Schlachten ohne Stress für die Tiere


Lippetal-Herzfeld (gl) - Das erste Tier, das Besucher auf dem Hof sehen, ist ein stolzer Pfau, leider Single. Seine Henne hat der Fuchs geholt, erzählen Wilczeks. Frank und Elisabeth Wilczek wohnen mit Tochter Ida Luise direkt neben dem Schlachthaus -genauso wie die hellbraunen Limousin-Rinder.

Elisabeth und Frank Wilczek haben die Hofschlachterei an der Beckumer Straße in Herzfeld im Jahr 1988 übernommen.

Die werden von der Familie gezüchtet. Dabei kommen die Kühe und Kälber nur zum Füttern herein und verbringen viel Zeit auf der Wiese. Nur die Bullen müssen sich mit dem Stall begnügen. Seit fast 50 Jahren gibt es die Hofschlachterei Wilczek in Herzfeld. Elisabeth Wilczeks Vater hatte die Schlachterei 1972 eröffnet. „Mein Mann und ich haben sie 1988 übernommen.“

Elisabeth Wilczek ist Metzgermeisterin, Frank Wiczlek Metzger und Bäcker. Tochter Ida Luise macht gerade eine Ausbildung zur Landwirtin. Sie kann sich vorstellen, den Hof einmal zu übernehmen. Aktuell wird bei Wilczeks zweimal pro Woche geschlachtet –montags die Großtiere, donnerstags Geflügel aller Art. „Es ist viel geworden“, findet die Metzgerin. Wilczeks beschäftigen zwei Mitarbeiter und können sich über Arbeitsmangel nicht beklagen: An einem Schlachttag werden bis zu sechs Rinder und zwölf Schweine geschlachtet. In aller Ruhe und stressfrei. Die Tiere, die für die Schlachtbank angeliefert werden, steigen vom Transporter direkt in eine enge Vorrichtung draußen vor dem Schlachthaus, wo sie schließlich einzeln gekeult werden. Fleisch von gestressten Tieren will Frank Wilczek nicht verarbeiten. Das erkenne man unter anderem daran, dass es beim Braten in der Pfanne schrumpft und viel Wasser abgibt.

Wilczeks sind Bauern im Nebenerwerb, schlachten, zerlegen und portionieren Fleisch, betreiben einen Partyservice und einen Hofladen. „Wir haben Ammenkühe (die geben ihre Milch nur an ihre Kälber ab), einen Zuchtbullen und weitere junge Bullen“, gibt Frank Wilczek einen Einblick in den Hofalltag. Seine Rinder sind französische Limousins, die bekannt sind für ihr feinfaseriges, zartes Fleisch. Wilczeks schlachten und vermarkten ihre eigenen Rinder und Kälber sowie – übers Jahr verteilt – auch die eigenen Gänse und anderes Geflügel. Nur die Schweine und das Wild werden dazugekauft: „Rehe und Wildschweine beziehen wir von einem älteren Jäger aus dem Ort.“

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