Roboter „Bella“ serviert in Lippetaler Saloon Kesseler


Neue Wege beschreitet der Saloon Kessler. In dem Lippetaler Gasthaus serviert neuerdings ein Roboter namens „Bella“

40 Kilogramm kann der Roboter des chinesischen Technologieunternehmens „Pudu Robotics“ transportieren, sagt Jörg Goldammer.

Lippetal (gl) - Sogar Witze erzählen und Geburtstagslieder singen kann der neue Mitarbeiter im Saloon Kessler. Entertainment ist aber nur das Eine, was Servierroboter „Bella“ auf dem Kasten hat. Von Tisch zu Tisch zu fahren und dabei Getränke und Gerichte zu servieren, das Andere.

Roboter kann 40 Kilo tragen

40 Kilogramm kann der Roboter des chinesischen Technologieunternehmens „Pudu Robotics“ maximal durch den überdachten Bereich des Saloon Kesseler transportieren. Dabei erkennt er eigenständig Hindernisse und weiß genau, wo welcher Tisch steht.

An der Decke befestigte Orientierungspunkte helfen Bella, sich zurechtzufinden. Diese mussten von einem Fachmann angebracht werden. Das Be- und Entladen erfolgt von menschlicher Hand. Ansonsten manövriert der helfende Roboter allein im Saloon umher und bedient die Gäste.

Überwiegend Zustimmung bei Gästen

Klar gäbe es auch Kritiker, „überwiegend finden sie es allerdings gut“, berichtet Inhaber Jörg Goldammer darüber, wie der Roboter bei den Besuchern ankommt. „Ich appelliere an die Gäste, das zu unterstützen.“

Bestellung per Handy

Man könne es doch einfach mal ausprobieren, sagt Goldammer in Bezug auf den Roboter, aber auch auf die weiteren Neuerungen in seinem Saloon, die aufgrund der bekannten branchenweiten Personalnot seit dem Corona-Jahr 2020 eingeführt wurden. So könnten die Besucher nicht nur wie gewohnt mit der analogen Speisekarte bestellen, stattdessen sei es auch möglich, die Karte per QR-Code am Handy zu öffnen und so direkt sein Wunschgericht und -getränk auszuwählen. Die Bestellung werde direkt an die Küche übertragen. Dadurch würden den Kellnern Wege erspart.

Die bestellten Speisen werden dann entweder von einem Kellner an den Tisch gebracht, oder sie werden von Roboter Bella geliefert. Alternativ könne man sich seine Bestellung auch selbst abholen.

Information über Pager

Um zu erfahren, wann die bestellte Speise abgeholt werden kann, gibt es einen sogenannten Funkmeldeempfänger – auch Pager genannt. Das kleine Funkgerät piept, sobald die Bestellung zum Abholen bereit ist.

In der Anschaffung kostete der Servierroboter 17 500 Euro, berichtet Goldammer. Mit den Pagern, einer neuen Kasse und „mit allem Drum und Dran“ komme er auf insgesamt 35 000 Euro Investitionskosten.

Zwei Kellner plus Aushilfskräfte

Aktuell beschäftigt Goldammer zwei festangestellte Kellner. In der Küche steht Ehefrau Ute Goldammer, sie wird von einer Aushilfskraft unterstützt. Auch das Serviceteam bekomme Hilfe von Aushilfskräften. Schließlich müssen 70 Tische bedient werden.

Gesucht werden festangestellte Kellner und Köche. Kellner bekommen zusätzlich zu Trinkgeld und Zuschlägen einen festen Stundenlohn von 17 Euro zugesprochen, Köche sogar 24 Euro.

Steigende Kosten bereiten Sorgen

Auch die steigenden Kosten bereiten Goldammer Sorgen. „Seit dem Ukraine-Krieg sind die Preise für die Waren in die Höhe geklettert. Manche Produkte sind gar nicht mehr lieferbar“, sagt er. Der Roboter sei eine Arbeitserleichterung für die Kellner. Trotzdem sagt Geschäftsführer Goldammer: „Ich arbeite nach wie vor lieber mit Personal, um die Gäste im Biergarten auch persönlich zu bedienen.“ Das sei aber ohne ausreichend Personal nicht immer möglich.

Gastronom Willenbrink kritisch

Josef Willenbrink, Inhaber des Gasthofes Willenbrink in Lippborg, schließt einen Bedienroboter, wie er im Saloon Kesseler eingesetzt wird, für sich und sein Haus aus. „Natürlich gibt es immer mal wieder Engpasssituationen, weil auch mal jemand krank ist“, sagt er zum Thema Personalnot. Aber „wenn ich hier reinkomme, möchte ich nicht von einem Roboter bedient werden“, äußert sich Willenbrink weiter. „Die soziale Komponente, die Gespräche sind uns wichtig. Das kann kein Roboter“, führt er fort. Nach Personal sucht der Gasthof zwar auch händeringend, mit fünf Kellnern und drei Köchen für 17 Tische ist die Situation aber entspannter als im Saloon in Kesseler.

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