Von der Bauruine zum Juwel im Stadtkern



Sassenberg (ra) - Vor sechs Jahren hat der Verein „Stadtprojekt“ das Zollhaus an der Schürenstraße gekauft. Baufällig war es, betreten nur unter Lebensgefahr. Seither hat sich so viel getan in dem jahrhundertealten Gemäuer, dass am Wochenende dort eine erste Ausstellung eröffnet werden kann.

Das renovierte Zollhaus soll das Stadtbild prägen wie die Kirche St. Johannes. Das hoffen (v.l.) Richard Pawlewski, Gerald Konert, Dr. Elisabeth Baxhenrich-Hartmann und Theo Volbracht.

„Man glaubt ja gar nicht, wie viele Auflagen bei so einer Restaurierung zu erfüllen sind“, stöhnt Dr. Elisabeth Baxhenrich-Hartmann, Vorsitzende des „Stadtprojekt“. Fluchtwege, Notbeleuchtung, alarmgesicherte Türen und behindertengerechte Toiletten sind nur einige Vorschriften.

 Viel Geld und noch mehr Schweiß haben die Vereinsmitglieder in den vorigen sechs Jahren investiert, doch das Ergebnis ist ihr schönster Lohn. Die Konturen des städtischen Lebens in diesem einstigen Luxusbau werden wieder sichtbar, Geschichte wird zum Erleben greifbar. Vor dem geistigen Auge sieht man schon Schulklassen staunend an historischen Küchen, Kaminen und Latrinen vorbeiziehen, die Hälse gen Kölner Decke gerichtet, einem Kleinod der Stukkateurkunst, die seinerzeit begüterten Bürgern vorbehalten war.

Doch auch heute sind die Baumaßnahmen nicht gerade billig, allein die NRW-Stiftung hat bislang 200 000 Euro zugeschossen. „Ohne öffentliche Gelder und zahllose private Spender war und wäre dieses Projekt nicht zu leisten“, sagt Baxhenrich-Hartmann und verweist darauf, dass die Arbeiten erst zu einem Drittel als abgeschlossen gelten dürfen.

 Das Architektenbüro Richard Pawlowski aus Warendorf ist für die Restaurierung des Häuserensembles „Altes Zollhaus“ zusammen mit dem Büro für Bauforschung und Dokumentation Laurenz Sandmann schon 2006 initiativ geworden und begleitet „Stadtprojekt“ seitdem. Für die Präsentation der ersten Entwürfe und der Nutzungskonzepte 2006 im Rathaus konnte das Büro nicht nur auf seine große Erfahrung mit Denkmalsanierungen zurückgreifen, sondern auch die Öffentlichkeit überzeugen, dieses Juwel der Ortsgeschichte zu erhalten.

Die über den Rahmen der Sanierung und Bauleitung hinaus reichende Fachkompetenz des Büros wird erweitert durch Innenarchitektur und Lichtdesign, die sich zur reizvollen und kreativen Planung im Umgang mit dem Denkmal entwickelt. „Sobald der Verein wieder finanzielle Mittel zur Verfügung hat, und die Farbfassung der Fassade und die endgültige Innenausstattung des Südanbaus vollendet werden können, ist dieser dritte Bauabschnitt ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Fertigstellung“, hofft Baxhenrich-Hartmann.

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