100-Jährige feiert wie Queen Mum



Sassenberg (sau) - Einen Tag auf Händen getragen werden wie einst ihr großes Idol, Queen Mum. Das war der größte Wunsch von Katharina Raß, die am 11. August ihren 100. Geburtstag feierte. Einem solchen Geburtstagskind kann man natürlich keinen Wunsch ausschlagen.

Sohn Siegfried (77) hilft seiner hundertjährigen „Queen Mum“ mit einem Knicks aus dem Wagen.  

 Und so hatte ihre große Familie weder Kosten noch Mühen gescheut und der zehnmaligen Urgroßmutter und einmaligen Ururgroßmutter einen königlichen Tag bereitet. „Es war schon immer ihr Wunsch, einen Tag so behandelt zu werden wie die Mutter der englischen Königin“, so berichtete Ursula Raß, die Schwiegertochter der „Königin für einen Tag“. Der begann um 9.15 Uhr. Da rauschte dann ein weißer Jaguar XJ 12 über die Von-Galen-Straße.

Auf dem Rücksitz hatte Katharina Raß schon die königliche Position eingenommen. Ein dezentes Lächeln huschte über ihr Gesicht, und die rechte Hand winkte huldvoll in Richtung der geladenen Geburtstagsgästen, die schon vor dem Café Arenhövel gewartet hatten. Stilecht, und genauso wie die Mutter der englischen Königin es immer auf offiziellen Terminen gehalten hatte.

Begleitet wurde „Queen Mum“ von Etienne Zimmermann, einer ihrer elf Ur-Enkel, und Ewald Weinert, dem Fahrer und zugleich Besitzer des 1972 gebauten und 298 PS starken Jaguars. „Die Kilometerleistung des Wagens passt wunderbar zur Verfassung von Frau Raß“, so Weinert. Denn der Jaguar hat in 40 Jahren erst 27 000 Kilometer auf den Tacho gebracht.

Und tatsächlich, als „Queen Raß vom Drosselweg“ ausstieg, sah man ihr ihre 100 Lenze so gar nicht an. Fit wie ein Turnschuh wurde sie von ihrem 77-jährigen Sohn Siegfried mit einem leichten Knicks aus dem Wagen geleitet. Auf die Frage, wie man denn so lange fit und gesund bleibe, hatte Raß eine einfache Antwort „Ich bin immer viel zu Fuß gelaufen“, erzählt sie. Fahrradfahren habe sie nie gelernt, und somit habe sie all ihre Ziele stets per pedes erreichen müssen. Natürlich dürfe eine  ausgewogene Ernährung nicht fehlen, und „ja die Finger weglassen von Zigaretten und Alkohol“.

Die gebürtige Münsteranerin war 1965 mit dem jüngsten Sohn, dessen Frau und der gemeinsamen älteren Tochter von Münster-Kinderhaus nach Sassenberg gezogen, wo sie auch heute noch lebt. Der ältere Sohn blieb mit Frau und Kindern in Kinderhaus.

Heutzutage interessieren die 100-Jährige spannende Kreuzworträtsel, und auch ihr Engagement im Leprakreis wird sehr geschätzt. Seit 35 Jahren bereits hält sie ihrer Partei, der SPD, als Mitglied die Treue. Seinen Ehrentag ließ das „Geburtstagskind“ nach dem Frühstück im Café am Nachmittag in geselliger Runde daheim ausklingen, wo selbst gedichtete Lieder der Enkel und eine wunderschöne Geburtstagstorte warteten.

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