Pflanzen und Tiere des Jahres in Lippetal


Jedes Jahr werden die „Jahreswesen“ von verschiedenen Institutionen gekürt. Welche es in Lippetal gibt, fand die Redaktion heraus.

Ein Schmetterling, der auffällt: Der Kaisermantel ist mit etwa sechs Zentimeter Flügelspannweite der größte europäische Perlmuttfalter. Foto: ABU

Lippetal (gl). Jedes Jahr werden die „Jahreswesen“ von verschiedenen Institutionen gekürt. Kaisermantel, kleine Pechlibelle, Rotbuche und Einbeere – diese Tiere und Pflanzen des Jahres 2022 finden sich auch in Lippetal.

Welche Arten gibt es in Lippetal?

Dr. Ralf Joest von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz in Sassendorf-Lohne (ABU) beschreibt den Kaisermantel als einen großen, auffälligen orangefarbenen Schmetterling: „Wegen der perlmuttfarbenen Streifen auf der Unterseite seiner Flügel wird er auch Silberstrich genannt“, sagt Joest. Der Kaisermantel ist mit etwa sechs Zentimeter Flügelspannweite der größte europäische Perlmuttfalter. „Er ist in lichten Laubwäldern, in denen das Tageslicht bis auf den Boden fällt, und an Waldesrändern anzutreffen und labt sich unter anderem an Disteln und Brombeeren sowie am Wasserdost. Das ist eine lila blühende Staude, die an feuchten Waldrändern wächst.“

Die Raupen des Kaisermantels sind echte Feinschmecker. Sie ernähren sich ausschließlich von wilden Veilchenblättern. Der Kaisermantel sei oft im Juli beziehungsweise im Hochsommer bei uns anzutreffen, weil er es warm mag. „Sie finden ihn dann zum Beispiel am Alpke-Alpbach, im Stockumer Holz und im Uentroper Wald“, sagt Joest, der den Falter wiederholt fotografiert hat. „Der Bestand ist bei uns stabil. Er lebt in lichten Laubwäldern.“

Was die Libelle besonders macht

Die kleine Pechlibelle ist „schwarz mit einem blauen Punkt am Hinterleib, streichholzgroß und damit die kleinste Libelle, die bei uns lebt“, weiß der Naturschützer. Sie sei angepasst an Pioniergewässer ohne Fischbestand, an denen sie ihre Larven sicher ablegen kann. „Die Libelle ernährt sich von kleinen Mücken, ihre Larven von Flohkrebsen“, berichtet Joest.

Pioniergewässer entstehen sporadisch durch Überschwemmungen, unter anderem an der renaturierten Lippe. Deshalb ist die kleine Pechlibelle „immer mal wieder in den Ahsewiesen und in den Lippewiesen zu finden. Die bei uns recht seltene Art profitiert von der Renaturierung der Bäche und Flüsse, weil in naturnahen Auen schon kleinere Hochwasser immer wieder günstige Lebensräume schaffen.“

Rotbuche schnell zu finden

Baum des Jahres ist die Rotbuche geworden. Luise Hauswirth von der ABU sieht in ihr „eine der häufigsten Baumarten hier. Sie wächst sowohl auf den sauren Böden im Südkreis, als auch - mit besonders artenreicher Krautschicht, auf den kalkhaltigen Böden nördlich des Haarstranges. Sie kann im Schatten anderer Baumarten heranwachsen und hat so einen enormen Konkurrenzvorteil in Mitteleuropa.“

Blume des Jahres 2022 ist die Einbeere. In manchen naturnahen Buchen-Mischwäldern der Börde findet sich die Einbeere, die mit ihrer bemerkenswerten Wuchs- und Blütenform erst auf den zweiten Blick als Liliengewächs erkennbar ist. „Sie bevorzugt feuchte oder staufeuchte Eichen-Hainbuchenwälder und Eichen-Buchenwälder der Börde“, weiß Luise Hauswirth. „Als Pflanze geschlossener Altwälder lockt sie im Mai nicht durch bunte Blütenblätter Bestäuber an, sondern präsentiert die pollentragenden Staubblätter offen dem Wind und den bestäubenden Fliegen. Zur Abwehr schädlicher Pilze hat die Einbeere Stoffe eingelagert, die für Mensch und Tier tödlich sein können.

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.