Viel mehr Storchenbruten im Kreis Soest


Kreis Soest / Lippetal (gl). Die Zahl der Storchen-Brutpaare im Kreis Soest hat sich in diesem Jahr mächtig erhöht. Ornithologin Birgit Beckers von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest (ABU) und ihre Kollegen haben im Kreis Soest insgesamt 44 Horste entdeckt.

2500 Jungstörche hat Michael Jöbges schon in luftiger Höhe beringt. Auch hier gelingt es ihm schließlich auch den Ausreißer im Bild hinten, der an der Nestkante abzustürzen droht, mit ruhiger Hand zu greifen und zu beringen.

Der Schwerpunkt der Vorkommen liegt entlang von Lippe und Ahse zwischen Lippstadt-Hellinghausen und Dinker. Im Vorjahr waren es noch 29 Paare gewesen. Das bedeutet eine sprunghafte Vermehrung um gut 50 Prozent (15 Paare) in nur einem Jahr.

Allerdings war es insgesamt kein so gutes Jahr für die Großvögel. Die Kälte in den Frühlingsmonaten kostete einigen Bruten wie in der Disselmersch bei Büninghausen das Leben. Wenn die Kälte spät kommt und die Jungvögel schon recht groß gewachsen sind, können sie von den Altvögeln nicht mehr genug gewärmt werden. In dieser Woche wurden Jungvögel aus mehreren Horsten, die die Kälteperiode überwunden haben, beringt.

Die Aktion wiederholen die Vogelschützer regelmäßig, um mehr über die Dynamik der Wanderungsbewegung und Ansiedlung der Störche zu erfahren. Dort, wo sich in diesem Jahr die meisten Nester befinden, in einem Pappelwald bei Hellinghausen, kommt der ehrenamtliche Storchenfreund Michael Jöbges aus Recklinghausen von der Arbeitsgemeinschaft Weißstorch nicht an die Nester heran.

Acht Horste wurden in den Bäumen gebaut und bebrütet, allerdings haben nicht alle Paare hier auch Junge bekommen, wo im Jahr 2007 das erste Storchenpaar in einem Graureiher-Horst die ersten Küken im Lippetal groß zog. Das mag der Dichte der Population dort und auch der Kälte im Frühjahr geschuldet sein. Mit dem Team von der ABU besucht Michael Jöbges, der inzwischen schon rund 2500 Jungstörche gekennzeichnet hat, in dieser Woche mehrere Storchennester, die mit dem Hubwagen gut zu erreichen sind.

Auf dem Hof von Theo Veltin an der Ahse bei Ostinghausen findet er ideale Bedingungen vor. Roland Loerbroks von der ABU steuert den Hubwagen auf einer Wiese gemächlich und sicher auf Nesthöhe hinauf. Für das instinktive Empfinden der vier schon fast flüggen Storchenküken bedeutet das plötzliche Auftauchen der Menschen auf gut acht Metern Höhe sicherlich „Lebensgefahr“. Deshalb ducken sie sich ab und stellen sich tot, um sich zu schützen.

Ein Ausreißer ist diesmal allerdings dabei. Er flüchtet bis zur Nestkante, sodass er abzustürzen droht. Michael Jöbges muss seinen Job also diesmal besonders vorsichtig erledigen. Geschickt und ruhig zieht er die Beine der Storchenküken hervor und holt dann jeden Vogel so weit zu sich heran, dass der die Ringe anbringen kann. Nach wenigen Minuten sind die ersten drei Jungstörche markiert. Den vierten Vogel will Jöbges nicht seinem Schicksal am Rande des Abgrundes überlassen. Bei einem Fehltritt könnte der Kleine abstürzen und sich vielleicht verletzen.  Deshalb fährt der Korb mit dem Team nochmals in die Höhe und seitlich hinter den Horst, wo sich der Ausreißer nun nicht mehr rührt und auch schnell beringt ist. Dann wird er zu seinen Geschwistern in die Mitte des Horstes abgelegt und ist sicher.

„Wir haben festgestellt, dass zwei der Brutvögel in diesem Jahr in der Hachenay nahe den Ahsewiesen und im Ortskern von Ostinghausen im Kreis Soest geboren wurden“, verdeutlicht Birgit Beckers den Sinn und Zweck der Storchenberingung. Durch die gewonnenen Informationen, die europaweit erfasst und bei der Vogelwarte in Helgoland gesammelt, ausgewertet und für die Vogelkundler verfügbar gemacht werden, kann man etwas über die Routen der Zugvögel, ihre Winterquartiere, über die Altersstruktur und Population erfahren. Wo kommen sie her? Welche strukturellen Veränderungen gibt es? Wie ist die Dynamik der Wanderungsbewegung und Ansiedlung? Das sind Fragen, die durch die Beringung und die Auswertung von Beobachtungen und Erhebung von Daten beantwortet werden können. Letztlich können die Vogelkundler auch etwas darüber erfahren, warum Bestände in bestimmten Regionen zu- oder abnehmen.

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