Wasservögel finden in Lippetal ein neues Zuhause


Wie kann man Wasservögeln ein neues Zuhause bieten? Nahe der Lippe durch die Meermersch hat man auf diese Frage eine Antwort gefunden.

Baustelle mit exakten Plänen: Roland Loerbroks und Birgit Beckers präsentieren die schönen Aussichten für die Zukunft in der Meermersch.

Lippetal-Osker (gl). Mehrere kantige Flutrinnen ziehen sich seit ein paar Tagen nahe der Lippe durch die Meermersch in Osker, einer Bauerschaft westlich von Lippborg. Südlich der Bundesstraße 475 haben Bagger den Boden abgeschoben, um der hier tiefergelegten Lippe den Weg in die Aue wieder zu öffnen. 

ABU führt durch das Gebiet

Birgit Beckers und Roland Loerbroks von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) haben interessierte Naturfreunde in das Wiesen- und Weideland geführt, das zu einem Refugium für Wiesenvögel und seltene Pflanzen werden soll. 

Geld aus LIFE-Projekt

Schon bald werden die Flutrinnen an den Verwallungen der Lippe geöffnet, sodass Hochwasser die Aue häufiger fluten, und Wasserflächen wie Blänken bilden kann. Für das Projekt hat die NRW-Stiftung, ergänzt um den Lippeverband, für das Land NRW in den vergangenen Jahren 40 Hektar Land für rund 1,4 Millionen Euro erworben. Für die aktuelle Baumaßnahme mit Verschiebung erheblicher Mengen von Boden werden rund 95000 Euro aus einem LIFE-Projekt für Wiesenvögel fließen. 

Flutrinnen sind der Hingucker

Bei schönstem Herbstwetter mit viel Sonne und wenig Wind startete die Exkursionsgruppe mitten in der Meermersch zur Besichtigung. Dabei waren mehrere von Baggern gezogene breite Flutrinnen der optische Hingucker, und man erfuhr von Birgit Beckers, dass auch die Archäologie wegen diverser Funde aus der Römerzeit und dem Mittelalter an der Gegend interessiert ist. 

Gräben füllen sich mit Wasser

Aktuell ging es aber eher um die Baumaßnahme für den Vogelschutz, die vom Prinzip her recht einfach zu verstehen ist. Am Ausgang einer Linksbiegung der Lippe wird die Verwallung, die den Fluss tief und schmal in sein unnatürliches Bett zwingt, an zwei Stellen etwa einen Meter über dem Normalstand des Wasserspiegels aufgebrochen. Kommt dann das alljährliche Hochwasser, fließt es durch die Flutrinnen in die Meermersch, wo es Gräben und Senken mit Wasser füllt. Für die Bildung eines großflächigen flachen Gewässers mitten in der Mersch wurde darüber hinaus eigens Boden etwa in der Größe zweier Fußballfelder ein wenig abgetragen. Dort finden Wasservögel, aber auch Amphibien und Insekten im Flachgewässer später ideale Lebensräume vor.

Lippesand wird zutage gefördert

Der Erkundungsgang, der quasi einmal rund ums Projektgebiet herumführte, brachte weitere Erkenntnisse. So förderten die Bagger an der Lippebiegung große Mengen von Lippesand zutage. Die Haufen aus gelbem Sand werden später zu leichten Erhebungen umgeformt, sodass sich ein ganz spezieller Lebensraum mit sandigem Boden für Flora und Fauna bildet. 

Viele Besonderheiten

Weitere Besonderheiten in der Umgebung waren ein Birkenwäldchen, das mitten im Weideland emporgewachsen ist, und einige Jahrhundert-Eichen, die sich dem Leben in der Mersch angepasst haben, und die ansonsten wenig bewachsene Weidelandschaft mit ihren mächtigen Kronen bereichern. 

Steuerbarer Abfluss

Schließlich wurde noch der Abfluss des Hochwassers aus der Mersch erkundet. Ein weiterer Durchbruch der Lippe-Verwallung etwa einen Kilometer flussabwärts hinter dem Zufluss ermöglicht das Abfließen des Wassers aus der Mersch in die Lippe, wenn der Wasserstand zu hoch ist. Mit einem zusätzlichen steuerbaren Abfluss können die Naturschützer überdies Wasser aus der Mersch in die Lippe ablassen, wenn dies zum Beispiel für Mäharbeiten notwendig sein sollte.

Projekt geht bis 2027

 Die aktuelle Maßnahme ist Teil des „LIFE-Projektes“ Wiesenvögel, das bis 2027 landesweit die Lebensräume von Wiesenvögeln verbessert.

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