Erste deutsche Begriffe und Schachzüge sitzen


Mohammad Ali und einige Kinder eint nicht nur ihre Flucht nach Deutschland. Es ist vor allem die Liebe zum Schach, der sie nachkommen.

(von links) Omar, Mohammed, Gazal, Alan, Imira, Yalda, Yasin und Abdul Khada haben Spaß am Schachspiel. Dieses wird ihnen von Mohammad Ali (Mitte) im Zollhaus mittwochnachmittags beigebracht. Foto: D. Reimann

Sassenberg (dor). Schachspielen bietet viele Vorteile: Es fördert das räumliche und logische Denken genauso wie die Konzentrationsfähigkeit. Man lernt, Strategien zu entwickeln und flexibel darauf zu reagieren, lernt Ehrlichkeit und Fair Play. Mohammad Ali weiß um den pädagogischen Nutzen des Spiels. 

Spielerisch die Sprache lernen: Am Brett ist es möglich

Der 39-Jährige, der vor drei Jahren aus Syrien nach Deutschland kam und heute in Hoetmar lebt, gehört selbst den Beelener Schachfreunden an, wo er in der zweiten Mannschaft um Punkte spielt. Sein Wissen wollte er gern weiter vermitteln. Daher trug er den Vorschlag, eine Schach-AG zu gründen, an Rick Schulze und Nicole Palsherm heran. 

Die beiden Flüchtlingskoordinatoren der Stadt Sassenberg waren sofort begeistert von der Idee und sprachen einige Familien mit Kindern an. Acht Mädchen und Jungen, von der ersten bis zur dritten Klasse, haben sich zur Schach-AG angemeldet. Seit April treffen sich die Kinder, allesamt Johannesschüler, jeden Mittwochnachmittag im Zollhaus, um mit Mohammad Ali Kniffe und Tricks des strategischen Brettspiels zu lernen.

Von einer Win-Win-Situation sprechen (v. l.) Flüchtlingskoordinatorin Nicole Palsherm, Zollhaus-Vorsitzender Josef Lutterbeck und Flüchtlingskoordinator Rick Schulte.

Kaum hat Mohammad Ali die Schachbretter auf den Tisch gestellt, fangen die Jungen und Mädchen an, die Figuren aufzubauen. „Was ist das?“, fragt Ali die Kinder nach den Bezeichnungen der Spielfiguren. „Ein Turm, König, Dame, Läufer . . .“ rufen sie ihm entgegen. Die Begriffe sitzen, erste Spielzüge auch. 

Wenn etwas nicht verstanden wird, wird schon mal die Sprache gewechselt. „Ob afghanisch, arabisch, deutsch, die Verständigung klappt“, freut sich Ali, dessen Schwester in Sassenberg lebt und das Bindeglied zu der Hesselstadt darstellt. Dass die Kinder noch jung an Jahren sind, sieht er als Vorteil an.

 „Das Spiel von Kleinauf zu lernen, ist gut“, sagt der Familienvater, der erst relativ spät, nämlich im Alter von 26 Jahren das Spiel erlernt hat. So begeistert wie die Kinder bei der Sache sind, zeigen sich auch Schulte und Palsherm ob des Angebots und ehrenamtlichen Engagements Alis.

Der Mittwochvormittag ist reserviert

„Den Mittwochnachmittag haben wir per se für ein Programm für Kinder reserviert“, berichten die Flüchtlingskoordinatoren, die für weitere Programmideen sowohl für Kinder als auch für Erwachsene offen sind. Im Zollhaus fühlen sie sich sehr wohl. Wie Nicole Palsherm sagt, findet am Mittwochmorgen in den Räumlichkeiten des frisch sanierten Hauses auch Nachhilfe in Deutsch durch das Ehepaar Burholt statt. 

Josef Lutterbeck, Vorsitzender des Zollhauses, freut sich auch – nämlich über das Leben, das ins Zollhaus eingekehrt ist. Wie Josef Lutterbeck berichtet, halte nach den Ferien auch die Schule für Musik des Kreises Warendorf Einzug. Dann werden im Westanbau Schüler und Schülerinnen im Schlagzeugspielen unterrichtet.

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