Der Schmied und die Feuerwehr


Jahrzehnte in der Feuerwehr, im Kirchenchor, in der Kolpingfamilie und im Vorstand der Handwerksinnung: Berni Münstermann hat sich auch darüber hinaus in vielen Bereichen wie zum Beispiel im Rat der Stadt engagiert. Heute wird der Sendenhorster 90 Jahre alt.

In seinem Garten fühlt sich Berni Münstermann heute noch besonders wohl. Josef Thesing

An der Wand im Flur hängen zwei Goldene Meisterbriefe. Einer ehrt den Schmied, der andere den Landmaschinenmechaniker – beide in einer Person. Auf dem Tisch im Wohnzimmer hat Bernhard „Berni“ Münstermann jede Menge Urkunden, Auszeichnungen und Erinnerungen zu besonderen Anlässen in seinem Leben ausgebreitet. 65 Jahre Freiwillige Feuerwehr, 75 Jahre Kirchenchor, 20 Jahre Rat der Stadt, 72 Jahre Kolpingsfamilie, 30 Jahre stellvertretender Obermeister der Innung, zehn Jahre Schöffe am Oberverwaltungsgericht, Volksbank-Vertreter und einiges mehr: Da ist viel ehrenamtliches Engagement zusammengekommen. 23 Jahre war Berni Münstermann zudem Sprecher der Ehrenabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Sendenhorst und Albersloh. An den Treffen dieser Abteilung nimmt er immer noch teil. „Die ganzen Urkunden zeigen, dass man älter geworden ist“, meint der Sendenhorster, während er in alten Unterlagen blättert. 27 hat er gezählt. An diesem Freitag wird Bernhard Münstermann 90 Jahre alt.

Ach ja, die Diamantene Hochzeit mit seiner Frau Luzia soll natürlich auch nicht vergessen werden. „60 Jahre verheiratet, und das immer mit ein- und derselben Frau“, sagt Berni Münstermann in der ihm eigenen Art. Corona habe es nicht zugelassen, dass das gebührend gefeiert werden konnte.

Münstermann hat viel zu erzählen, vor allem viele Begebenheiten aus seiner Tätigkeit für die Feuerwehr, für die er auch das Archiv mit aufgebaut hat. Er erinnert sich noch gut, wie zum Beispiel bei einem Hofbrand der verlorene Ehering in der Dachrinne wiedergefunden wurde. „Die Feuerwehr war sein Leben“, sagt auch seine Frau. Egal wo: „Er ließ alles liegen und stehen.“

An Beispiele hierfür erinnert sich Münstermann noch lebhaft. Das war zum Beispiel der Auftakt zum Kolping-Karneval mit ihm als Elferratsmitglied. Alle freuten sich auf die Feier, dann kam der Alarm. Also war es für ihn diesmal nichts mit dem Feiern. Oder auch, wie die Wehrleute den Elefanten eines gastierenden Zirkus’ wieder auf die Beine geholfen haben.

65 Jahre aktiv in der Feuerwehr: Das war von den Einsätzen her natürlich nicht immer nur schön, weiß auch Berni Münstermann – und drückt auch das auf seine Weise aus. „Ich habe mal zu Ewald Rüschenschmidt gesagt, dass die Feuerwehr kein Kegelclub ist.“ 

42 Lehrlinge hat Meister Bernhard Münstermann ausgebildet, hat er ebenfalls notiert. Die Arbeit als Schmied hat ihm besonders viel Spaß gemacht, sagt er. Der eigene Familienbetrieb, den es nach seinen Recherchen seit 1548 gab, war zunächst an der Weststraße angesiedelt, dort, wo es heute die Apotheke gibt. Pferde gehörten nicht zu seinem Metier, aber in den damals zwölf Brennereien in der Stadt habe es immer Arbeit gegeben, und wohl auch das eine oder andere Schnäpschen. „Das waren schöne Jahre. Es war immer warm in der Bude“, blickt Münstermann zurück. In den 1970er Jahren ist er dann ins Gewerbegebiet umgezogen und hat dort auf 1000 Quadratmetern einen neuen Betrieb aufgebaut.

Münstermann war Zeit seines Berufslebens mit Leib und Seele Handwerker. „Heute gibt es hier ja keine Schmiede mehr“, bedauert er. Auch in seiner Schmiedekunst spielt sich zuweilen sein Humor wieder, wie etwa die Skulptur der Bremer Stadtmusikanten in seinem Garten zeigt, zu der eine Kuh und ein Hausschwein gehören.

Bis auf die üblichen „Alterswehwehchen“ sei er „im guten Zustand“, beteuert Berni Münstermann. Zwar seien Auto- und Fahrradfahren nicht mehr drin, aber Spazierengehen und Einkaufen allemal. Mit seinem Leben ist er zufrieden, es habe Spaß gemacht. „Ja, nu“, sagt er hierzu, „bis auf den Essig ist uns nichts sauer geworden“.

Auch dem heutigen Tag sieht er in seinem feinen Anzug gelassen entgegen. „Wer kommt, der kommt.“ Bürgermeisterin Katrin Reuscher schaut auf jeden Fall vorbei.

von Von Josef Thesing

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