Schwestern haben in Lippetal Spuren hinterlassen


Im Rahmen der Ida-Woche gratuliert die Gemeinde jetzt zum 75-jährigen Ordensjubiläum in Herzfeld. Ein Besuch im Vorfeld.

Im Ruhestand: Liboria (links) und Anuntiata sprechen von ihrer aktiven Herzfelder Zeit als der schönsten ihres Lebens. Jetzt genießen sie im Schatten der Ordensgründerin (hinten auf dem Schrank) den Lebensabend.

Lippetal (gl) - Die Katharinenschwestern und Herzfeld: Das gehört einfach zusammen. Mit Liboria und Anuntiata sind zwar nur noch zwei Ordensschwestern im Ort. Die aber haben tiefe Spuren hinterlassen. 

Ein Besuch im Vorfeld. Unten die Bücherei, oben die Ordenschwestern: Beim Besuch der beiden Damen in der „Alten Post“ gleich neben dem Pfarrhaus und der Basilika ist erst einmal Treppensteigen angesagt. Oben angekommen geht’s gleich ins Wohnzimmer. Da erzählt Schwester Liboria, dass das mit dem Treppesteigen nicht ganz so einfach ist: Weil sie selbst inzwischen 82 Jahre, ihre Mitschwester 77 Jahre zähle. „Wir versorgen uns ja immer noch ganz alleine. Und wenn wir die Einkäufe nach oben getragen haben, dann sind wir ganz schön aus der Puste.“ Gar nicht aus der Puste sind sie vor rund 55 Jahren: In den 1960er-Jahren treten die beiden Schwestern nämlich bereits dem Katharinen-Orden bei. Liboria, weil sie im ostwestfälischen Warburg katholisch aufgewachsen ist und „als Jugendliche schon solche Gedanken“ gehabt hat. Ehe sie sich mit 23 entschließt, ihr Leben den Katharinenschwestern zu weihen, habe sie sich zwei Jahre damit herumgeplagt und kein Fest und keine Feier ausgelassen. „Ewig umgezogen“ ist Schwester Anuntiata als Kind rund um Ochtrup im Münsterland. Die Liebe zu den Schwestern entdeckt sie bei Besuchen ihrer Tante, die als Haushälterin bei einem Pastor in Xanten arbeitet. Da ist aber auch ihr Freund Wolfgang. „Das hat sich dann aber anders entwickelt“, erinnert sie sich. Denn gleich nebenan im Krankenhaus sind die Katharinenschwestern aktiv. „Dann habe ich da mitgearbeitet. Zuerst in der Küche. Da musste ich den Ärzten Kaffee in den OP bringen.“ Auf dem Weg geht sie an Betten mit kranken Kindern vorbei. „Da war ich inspiriert.“ Lange Jahre verbringen beide Schwestern dann in Frankfurt: Beide arbeiten im Katharinen-Krankenhaus, Liboria als Diätassistentin, Anuntiata als Krankenpflegerin. Gewohnt haben sie damals mit ihren Mitschwestern gleich nebenan im Konvent. Eine Regel dort: das regelmäßige Beten. Frühgebet, Messe, Rosenkranz, Mittagsgebet, abends die Vesper und schließlich die „Komplet“ als Nachtgebet. Diese Ordensregeln befolgen sie noch heute, „aber nicht mehr ganz so streng mit den Zeiten“. In Frankfurt trennen sich die Wege der beiden Schwestern: Liboria lernt in Essen und Mönchengladbach die Familienpflege, danach wird sie vom Orden freigestellt, um ihre Eltern zu pflegen. Fast. Alle vier Wochen wird sie für eine Woche ins Kloster abberufen. „Das war eine schwere, aber sinnvolle Zeit“, so Liboria. Nach dem Tod der Eltern hilft Liboria in Bad Orb in einem Ferienhaus des Ordens. „Mit 55 habe ich da den Führerschein gemacht. Ich habe gleich ein paar Stunden mehr gebucht – und habe im ersten Versuch bestanden.“

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