1000 MBit/s für die Schulen


Dass eine schnelle und breite Internetleitung nicht billig ist, erfuhren am Montag die Mitglieder des Hauptausschusses. Wie die Verwaltung berichtete, sollen die Verträge gebündelt und das Datenvolumen deutlich erhöht werden, was zu einer Verdopplung der Kosten führt.

Die Erhöhung der Glasfaserkapazitäten verursacht vor allem in den Schulen einen rasanten Kostenanstieg. Allein in der Teamschule werden Internet und Telefone statt bisher 2681 Euro künftig 10 095 Euro pro Jahr kosten. Dietmar Jeschke

Zu aufwendig, zu teuer und irgendwie reicht es ja auch (meistens) noch: Argumente, die wohl so mancher bereits gehört haben dürfte, wenn es um das Thema „schnelles Internet am Arbeitsplatz“ geht. Dabei ist schon lange klar, dass hohe Up- und Downloadgeschwindigkeiten längst nicht mehr nur überflüssiger Luxus für Spielefreaks sind. Bei stetig steigendem Datenvolumen sind schnelle Verbindungen vielmehr für viele Wirtschaftszweige schlichtweg lebensnotwendig. Und dann ist da ja noch die Coronapandemie, die gezeigt hat, dass sowohl Homeoffice als auch Homeschooling durchaus funktionieren – wenn denn die Leitungen stimmen. Das tun sie jedoch in der Drensteinfurter Stadtverwaltung samt all ihrer dazugehörigen Einrichtungen nicht. In der Sitzung des Hauptausschusses legte die städtische IT-Leiterin Nina Russow dazu Zahlen und Fakten auf den Tisch.

Derzeit, erläuterte Russow, habe man es in Sachen Internet und Telefon nicht nur mit unterschiedlichen Anbietern, sondern auch mit zahlreichen verschiedenen Vertragsmodellen zu tun. Mit einigen daraus resultierenden Problemen. So übernehme der jeweilige Provider bislang in vielen Fällen keine Garantie für eine bestimmte Bandbreite. Außerdem seien in den aktuellen Verträgen keine sogenannten „Service Level Agreements“ vereinbart, die gewährleisten, dass Störungen und Ausfälle schnellstmöglich behoben werden. Das jedoch sei auch mit Blick auf den digitalen Schulunterricht, das Homeschooling und auf viele andere internetbasierte Anwendungen dringend erforderlich.

Außerdem sei die eingangs erwähnte Bandbreite der Internetanschlüsse bereits jetzt nicht mehr ausreichend und damit schon gar nicht zukunftsfähig. Ganz abgesehen davon, dass es dazu gleich mehrere politische Anträge gibt, das öffentliche WLAN-Netz in der Stadt deutlich auszubauen.

Externe Datensicherung nicht möglich

Probleme, so Russow, bereitet die aktuelle Netzarchitektur zudem im Bereich der Datensicherung. Denn ein sogenanntes „OffSite BackUp“, das die Sicherung von Daten in einem separaten Brandabschnitt, Gebäude, Stadtteil oder Ort ermöglicht, sei mit den vorhandenen Kapazitäten nicht umsetzbar. Mit möglicherweise irgendwann einmal verheerenden Folgen, wie die jüngste Hochwasserkatastrophe im Westen der Republik gezeigt hat.

Um diese und weitere Probleme zu lösen, will die Verwaltung nun einen einzigen Vertrag für alle Liegenschaften abschließen, und zwar mit dem Unternehmen „Inexio Informationstechnologie und Telekommunikation GmbH“, hinter dem sich die Deutsche Glasfaser verbirgt. Das neue Vertragsmodell wird jedoch einiges kosten – und das vor allem, was die Schulen betrifft. Denn wie Nina Russow gleichfalls betonte, ist es klare Richtlinie von Bund und Ländern, die Leitungskapazität der Bildungseinrichtungen auf 1000 Mbit/s zu erhöhen. Und die sei mit Blick auf die Tatsache, dass das Ziel „jeder Schüler ein iPad“ wohl bereits im kommenden Jahr erreicht werde, auch notwendig. „Highspeed“ gibt es aber nicht zum Nulltarif. Denn die Gesamtkosten für die städtische Telekommunikation werden durch den Ausbau von bislang 35 072 Euro auf künftig 72 056 Euro pro Jahr steigen, was in Reihen der Politik für einige erstaunte Gesichter sorgte.

Drastischer Kostenanstieg sorgt für lange Gesichter

„Wir alle sind wohl davon ausgegangen, dass es durch eine Bündelung billiger wird. Dass das Gegenteil der Fall ist, haben wir nicht erwartet“, erklärte CDU-Fraktionsvorsitzender Markus Wiewel. Billiger, entgegnete Bürgermeister Carsten Grawunder, werde es aber wohl erst dann, wenn denn irgendwann Konkurrenz am Markt ist. Bislang nämlich besitze die Deutsche Glasfaser im Bereich der gewerblichen Kunden das alleinige Monopol.

„Irritiert und geschockt“ mit Blick auf die Kostenentwicklung zeigte sich auch Heidi Pechmann (Grüne), die sich zudem eine Aufstellung über die in der oben genannten Kalkulation noch nicht enthaltenen städtischen Mobilfunkkosten wünscht. „Sehr teuer“, findet auch Ingo Stude die nun angestrebte Tarifbündelung. Aber: „Für mich ist vollkommen klar, dass wir uns auf den Weg machen müssen“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Mögliche Kostenreduktionen durch eine Nachfragebündelung mit anderen Städten oder durch Fördermittel, wie von Studes Fraktionskollegin Silke Heitbaum angeregt, erteilte die Stadt übrigens mangels Umsetz- und Verfügbarkeit eine Absage.

von Von Dietmar Jeschkeund

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