Mittelalterliches Wrack aus Lippetal geht auf Reisen


Es war ein Sensationsfund 2019, das aus dem Mittelalter stammende Wrack aus der Lippe bei Lippetal. Nun geht es auf Reisen.

Dendro-Archäologe Dr. Thorsten Westphal benötigt zur weiteren Altersbestimmung gut sichtbare Jahrringe - wie sie hier gut erkennbar sind. Foto: LWL/A. Weil Helmbold

Münster/Lippetal (dpa/gl) - Um ein 2020 aus der Lippe in Lippetal-Herzfeld geborgenes Bootswrack aus dem Mittelalter zu erhalten, reist der bedeutsame Fund für mehrere Jahre nach Schleswig-Holstein. Das vor mehr als 850 Jahren gefällte Eichenholz soll im Museum für Archäologie Schloss Gottdorf konserviert werden, teilte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) mit.

Im Sommer 2019 entdeckt

„Dazu sind hohe und weite Räume mit großen Becken und Hebeeinrichtungen nötig“, erläuterte LWL-Chef-Restaurator Sebastian Pechtold am Dienstag in Münster kurz vor dem Abtransport der Bootsteile in einem 7,5 Tonner in den Norden. Sind die Planken konserviert, sollen sie zurückkehren und nach weiteren archäologischen Untersuchungen Bürgern und Bürgerinnen in Westfalen zugänglich gemacht werden, so der LWL.

Taucher hatten das historische Bootswrack im Sommer 2019 in der Lippe entdeckt. Mit schwerem Gerät und unter hohem Aufwand war es im Jahr darauf aus den Tiefen des Flusses geborgen worden und wird seither näher untersucht. So konnten Fachleute ermitteln, dass die Eichen zwischen 1132 und 1164 gefällt wurden. Moose, die als Dichtmasse zwischen den Fugen der einzelnen Planken eingesetzt worden waren, seien seinerzeit noch in Westfalen heimisch gewesen, was für den Bau des Bootes in der Region spreche.

Umfangreiche Konservierung vonnöten

Die Fachleute seien sich allerdings schnell einig gewesen, dass zum Erhalt des Wracks eine umfangreiche Konservierung notwendig sei, hieß es. „Der Fund des Wracks ist auch drei Jahre nach seiner Entdeckung immer noch hoch faszinierend und von großer Bedeutung für die Archäologie Westfalens. Wir werden in den kommenden Jahren noch viele Geheimnisse lüften können, denn die Forschungsarbeit hat gerade erst begonnen", sagte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.Werkstattleiter der Restaurierung Sebastian Pechtold und Prof. Michael Baales vom LWL erklären Details anhand einer Rekonstruktionszeichnung.

Unter anderem erhoffen sich die Archäologen weitere Informationen zur Baugeschichte des Lippeschiffs. Pollenanalysen könnten zudem Informationen dazu bringen, wie die botanische Welt vor rund 850 Jahren aussah, als die Eichen geschlagen wurden.

„Wo und wie das Wrack nach seiner Konservierung einmal ausgestellt werden wird, steht noch nicht fest. Sicher ist aber, dass es für die Westfalen und Westfälinnen zugänglich gemacht werden soll“, so Rüschoff-Parzinger.

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