Auschwitz-Überlebende bei Realschülern



Sassenberg (bf) - Still war es im Rathaussaal als Erna de Vries, eine 87-jährige Überlebende der NS-Konzentrationslager, vor den Zehntklässlern der Städtischen Realschule redete. Auschwitz und Ravensbrück lauteten die Stationen ihres Leidens, von denen sie in bewegenden Worten berichtete.

In eindrucksvoller Weise berichtete Erna de Vries aus ihrer Zeit in den Konzentrationslagern. Aloys Lögering hörte aufmerksam zu.

Bürgermeister Josef Uphoff begrüßte de Vries im großen Sitzungssaal, auf dessen Stühlen der komplette zehnte Jahrgang Platz genommen hatte. Nicht zuletzt im Hinblick darauf, dass sie in wenigen Tagen ihren Abschluss von der Schulzeit feiern, war diese Begegnung mit der Zeitzeugin des Holocaust für alle Schüler und Lehrer eine sehr bewegende und aufrührende Veranstaltung.

Zwar waren die jungen Deutschen durch ihren Geschichtsunterricht bei Elvira Lammert und Christa-Maria Stuckenberg-Sitterberg gut vorbereitet, jedoch einen Menschen vor sich zu haben, der diese dunkle Zeit der Geschichte erlebt und erlitten hatte, brachte für die Gäste im Rathaus eine ganz neue Erfahrung. Die Schüler hatten sich im Vorfeld in verschiedenen Projekten besonders mit diesem Kapitel der Geschichte beschäftigt.

 Und nun saßen sie dieser kleinen, zierlichen Frau gegenüber, die den Auftrag „zu überleben und der Welt zu erzählen, was sie mit uns gemacht haben“ im letzten Gespräch mit ihrer Mutter Jeanette im September 1943 in Auschwitz erhalten hatte. Lange hat de Vries gebraucht, um tatsächlich reden zu können. Seit 1997 reist sie durch das Land, um in Schulen ihre Geschichte zu preiszugeben.

In einem vorab gezeigten Film, der auch im Internet zu sehen ist, erzählt Erna de Vries von den grausamen Ereignissen, die ihr und vielen anderen Menschen in der Zeit der Willkürherrschaft widerfahren sind. Anschließend stellten die Schülerinnen und Schüler ihre Fragen – es waren viele. Aloys Lögering, den Sassenbergern von den Fastenpredigten her bekannt, fungierte als Moderator in der Fragerunde.

Interessiert waren die Jugendlichen vor allem an den äußeren und inneren Umständen des Lagerlebens, ob sie jemals an Flucht gedacht habe und was passiert wäre, wenn sie nicht ihre Mutter begleitet hätte. Als kleines Fazit erklärte Erna de Vries den Jugendlichen, wie wichtig es für alle Menschen sei, die eigene Würde zu behalten und auf die Würde eines jeden Menschen zu achten.

Mit einer symbolischen weißen Rose bedankten sich Rektorin Christa-Maria Stuckenberg-Sitterberg im Namen der Schule bei der Referentin und Zeitzeugin und die Schüler mit langanhaltendem Applaus.

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