Ordensschwestern verlassen Füchtorf



Füchtorf (ra) - Nach mehr als einem Jahrhundert endet in Füchtorf die Ära des Konvents der Heiligenstädter Schulschwestern. Insgesamt 101 Jahre lang haben die „Heiligenstädter“ das Gemeindeleben in St. Mariä Himmelfahrt mitgeprägt. Nun werden sie ihr Konvent in Füchtorf aufgeben.

Zur Feier des 100-jährigen Bestehens ihres Konvents erhielten die Füchtorfer Ordensfrauen am 8. Mai vorigen Jahren Besuch von zahlreichen Schwestern aus nah und fern.

Mit dem Weggang von Schwester Gerburg und Schwester Vera geht somit eine lange Geschichte zu Ende. Begonnen hatte alles bereits Ende des 18. Jahrhunderts, als die Katholische Kirchengemeinde beschloss, ein Krankenhaus für das Heidedorf zu errichten. Doch obwohl die Spenden für das Vorhaben reichlich flossen, scheiterte es letztlich an der nicht vorhandenen Logistik.

So praktizierte weder ein Arzt im Ort noch gab es eine Apotheke. Am 18. September 1905 schrieb Pfarrer Kondring daher einen Brief an die Schwestern „von der Barmherzigkeit, Heiligenstädter Schulschwestern“ und bat um die Gründung einer „Niederlassung zur ambulanten Krankenpflege und Handarbeitskunst“.

 Nachdem alle erforderlichen kirchlichen und behördlichen Genehmigungen vorlagen, konnten die ersten Füchtorfer Schwestern 1911 ihr Domizil errichten. In einer Nachricht der abgeordneten Schwestern an das Mutterhaus heißt es: „Das uns zur Verfügung gestellte Haus war liebevoll eingerichtet. Es fehlt an nichts, was in einem ordentlich geführten Haushalt benötigt wird. Der Garten ist sehr gepflegt.“ So begann das segensreiche Wirken der Konventfrauen.

Am 24. Januar 1913 dankte Pfarrer Kondring den Heiligenstädter Schwestern für ihr Engagement in Füchtorf bereits mit einem Brief für deren „segensreiche Tätigkeiten“. Niemand in der Gemeinde, so Kondring, „möchte sie je wieder missen.“ Sechs Jahre später erhielt das Konvent, seinerzeit noch eine kleine Sensation, Elektrizität und damit eine verbesserte Möglichkeit für die ambulante Pflege erkrankter Heidedörfler.

Genug zu tun gab es für die Schwestern von Anfang an. So listet beispielsweise der Tätigkeitsbericht der vier Frauen für das Jahr 1913 auf: „Krankenpflege ganze Tage 70, Krankenpflege ganze Nächte 163, Besuche mit Pflege 657, Besuche ohne Pflege 246, verbunden 577, Kranke im Ganzen gepflegt 67.“ In den ersten Jahren waren oft zwei Krankenschwestern im Schwesternhaus untergebracht.

Sie hatten oft lange Wege zu Fuß zurückzulegen, um zu den Kranken in den entlegenen Winkeln der Bauerschaften zu gelangen. Keine Seltenheit war es, dass Schwestern zweimal am Tag vom Ort bis nach Rippelbaum und wieder zurücklaufen mussten. Nach den Schwestern Dorothea und Agatha waren Sr. Gerhardine und zuletzt Sr. Luitgard als Krankenbetreuerinnen in Füchtorf aktiv. Als erste Handarbeitsschwester NAHM Sr. Gonzaga 1916 ihre Tätigkeit aufn und unterwies die Füchtorferinnen in ihren Künsten. Gleichzeitig gab sie Messdienerunterricht. Zudem erledigten die Schwestern zu jeder Zeit die anfallende Kirchenwäsche, schmückten das Gotteshaus und versahen sogar, als Küster Josef Schräder im Zweiten Weltkrieg als Soldat eingezogen wurde, den Küsterdienst.

 Nach dem Krieg versorgten die Ordensfrauen die Schulkinder mit Speise. Beliebt bei der Jugend war das Abholen der Speisen in großen Milchkannen vom Schwesternhaus, bedeutete das doch die zeitweilige Befreiung vom Unterricht. Die Tätigkeit der Küchenschwestern in der Rentei wurde im Mai 1963 mangels Nachwuchses eingestellt.

Doch es warteten neue Aufgaben auf die Frauen, die bis 1971 auf Schloss Harkotten untergebracht waren und anschließend ihr heutiges Haus bezogen. So bauten sie in jüngerer Zeit die Pfarrbücherei im Pfarrheim auf, arbeiteten als Erzieherinnen im Marienkindergarten und wirkten auf unterschiedliche Art und Weise im Gemeindeleben von St. Mariä Himmelfahrt mit.

„Viel Gutes und Segensreiches ist in mehr als 100 Jahren gesät worden und gewachsen“, bedauert Pastor Norbert Ketteler den Wegzug der Ordensschwestern aus Füchtorf. Ihre Verabschiedung erfolgt am Christkönigssonntag (25. November).

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