Geboren nachts auf der Bundesstraße



Sassenberg (bf) - Als Geburtsort hat die noch keine Woche alte Sophia „Münster“ im Stammbuch der Familie Schwab stehen. Genauso gut könnte  dort aber „Bundesstraße 64“ stehen. Denn Sophia kam während der Fahrt ins Krankenhaus im Rettungswagen zur Welt.

Nach der Geburt auf der Bundesstraße wieder vereint in ihrem Sassenberger Domizil: (v.l.) Carolin, Lydia, Sophia und Arnold Schwab.

Gar nicht abwarten wollte die kleine Sassenbergerin, bis ihre Mutter Lydia am vorigen Freitag im Krankenhaus angekommen war. Glücklicherweise hatte sich Vater Viktor Schwab morgens um kurz nach drei Uhr richtig entschieden und seine hochschwangere Frau nicht selbst zur Entbindung ins münstersche Franziskus-Hospital zu bringen, sondern den Rettungswagen angefordert.

Lydia Schwab hatte noch am Vorabend gemütlich mit ihrer 14-jährigen Tochter Carolin auf der Terrasse gesessen, nachdem die Beiden noch die Beete im heimischen Garten in Sassenberg vom Unkraut befreit hatten und sich darüber unterhalten, wann wohl die beste Zeit wäre, dass das Baby kommen sollte. „Bloß nicht nachts“, wünschte sich Lydia, ansonsten sei es ihr jederzeit willkommen.

 Im Vorfeld hatte sie sich die Warendorfer Entbindungsstation angesehen, Gespräche geführt und sich eigentlich schon entschlossen, dort ihr drittes Kind zu entbinden. Als sie von ihrer Ärztin dann aber hörte, dass es wohl ein sehr großes Kind werden würde, wie Arnold, ihr neunzehnjähriger Sohn und Carolin, entschied sie sich sehr kurzfristig gemeinsam mit ihrem Mann Viktor, doch nach Münster zu fahren, weil dort die Nähe zu einem Kinderarzt auch in der Nacht gegeben war.

Es deutete jedoch noch nichts darauf hin, dass es in den nächsten Tagen losgehen würde. Als Lydia Schwab dann um drei Uhr morgens ihren Mann weckte und ihm klarmachen musste, dass die kleine Sophia wohl nicht mehr bis Sonntag warten wollte, fiel rasch die Entscheidung zu Gunsten des Rettungsdienstes.

Nur kurze Zeit nach dem Anruf kamen die Sanitäter und bereiteten Lydia und Sophia für die Fahrt ins Hospital vor. Um 4.15 Uhr ging die Fahrt los.

Die Hausärztin hatte ihrer Patientin bei deren letztem Besuch in der Praxis noch mit auf den Weg gegeben, keine Zeit zu verlieren, wenn sich die kleine Sophia melden würde. Bei der dritten Geburt könne es schon mal recht schnell gehen.

Etwa auf der halben Strecke erkundigte sich Lydia Schwab dann das erste Mal, wie weit es noch sei bis ins Krankenhaus. Der Fahrer erklärte, dass man kurz hinter Telgte sei und sie einfach sagen solle, wenn sie meine, es gehe los. Er werde dann anhalten.

Der Sanitäter hatte diesen Satz kaum ausgesprochen, da erklärte die werdende Mutter: „Dann halten wir jetzt an.“ Der Fahrer fuhr den Wagen rechts ran und schon ging es los. Fast mit Lichtgeschwindigkeit machte sich Sophia auf den Weg ins neue Leben. Und dann gab es noch eine kleine Komplikation: Die Nabelschnur hatte sich um den kleinen Hals gelegt, ob einmal oder zweimal konnte der Sanitäter im Nachhinein selbst nicht einmal mehr sagen.

Er führte die notwendigen Handgriffe aber durch, als ob für ihn eine Geburt im Auto das Normalste von der Welt sei. Dass es für ihn die erste Entbindung war, an der er in seiner jahrelangen Praxis im Rettungsdienst so direkt beteiligt war, erzählte er Lydia dann nach der Geburt, während sie auf den Kinderarzt und die Hebamme warteten.

 Zwischenzeitlich hatte man per Funk den Vater informiert. Viktor Schwab konnte die Nachricht zunächst nicht glauben, war doch der Rettungswagen mit Frau und Tochter noch nicht einmal eine halbe Stunde zuvor losgefahren. Doch dann eilte er sofort an den Ort des Geschehens. Inzwischen sind Mutter und Kind wieder zu Hause und lassen sich verwöhnen. Lydia und Viktor Schwab möchten sich auf diesem Wege noch einmal bei dem Geburtsteam bedanken.

„Ich weiß nicht einmal ihre Namen und möchte so gern Danke sagen. Ich fühlte mich die ganze Zeit sehr gut aufgehoben“, erklärt Lydia Schwab.

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