Als die Mischehe noch ein riesiges Problem war



Der Füchtorfer Albert Hüchtker weiß, wie problematisch eine Mischehe sein kann. Er hat diese Erfahrung gemacht und niedergeschrieben.

Landwirt Georg Hüchtker (91), der bis heute mit der Familie seiner Tochter auf dem Hof in Füchtorf lebt, mit dem Buch von Bruder Albert. Foto: Zumbusch

Füchtorf (dan) - Die Worte sind poetisch und rätselhaft: „Warum eine Schwalbe eine Möwe nicht lieben durfte.“ Albert Hüchtker, Jahrgang 1935, ein Bauernsohn aus Füchtorf, hat das so betitelte Buch veröffentlicht. Als promovierter Jurist brachte er es beruflich bis zum Ministerialrat mit hohen Positionen in deutschen und europäischen Behörden. 

Das Liebespaar lernt sich 1955 in Berlin kennen

„Damals in Füchtorf, Tempelhof, Hamburg, St. Augustin, Brüssel, Göhren und Fichtenau“ lautet der Untertitel des Buchs. Herzstück sind 500 Briefe von Hüchtker und seiner Freundin, Verlobten und Ehefrau Helmtrud, genannt Helmi, aus den 50er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. 

Kennengelernt haben sich die beiden 1955 in Berlin. Sie ist die Möwe, die auf Rügen aufgewachsen ist und nach ihrer Flucht aus der DDR in West-Berlin lebt. Er ist die Schwalbe vom Füchtorfer Bauernhof, inzwischen Jurastudent in Münster. 

Albert Hüchtker schrieb seine Geschichte nieder.

Vor allem trennt sie eins: Sie ist evangelisch, er katholisch. Und das zu einer Zeit, als von den Kirchenkanzeln die Pfarrer beider Konfessionen noch predigten, dass Mischehen zwischen Christen verschiedener Bekenntnisse von Gott nicht gewollte Verbindungen seien. 

Mit der Folge, dass Hüchtkers Eltern schwere Bedenken gegen die Ehe erhoben, als er ihnen 1960 sagte, dass er Helmi liebe und sie heiraten wolle. Sein Vater habe ihm gesagt, „dass ich nicht sein Kind bleiben könne, wenn ich eine Mischehe eingehen würde“, schreibt Hüchtker in dem Buch. 

Die Lösung damals: Helmi konvertierte schweren Herzens vor der Hochzeit 1963 zur katholischen Kirche. Jahrzehnte später trat sie wieder aus. Den Briefwechsel mit ihr aus den 1950er- und 1960er-Jahren wertet Hüchtker als „Zeitzeugnis zu religiösen, politischen und gesellschaftlichen Problemen. Die Briefe sollten nicht untergehen, zumal meine verstorbene Frau wohl am meisten unter den Problemen einer Mischehe litt.“ Helmi starb 2014.

Die kompromisslose Haltung der Konfessionen zur Mischehe, die dem Paar viel Kummer bereitete und immer wieder Gewissensqualen auslöste, führte bei beiden nicht zur Abwendung vom christlichen Glauben. Hüchtker betont: „Die katholische Kirche vermittelte auch Positives. Sie unterlag nur wie oft in der Geschichte einem Irrtum bei Glaubenswerten und im Verhältnis zur evangelischen Kirche.“ 

Heute unterstütze er den Katholischen Deutschen Frauenbund und die evangelische Kirche mit Spenden in der Hoffnung, „dass beide Kirchen das alte Gesetz einer Uhr beherzigen: ,Nicht still stehen.‘ Nur dann kommen sie zu neuen Erkenntnissen und überzeugenden Antworten.“ 

Gebürtiger Füchtorfer kehrt noch immer zu Besuchen nach Hause

Der Bauernsohn stammt vom Hof Hüchtker an der Milter Straße 3, der heute für seinen Spargel und seine Heidelbeeren aus biologischem Anbau bekannt ist. In der Rückschau nennt Albert Hüchtker seine Kindheit und Jugend in Füchtorf, wo er als Jüngster der Familie mit zwei Schwestern und zwei Brüdern aufwuchs, „schön, aber teilweise eingeengt“. Er besuche das Dorf immer wieder gern, vor allem zu familiären Anlässen. 

Über den Briefwechsel hinaus erzählt Hüchtker in dem 500 Seiten starken Buch von seinem Werdegang, seinen Karrierestationen und vom wachsenden Wohlstand der Familie. Es ist – gegründet auf eigenem Geschick und etwas Glück – eine blitzsaubere Aufsteigergeschichte, auf die der Autor zu Recht stolz ist. 

Stolz auf einen kleinen Beitrag zur deutschen Geschichte

Heute lebt er in Schöneiche bei Berlin in einem Gebäude, das in den 1930er Jahren nach Rosa Luxemburg benannt war und die Parteischule der Kommunisten (KPD) beherbergte. „Wir machten daraus ein europäisches Haus, um dem alten Spuk ein Ende zu bereiten“, schreibt Hüchtker im Vorwort seines Buchs. Stolz ist er auch auf einen kleinen Beitrag zur deutschen Einheit. 

„Die Ereignisse beim Fall der Mauer in Berlin waren für mich so beeindruckend, dass ich abends nach Dienstschluss zu Hause ein zehnseitiges Konzept über Wege zur Wiedervereinigung ausarbeitete und dies allen Parteien in Bonn zuschickte“, schreibt Hüchtker. Einer seiner Neffen habe das Papier Bundeskanzler Helmut Kohl direkt übermittelt. 

In einem Brief habe ihm Kohl später dafür gedankt, berichtet Hüchtker. Der Kanzler „lobte meine sehr nützlichen Anregungen und betonte, dass mehrere Punkte auch in seinem Zehn-Punkte-Plan enthalten seien.“ Dieses Zehn-Punkte-Programm gilt es als eine wichtige Wegmarke auf dem Weg zur deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990. 

Das Buch von Albrecht Hüchtker (ISBN 978-3-96200-345-6) ist zum Preis von 19,90 Euro im Handel erhältlich.

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