Brillante Klänge für den Frieden


Um trotz der aktuell weltbewegenden (Kriegs-) Ereignisse einige Momente der Besinnung zu finden, hatten Kantorin Miriam Kaduk und Pastor Ludger Funke am Freitagabend zu einem Orgelkonzert zur Passionszeit in die besonders beleuchtete Walstedder Lambertuskirche eingeladen.

Kantorin Miriam Kaduk begeisterte an der Orgel. Tom Schüter und Clemens Wrocklage hatten die Lambertuskirche dazu lichttechnisch besonders in Szene gesetzt. Kirchengemeinde

Über zwei Jahre Corona-Pandemie und ein Angriffskrieg mitten in Europa, den bis vor einem Monat wohl nur wenige Menschen für möglich gehalten hatten: Um trotz dieser Ereignisse einige Momente der Besinnung zu finden, hatten Kantorin Miriam Kaduk und Pastor Ludger Funke am Freitagabend zu einem Orgelkonzert zur Passionszeit in die besonders beleuchtete Walstedder Lambertuskirche eingeladen.

Eröffnet wurde das Konzert mit der Fantasie in g-moll von Johann Pachelbel (1653 bis 1706). Mit dem gewohnt sehr klaren und strukturierten Vortrag des Stückes stimmte Miriam Kaduk die Zuhörerschaft in den Abend ein.

Es folgten Variationen über „Christus, der ist mein Leben“, besser bekannt als Melodie zum Kirchenlied „Beim letzten Abendmahle“, ebenfalls von Johann Pachelbel. Durch gekonnte Registrierung und überlegte Tempi-Wahl gelang es der Organistin, den Charakter jeder einzelnen Variation geschickt hervorzuheben.

Pastor Funke erläuterte schließlich, warum diese Stücke an den Anfang des Konzertes gesetzt wurden: Pachelbel verlor seine Frau und den gemeinsamen Sohn durch die Pest im Jahre 1683. Danach leitete Funke zum zweiten großen Thema des Abends über: dem Krieg. Die Komponisten der folgenden beiden Orgelstücke mussten beide den Zweiten Weltkrieg schmerz- und leidvoll erfahren: Jehan Alain (1911 bis 1940) wurde bei einem Gefecht an der Loire im Alter von nur 29 Jahren erschossen. Olivier Messiaen geriet 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft.

Der „Choral dorien“ von Alain war geprägt von sehr ruhigem Tempo, aus dem heraus sich brillante Klangfarben entwickelten. Bemerkenswert, wie die Organistin dies an der kleinen, aber feinen Walstedder Orgel umsetzte. Das Zusammenspiel von Musik und Licht kam hier in besonderer Weise zur Geltung und entführte die Zuhörerinnen und Zuhörer in eine eigene Welt.

Messiaens „Le banquet céleste“ (Das himmlische Gastmahl), ein harmonisch höchst anspruchsvolles Stück an der Grenze zur Atonalität, ließ die Zuhörenden trotz aller Dissonanz die tiefe Frömmigkeit spüren, die dem Werk innewohnt.

In der Mitte des Progamms stand ein geistlicher Impuls von Pastor Ludger Funke. Er wählte einen erst anlässlich des Kriegs in der Ukraine entstanden Text von Stephan Wahl aus. „Es ist Krieg – ein ratloser Psalm“.

Der Theologe und Autor Stephan Wahl, bekannt aus Funk und Fernsehen, war als Priester des Bistums Trier Mitglied des Rundfunkrates des SWR und im ARD-Programmbeirat tätig. Seit 2018 lebt er als Seelsorger und Autor in Israel. In seinem Text beschreibt er seine Fassungslosigkeit und Bestürzung über den russischen Angriff auf die Ukraine und den Krieg mitten in Europa mit der Bitte um Frieden und Mut für das Volk.

Die Hoffnung auf Frieden spiegelt auch das nächste Musikstück wider: „Pièce héroïque“ komponierte César Franck (1822 bis 1890) zum Gedenken an die „Helden“ des deutsch-französischen Kriegs 1870/71 oder des blutigen Bürgerkriegs der Pariser Commune. Bezeichnend der Titel: Nicht der Sieg, sondern der Frieden ist heldenhaft. Während der düstere, beklemmend wirkende Beginn des Stückes das Thema Tod und Krieg aufgreift, lässt das strahlende Dur zum Ende auf Frieden hoffen.

Das folgende Gemeindelied „Beim letzten Abendmahle“, bei dem alle Anwesenden zum Mitsingen eingeladen waren, griff die so herrschende Stimmung gut auf.

Zum letzten Teil des Konzertes leitet Pastor Funke über, in dem er sehr persönlich von seinen Erlebnissen mit dem Musical „Jesus Christ Superstar“ berichtete. Es folgten fünf Stücke aus dieser Rock-Oper von Andrew Lloyd Webber, in der bekannte Themen aufgegriffen wurden und in der Bearbeitung für Orgel einen eigenen Charakter entwickelten.

Anstelle einer klassischen Zugabe erklang an der Orgel die ukrainische Nationalhymne. Gleichzeitig wurde die Kirche in blaues und gelbes Licht gehüllt, den Nationalfarben der Ukraine – ein bewusst gewähltes Zeichen der Solidarität.

Die Hörerschaft danke für diesen besonderen Abend neben Applaus mit Spenden, die am Ausgang für die Ukraine und andere Krisengebiete auf der Welt gesammelt wurden.

von undefined

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.