist das Co-Living. Es ist ein vielfältig ausprobiertes Gemeinschaftswohn-Konzept. Es sollen mehrere Generationen auf dem Bauernhof zusammenleben. „Der ungenutzte Raum soll zu Wohnungen ausgebaut werden“, erklärt Franziska Bertram. Es würden Menschen gesucht, die in einer Gemeinschaft leben wollen. „Das können Singles, Paare, Senioren, Familien, WG’s und viele mehr sein“, erzählt Maximiliane Bertram. Die Schwestern sind sich einig: Es soll der Grundsatz gelten „Jedem das Seine und alle zusammen“. Auf dem Hof soll naturnahes Wohnen möglich sein. Auch ein Spielparadies soll es geben. „Wir hoffen, dass wir das Konzept, in dem Menschen gemeinsam wohnen, den Menschen im Kreis Soest näherbringen“, sagt Franziska Bertram. 

Solidarische Landwirtschaft

Der Hof soll jedoch nicht nur für Co-Living genutzt werden, sondern auch für Co-Farming. Ein Teil der landwirtschaftlichen Flächen soll hierbei alternativ und ökologisch unter den Gesichtspunkten der Permakultur bewirtschaftet werden, und der Selbstversorgung dienen. Das Prinzip einer solidarischen Landwirtschaft (Solawi) ist geplant. „Solawi bedeutet, dass gemeinsam Obst, Gemüse und vieles mehr angebaut, und anschließend bei der Ernte auch geteilt wird“, erklärt Franziska Bertram. Gemüsebeete und eine Blumenfläche sind bereits vorhanden. Es werde somit eher in die ökologische Richtung agiert. „Es gibt ein Pilotprojekt in Kooperation mit dem Lebensgarten in Soest. Unter den Richtlinien der Permakultur wird Gemüse angebaut.“ Auch Tiere sollen auf dem Hof einziehen, die aber nur teilweise landwirtschaftlichen Zwecken dienen. Das Spektrum des Mitmachens kann variieren. „Die Interessenten können Co-Working, Co-Living und Co-Farming variabel für sich kombinieren, oder aber auch nur einen Schreibtisch mieten oder ihr Kind eines Tages zur Wochenendbetreuung bringen. Sie können alle Bereiche wählen, die sie mögen“, erklärt Maximiliane Bertram. 

Projekt hat keine Frist

Die beiden Schwestern befinden sich derzeit noch in der Ideen-, Interessentenfindungs- und Planungsphase. Doch das Projekt kommt gut an. „Wir haben bisher viel positive Resonanz erfahren“, sagt Franziska Bertram. Es gebe bereits Interessenten aus allen Altersklassen. „Für das Projekt gibt es keine Frist. Wahrscheinlich ist das Projekt das, was ich die nächsten Jahrzehnte lang machen werde“, erzählt Maximiliane Bertram und lacht bei dem Gedanken. Beide freuen sich über weitere Interessenten, die ihre eigenen Ideen mit in den KlinkerKiez einbringen wollen. 

Interessierte können sich melden

Für Menschen, die sich ein gemeinsames Leben und Arbeiten in dem Projekt vorstellen können, bieten die beiden Schwestern Einzel- oder Gruppengespräche an. Interessenten können sich unter bertram@klinkerkiez.de melden.

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