Wildtierretter tun früh morgens Gutes


Lippetal (gl) - „Wildtierrettung“ nennt sich eine „WhatsApp“-Gruppe, die seit mehr als sechs Wochen fast jeden Morgen in aller Herrgottsfrühe auszieht, um insbesondere Rehkitze vor dem Tod durch das Mähwerk eines Landwirts zu bewahren. Der Erfolg kann sich sehen lassen.

Drohne im Einsatz: Die Piloten Christopher Brömse und Ute Stratbücker machen vor dem Start einen Technik-Check.

Mehr als 70 Kitze, dazu auch Kleintiere wie Hasen, haben die Retter vor allem in Waldrandlagen vor dem sicheren Tod bewahrt. Von einem „überaus erhebenden Gefühl“ spricht Alfons Bröckelmann als Koordinator der Gruppe. Das hänge mit der schönen Aufgabe der Lebensrettung ebenso zusammen wie mit dem Erleben des Sonnenaufgangs über den Feldern Lippetals. Seit 50 Jahren habe er sich bereits dieser Aufgabe verschrieben, so der 68-Jährige. Doch so intensiv wie in den vergangenen Jahren sei die Arbeit noch nie gewesen. Und auch nicht so erfolgreich. Während früher „schon mal ganze Schulklassen oder ein paar Helfer mit Stöcken“ vor dem Mähen über die Felder gegangen seien, habe heute die digitale Technik Einzug gehalten. 

Die Folge: Alfons Bröckelmann dirigiert in Absprache mit Landwirten und Jägern ein 22-köpfiges Team, das sich aus einem Techniker, Piloten für Drohnen und den „Buschmännern“ zusammensetzt. In der Zeit von Anfang April bis Mitte oder Ende Juni sind die ehrenamtlichen Helfer nun unterwegs, um vor dem Abmähen von Flächen die Rehkitze vor einem grausamen Tod zu bewahren. „Wer so etwas einmal gesehen hat, dem geht das sehr nahe“, beschreibt Bröckelmann die Gefühlslage der Landwirte, denen Kitze ins Mähwerk geraten sind. Wohl auch deshalb klappt die Zusammenarbeit „zunehmend gut“. 

Ein Morgen im Juni, 4.30 Uhr: Alfons Bröckelmann hat am Vorabend in seine Wildtierretter-Gruppe geschrieben und um Freiwillige für den Einsatz geworben. „Wir brauchen immer zwei Piloten und in der Regel zwischen drei und sieben Buschmänner“, sagt er. Und immer seien auch er selbst und Alfons Westhues als Technik-Koordinator dabei. Eigentlich stellten die Landwirte und Jäger die Buschmänner, die als Helfer das Gelände durchstreifen und per Funk von den Piloten dirigiert werden. „Doch immer wieder ist es auch so, dass die Helfer aus unserer Gruppe sind“, sagt Bröckelmann. Während noch Nebel über den Feldern liegt und am Horizont die ersten Sonnenstrahlen aufblitzen, startet die Drohne mit einem surrenden Geräusch. An den Schalthebeln steht Delia Bröckelmann, die als Tochter von Alfons längst vom Helfervirus angesteckt ist. „Das ist eine hochkonzentrierte Arbeit, wenn wir zu zweit den normalen und den Bildschirm der Wärmebildkamera im Auge behalten“, sagt sie.

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