Musikverein übergibt Schätze ans Kreisarchiv


Der Musikverein Füchtorf hat historische Dokumente seiner Chronik an das Kreisarchiv übergeben. Darunter die Satzung von 1896.

Das Kreisarchiv ist um einen Schatz reicher: Zur Übergabe der Dokumente vom Musikverein Füchtorf trafen sich (v. l.) Mareike Stiller, Sandra Niemerg, Josef Lienker und Dr. Knut Langewand. Foto: privat

Füchtorf/Warendorf (gl) - Die beiden Füchtorfer Musikvereinsmitglieder Sandra Niemerg und Josef Lienker haben historische Dokumente persönlich an den Kreisarchivar Dr. Knut Langewand übergeben. Das älteste und wertvollste Schriftstück: die Gründungssatzung des Musikvereins aus dem Jahre 1896. 

Die Satzung, ein Konto- und ein Sparbuch

Außerdem hatten die beiden Musiker ein kleines Büchlein dabei, das aussieht, als hat ein Schüler sein Vokabelheft aus alten Zeiten liegen lassen. Allerdings handelt es sich dabei um das Kontobuch, dass die Musiker einst von 1928 bis 1941 geführt hatten. Auch wurde ein Sparbuch aus diese Zeit übergeben. „Nur diese drei Dokumente sind noch aus den ersten 50 Jahren der Vereinsgeschichte erhalten“, berichtet Sandra Niemerg. 

Ein zweites Kontobuch, das ab 1950 geführt wurde, belegt, dass der Verein nach dem Zweiten Weltkrieg seine Arbeit wieder aufgenommen hatte. In beiden Kontobüchern wurden alle Einnahmen und Ausgaben handschriftlich und detailliert aufgeführt. 

„Dadurch sind die Vereinsaktivitäten ab 1928 sehr gut nachvollziehbar“, sagt Niemerg, die solche Schriften auch dazu genutzt hat, um die 125-jährige Vereinschronik zu vervollständigen. Josef Lienker ergänzt: „Aus den Büchern geht auch hervor, dass damals wie heute die Kasse einmal im Jahr geprüft wurde“. Zwei Sparbücher des Vereins ab 1950 liegen auch dabei. 

Alles wurde genau aufgelistet: Der Musikverein Füchtorf führte ein ausführliches Kontobuch.

Zudem liegt eine Urkunde vor, die es dem Musikverein seit 1971 erlaubt, die Lilie aus dem Wappen der Adelsfamilie von Korff zu Harkotten als Vereinswappen zu tragen. „Das sind unsere Schätze, die wir als Dauerleihgabe abgeben. Aber wir haben Kopien angefertigt“, sagt die Stellvertretende Vorsitzende Sandra Niemerg. 

„Ich danke dem Musikverein und freue mich, dass Unterlagen von solcher Bedeutung ihren Platz jetzt im Kreisarchiv finden“, antwortet Kreisarchivar Dr. Knut Langewand und fügt hinzu: „Das Kreisarchiv hat naturgemäß ein großes Interesse am Erhalt historischer Unterlagen aus privater Hand und sichert zu, dass die Dokumente hier in den besten Händen sind.“ 

Mareike Stiller freute sich abschließend über die Kopie der Vereinschronik, die die Füchtorfer auf Anfrage des Kreisarchivs mitgebracht hatten. „Als ich Anfang 2021 las, dass der Musikverein eine Chronik erstellt hat, habe ich um eine Kopie gebeten. Diese Kopie ist um die Ereignisse im Jubiläumsjahr 2021 erweitert worden und blickt somit auf 125 Jahre Vereinsgeschichte zurück“, weiß Stiller zu berichten.

Ein Nachfahre übergibt das Original-Dokument

Am 19. Juli 1896, noch zu Zeiten Kaiser Wilhelms II., wurde die Satzung des Musikvereins verfasst. Wie die Originalfassung zeigt, wurde von den zehn Seiten immer nur die rechte Hälfte beschrieben – und zwar in Kurrentschrift. Die 13 Gründungsmitglieder hatten das Papier unterschrieben und damit den Musikverein Füchtorf ins Leben gerufen. 

Nach dem Ersten Weltkrieg, vermutlich Anfang der 1920er-Jahre, wurde die freie linke Seite genutzt, um die 13 Paragraphen nochmal in der ab 1914 eingeführten Sütterlinschrift zu bestätigen, sozusagen die Reaktivierung des Vereins. „Wir gehen davon aus, dass die Satzung vom Gründer Anton Heuer geschrieben und von ihm auch verwahrt wurde“, erklärt Niemerg. 

Doch wie gelang das Dokument überhaupt in die Hände der jetzigen Mitglieder des Musikvereins? Die Antwort weiß Josef Lienker, Mitglied seit 1966, der sich erinnert: „Ende der 1980er-Jahre, als ich Vorsitzender war, klingelte es an der Haustür. Vor mir Stand ein Nachfahre Anton Heuers.“ Dieser hielt eben jenes Papier mit den Unterschriften und der Satzung in der Hand, die die Gründung des Musikvereins besiegelten. 

„Es sind schon glückliche Umstände“

Eine Überraschung, wie auch Lienker befand: „Es sind schon glückliche Umstände gewesen, dass dieses historische Dokument zwei Weltkriege überstanden hat, heute in unserem Besitz ist und unsere Wurzeln so eindeutig dokumentiert sind.“ Im Jahr 2019 wurde die Satzung von Heinrich und Marianne Papenbrock aus Ostbevern transkribiert, das heißt: „Jeder kann sie heute lesen und muss nicht rätseln oder sich mit der Kurrent- beziehungsweise Sütterlinschrift beschäftigen“, erklärt Niemerg. 

Nun liegen die historischen Schriften in Warendorf. Das Kreisarchiv ist das Zentralarchiv für den Kreis Warendorf und seiner Städte und Gemeinden. Die Bestände umfassen die städtischen und amtlichen Unterlagen vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Daneben beherbergt das Archiv diverse Unterlagen von teils historischer Bedeutung von Vereinen, Verbänden und aus privater Herkunft, aber auch Landkarten, Pläne, Lokalzeitungen, Fotobestände, Postkartensammlungen und vielem mehr. Nun ist eben jene Sammlung um einen Schatz aus Füchtorf reicher geworden.

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